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10. Dezember 2016

Ein Leben für die 180-Grad-Wende am Kahlenberg

LAND UND LEUTE: Lothar Krikowski vom BUND Ettenheim erhält für sein 40-jähriges Engagement den Ortenauer Umweltpreis 2016.

  1. Lothar Krikowski mit seiner Urkunde Foto: Karin Reimold

OFFENBURG. Idealist, Tier- und Pflanzenfreund und Visionär – Lothar Krikowski wurde am Mittwochabend im Saal der evangelischen Kirchengemeinde in Offenburg für sein 40-jähriges Engagement mit dem Ortenauer Umweltpreis 2016 ausgezeichnet.

Viele Wegbegleiter ließen es sich nicht nehmen, den Vorsitzenden des BUND Ettenheim in einer Feierstunde hochleben zu lassen. Darunter auch Petra Rumpel, Geschäftsführerin des BUND Ortenau und Pfarrerin Claudia Roloff, die Krikowski für seinen Jahrzehnte langen Einsatz in der Ortenau würdigte. Eine rührende Rede hielt sein Kollege und Freund Georg Gibis vom Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg. Zusammen mit ihm setzt sich Krikowski für Pflanzen- und Tierarten auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie ein. Lothar Krikowskis Landschaftspflege habe am Kahlenberg Frieden zwischen Natur und Technik geschaffen, sagte Gibis. "Normalerweise sind Naturschützer Gegner von Mülldeponien. Doch Lothar hat stets über den Tellerrand geschaut", hob der Geschäftsführer des Zweckverbands hervor. Das Konzept, aus der einst nach Methan stinkenden Deponie zu einer der modernsten Abfallbehandlungsanlage zu machen, hätten sie gemeinsam erarbeiteten. "Heute nach 20 Jahren kann die aus der Anlage generierte Fernwärme zwischenzeitlich zehn Millionen Liter Heizöl ersetzen", sagte Gibis stolz. Krikowskis Engagement um Nachhaltigkeit mache aber auch vor dem Privaten nicht Halt. "Lothar ist ein Idealist, der eine andere Lebensweise pflegt, weit gehend ohne Konsum und Luxus. Deshalb verdient er diesen Preis auch aus persönlichen Gründen."

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Anschließend bedankte sich Hans-Jürgen Gebhardt vom Umweltkreis der evangelischen Kirche beim Ehrengast für die 20-jährige Zusammenarbeit.

Auch Exkursionen mit Baumumarmungen im Angebot

Einen Eindruck von den vielfältigen Aktivitäten des Naturschützers vermittelte Petra Rumpel in ihrer Bildpräsentation mit dem Motto "Lothar in Aktion". Ob Holunder-Seminar, Schutz von Kröten auf Wanderung mittels eines vier Kilometer langen Zauns, dem längsten in ganz Baden-Württemberg, ob Umweltgottesdienst oder das Bauen von Wildbienenhotels – der 75-Jährige hat sein Leben der Natur verschrieben und dabei einiges bewegt. "Vor ein paar Wochen haben wir die Wildkatze zwei Mal nachgewiesen", erklärte er anhand eines Fotos. Dabei lockte er das wieder heimisch werdende Wildtier mit Baldrian in die Fotofalle. Danach wurden die gefundenen Haare zur DNA-Analyse geschickt und so der Wildkatze zugeordnet. Man brauche eben einen langen Atem, wenn man Gutes tun möchte, sagte er.

Und den braucht er auch im Kampf gegen die Neophyten, fremdländischen Pflanzen, wie dem hochgefährlichen Riesenbärenklau und dem unerwünschten Japanknöterich. Letzterem geht es im Frühjahr auf besondere Weise an den Kragen. "Naturschutz mit Messer und Gabel", lachte Krikowski als Kommentar zum nächsten Foto. "Wir haben den Japanischen Knöterich in der Schulküche verarbeitet, schmeckt ein bisschen nach Rhabarber", erklärte der Fachkundige, der mit Projekten wie diesen, auch Kinder und Jugendliche für den Umweltschutz begeistern will.

Schließlich habe auch sein Einsatz als Zivildienstleistender begonnen. "Ich habe 1986 mit einem Kollegen 1000 Quadratmeter Orchideen am Kahlenberg umgesiedelt", erzählte Krikowski und bedankte sich bei seinen Wegbegleitern im Saal. Denn gerade sie und das Herzblut für die Umwelt, seien stets unabdingbarer Antrieb für ihn gewesen. "Es ist die kritische Masse, die alles bewegt und die sitzt heute hier."

Kräuterwanderungen oder Exkursionen mit Baumumarmungen oder warum Brennnesseln nicht brennen, wenn man mit ihnen spricht, gehörten zu seinem Engagement, ebenso wie Notrufe aus der Region, wenn ein Hornissennest herabgefallen war. Insgesamt 4000 Stunden habe er im Laufe der Jahre am Telefon verbracht und sei 37 400 Kilometer im Ortenaukreis gefahren für seine Rettungs- und Beratungsaktionen.

Zur Ruhe möchte sich der gelernte Naturpädagoge aber noch lange nicht setzen, denn die Frage, was kann ich für die Umwelt tun, ist nach wie vor das Credo, dem er folgt. "Noch immer bin ich jeden Tag neugierig. Und dafür danke ich meinem Schöpfer."

Autor: Karin Reimold