Ein Ton, wie aus dem Erdloch

rob

Von rob

Mo, 07. Mai 2012

Offenburg

"Mo’ blow" macht Dampf.

OFFENBURG. So muss ein Funk-Konzert anfangen: Die Drums geben den Beat vor, eins, zwei, drei, vier. Ein plusternde Bassfigur ruft erste Zuckungen in den Beinen hervor, dann drückt Bandchef Felix F. Falk dieses unglaubliche, irre Riff aus dem Bariton-Sax, grollend und rau und raspelnd und reibend. Es ist ein Ton, wie aus einem Erdloch.

Mit einer Melodie gibt sich Falk bei diesem Song nicht wirklich ab. Das Ding besteht aus diesem Riff, den teils der E-Bass von Tobias Fleischer, die Drums von Andre Seidel und die flächigen Rhodes-Akkorde von Matti Klein unisono mitgehen. Wo Falk einen lang gezogenen Baritonschluchzer dazwischen schiebt, lassen seine drei Kollegen den nervösen Puls einfach weiterflattern, und sofort steigt Falk wieder ein in den Groove, lotet den Funk aus mit tiefsten Tönen, mit Pupsern, Grunzern, Rülpsern, und es geht immer noch ein bisschen tiefer, und es groovt wie die Hölle.

"Mo’ blow" heißt die Band, frei übersetzt: "Mehr Druck, mehr Dampf, mehr Schmackes", und die vier Berliner, deren aktuelles Album "For those about to funk" eben von dem schwedischen Top-Posaunisten Nils Landgren produziert wurde, machen am Donnerstagabend im gut gefüllten Spitalkeller ihrem Namen alle Ehre. Alle ihre Nummern sind funky, aber nicht alle sind so unverschämt auf den puren Rhythmus reduziert wie "Fried Chocolate", die Einstiegsnummer. "Groomsman" arbeitet mit zickigen Rhodes-Akkorden, wobei der Rhodes-Sound diese typische Unkonturiertheit hat, ein Klang, der an den Rändern verschwimmt, was einen schönen Kontrast zum oft knackenden geslapten E-Bass ergibt. Falk bläst diesmal ein Alt-Saxophon, pochende, stechende Töne "b-b-b-bow-wow", die Drums klingen staubig und das Bassriff hüpft summend durch anderthalb Oktaven. In dieses Groove-Muster platziert die Band lyrische Passagen. Falk zieht den Ton hoch, lässt ihn verträumt und nachtblau ausschwingen, sinniert hinterher, träumt den Mond an. Dann: Zischende, abgerissene Hi-Hat-Schläge, und weiter geht’s im Groove. Praktisch jede Nummer ist ein Funk-Knaller, mal richtig stramm, mal ein bisschen entspannter. Den fiebrigen Attacken eines Maceo Parker setzt Falk eine gewisse Distanziertheit entgegen. Spaß ja, Soul-Schweiß nein. Bei "Mo" Blow" ist alles kurz, knackig, kompakt, Funk, aber schlank.