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04. Oktober 2013

Eine selbstbewusste Bilderwelt und Handschrift

Birgit Fischer präsentiert sich nach Studienjahren in Prag mit der Ausstellung "Riedborelle" in der heimatlichen Ortenau.

  1. Zwischen Drehbänken hat Birgitt Fischer ihre Bilder platziert. Foto: P. Heck

OFFENBURG. Einiges ist ungewöhnlich an der Ausstellung von Birgitt Fischer im beruflichen Bildungszentrum "fit for work" in Offenburg. Zum einen sind zwei Tage nicht gerade viel für eine Ausstellung. Doch das hängt – auch – mit der zweiten Besonderheit zusammen: Obwohl Birgitt Fischer Alternativen geboten wurden, wo die Werke hätten länger hängen können, entschied sie sich für eine Präsentation ihrer Werke in der Lehrwerkstatt zwischen Drehbänken und Schaubstöcken. Ganz offensichtlich hat die Künstlerin Freude daran, wenn etwas nicht zusammen passt, "es geht ihr nicht darum, zu gefallen mit ihren unkonventionellen Arbeiten", befand Laudatorin Angelika Nain bei der Vernissage.

Irritierend ist auch der Titel der Ausstellung, "Riedborelle". Nein, keine gefährlichen Borelien werden hier übertragen, sondern einfach Buchstaben. Das "B" der im Ried aufgewachsenen "Birgitt" führt die Forelle als Borelle nun zu neuen Ufern, als zielstrebiges, streng geometrisches Tier in Mosaiksteinchen-Optik. Auch den Birsch und den Bogel verwandelt Birgitt Fischer sich an. Überhaupt spielen die Vögel eine wichtige Rolle als stilisierte Silhouetten vor Rastern stehend. Mehr noch als die Motive sind die Raster das Thema der Künstlerin, eine Verbindung zwischen ihrer Ausbildung als Bauzeichnerin und dem Kunststudium in Prag, dessen Abschlussjahr sie als Stipendiatin des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds absolvieren wird.

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Hat die 1972 geborene Künstlerin eine eigene Handschrift? Eine Frage, die man sich bei aller Individualität der Ausstellungskonzeption durchaus stellen kann in Anbetracht der sehr geometrisierten Landschaften von Schwarzwald und Vogesen. Warum malt sie keine Prager Dächerlandschaft in diesem Stil, obwohl sie schon seit 2008 dort lebt? Heimatverbundenheit ist ein wichtiges Motiv. Die Auenlandschaft im Ried hat sie – während eines "Auslandssemesters" in Karlsruhe – mit Lochkameras eingefangen, als Traumbilder von großer Intensität. Bei den Tieren ist es vor allem die heimische Tierwelt, die sie zuweilen ikonografisch inszeniert, bis hin zum selbstbewussten Schweineportrait, mit dem Fischer sich an ihre Kindheit auf einem kleinen Schweinebauernhof erinnert. Ihre häufig eher technische Malweise lenkt ab von der Emotionalität, die Fischer als Person ausstrahlt. Mit den geometrischen Formen schafft sie die Distanz zur idyllischen Heimat, die sie sich im richtigen Leben mit dem Studium in Prag gesucht hat. Doch zwischen den Rastern scheint eine starke Persönlichkeit auf, die zwar die Ordnung des Lebens schätzt, sich aber nicht einordnen lassen will.

Autor: Juliana Eiland-Jung