Offenburger Weihnachtscircus

"Eine moderne Dressur funktioniert ohne Zwang"

Christine Storck

Von Christine Storck

Do, 27. Dezember 2018 um 15:42 Uhr

Offenburg

Tierschützer kritisierten den Offenburger Weichnachtscircus wegen der Dressur von Wildtieren. Nun wehren sich die Trainer: Die Bedingungen für die Tiere seien gut.

Fast ein ganzes Zelt voll Besucher nutzte am Sonntag den Tag der offenen Tür beim 23. Offenburger Weihnachtscircus, um hinter die Kulissen zu blicken und vor allem den Tiertrainern Fragen zu Haltung und Dressur von Wildtieren zu stellen. "Wir haben nichts zu verbergen", sagte der PR-Beauftragte der Weihnachtscircus, Patrick Adolph.

Tierrechtler hatten im Vorfeld einmal mehr scharfe Kritik geübt und ein Wildtierverbot für Offenburg gefordert. In den Vorstellungen treten diesmal rund 100 Tiere auf, mehr denn je. Der erste Tag der offenen Tür dieser Art beim Offenburger Weihnachtscircus sei jedoch keine Reaktion auf die scharfe Kritik der Organisation Peta, die vor Beginn der rund zweieinhalb wöchigen Saison von einer "tierschutzwidrigen Veranstaltung" sprach.

Ein Programm ohne Wildtiere kommt für den Zirkus nicht in Frage

"Wir wollen einfach eine Politik des offenen Hauses. Jeder, der sich informieren möchte, kann kommen", sagte Adolph. Da das Programm in diesem Jahr sehr tierlastig sei, habe es sich angeboten, die Pforten auch mal außerhalb der Vorstellungen zu öffnen. Über ein Programm ohne Wildtiere werde beim Weihnachtscircus nicht nachgedacht. "Die Leute wollen Tiere in der Manege", sagte Adolph. Die Besucherzahlen der vergangenen Jahre würden dies belegen. "Rund 42.000 Zuschauer in der Saison 2017 können nicht irren", so Adolph.

"Es gibt zur Tierhaltung ganz klare Vorschriften", ergänzte Dieter Seeger, Tierschutzbeauftragter des Veranstalters, Charles Knie, Produktionsleiter in Offenburg und Vorstand im Verband deutscher Zirkusunternehmen. Im Weihnachtscircus gehe es "tiergerecht" zu. Die Tiere fühlen sich wohl und sind gesund, so Seeger. "Das kann auch in menschlicher Obhut funktionieren", sagte er.

Kann Tierdressur ohne Zwang funktionieren?

Es gebe keine seriöse wissenschaftliche Arbeit über Zirkustiere, die das Gegenteil belegt. Eine gute, moderne Dressur funktioniere selbstverständlich ohne Zwang oder Gewalt, sondern mit der Technik der positiven Verstärkung, viel Zeit, Geduld und einem über Jahre aufgebauten Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Trainer.

Das wollten auch die zwei international bekannte Tierlehrer und Preisträger des Silbernen Clowns von Monte Carlo, Erwin Frankello und Alexander Lacey, mit einer kommentierten Probedressur zeigen. "Seelöwen sind eigentlich an Land lebende Tiere, die als Baby erstmal schwimmen lernen müssen", erklärte der aus Mecklenburg stammende Seelöwen-Dompteur Erwin Frankello.

"Ich muss die Tiere respektieren, beobachten und verstehen." Raubtier-Trainer Alexander Lacey
Die Zeit im Weihnachtscircus sei für sie willkommene Abwechslung. "Die Auftritte, andere Tiere, die sie noch nie gesehen haben, oder der vorbeifahrende Zug – alles interessiert sie", sagte Frankello. Von morgens um sieben bis um Mitternacht kümmere er sich um die Seelöwen "Itchy" und "Scrachy" sowie um seine beiden Elefanten, inklusive Training, Pflege, Füttern und "Ins-Bett-bringen". Im Weihnachtscircus haben die Seelöwen einen eigenen Wagen und ein Wasserbecken mit rund 75.000 Litern Wasser zur Verfügung. Zuhause können sie in einer festen Anlage mit rund 500.000 Litern plantschen.

Viel Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit bringe nach eigener Aussage auch Raubtier-Trainer Alexander Lacey seinen insgesamt 13 Tigern und Löwen entgegen. "Ich muss sie respektieren, beobachten und verstehen. Wenn einer mal keine Lust hat, braucht er nicht in die Manege", sagte der Engländer. Löwen und Tiger schlafen bis zu 22 Stunden am Tag, "egal, ob sie im Zirkus oder in Afrika sind". Die Tiere würden die Routine kennen, die ihre Tage strukturiert. "Das ist sehr wichtig", so Lacey.

Die Löwen, mit denen der Engländer arbeitet, leben bereits in der elften Generation in seiner Familie, die Tiger in der neunten. "Insgesamt züchten wir seit mehr als 50 Jahren", sagte er. Wenn ein Baby acht Monate alt ist, könne er mit dem Training beginnen, der erste Auftritt in der Manege stehe dann mit etwa zweieinhalb bis drei Jahren an. Trainiert würden sie aber jeden Tag bis an ihr Lebensende. Immer, wenn einer etwas gut gemacht hat, bekomme er ein Stück Fleisch. "Das ist wie Bonbons für die Kinder", scherzte der Dompteur.

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