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26. Juli 2011 15:40 Uhr

Verein "OGays" setzt Stolperstein für C. H. Günner

Erinnerung an die Schwulenverfolgung

Mit einem Stolperstein gedenkt der Offenburger Verein "OGays" dem von den Nazis ermordeten Carl Hermann Günner. Er starb kurz vor Kriegsende im KZ Dachau, wohin er nach einer Verurteilung aufgrund des "Schwulenparagrafen" der Nazis deportiert worden war.

  1. Mit dem 120. Offenburger Stolperstein: Ralf Bauer (l.) und Tobias Lauinger (beide Verein OGays) sowie Koordinatorin Gerda-Marie Lüttgen.

  2. Der 120. Stolperstein in Offenburg ist der erste, der an die Schwulenverfolgung durch die Nazis erinnert. Foto: Helmut Seller

Der 120. Stolperstein zur Erinnerung an Opfer der Nazi-Gräuel in Offenburg ist zugleich der erste, mit dem eines ermordeten Homosexuellen gedacht wird: Carl Hermann Günner, geboren am 10. Juni 1881 in Offenburg, gestorben am 9. Februar 1945 im Konzentrationslager Dachau. Am Freitag wird der Verein "OGays" vor Günners einstigem Wohnhaus in der Hauptstraße 87 (heute Volksbank-Filiale) den von Gunter Demnig gefertigten Stolperstein setzen. Anschließend lädt der Verein zu einem Vortrags- und Filmabend zur Schwulenverfolgung im Dritten Reich ins Forum Kino (siehe Infobox). OGays ist ein Verein von Schwulen für Schwule in der Region Offenburg mit 27 zahlenden Mitgliedern und rund 170 Unterstützern.

Über das tragische Schicksals von Carl Hermann Günner wurde der von den Vorstandsmitglieder Ralf Bauer, Bernhard Schanze und Tobias Lauinger geführte Verein durch einen Hinweis des Freiburger Historikers William Schäfer aufmerksam. Schäfer ist laut Ralf Bauer bei Forschungen im KZ Dachau auf Günner gestoßen und hat den OGays e. V. aufmerksam gemacht. Über den Offenburger war nur wenig bekannt. Dank fleißiger Recherchen und mit Hilfe von Wolfgang Gall, Leiter des Offenburger Stadtarchivs und Museums, konnte der Verein die Geschichte Günners ein wenig erhellen.

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In den Akten der Stadt taucht er außer bei seiner Geburt erst wieder 1911 als Buchdruckereibesitzer in der Spitalstraße 7 auf. Wie OGays anhand von Werbeanzeigen am Ende des Offenburger Adressbuches herausfand, muss sich Günners Geschäft offenbar hervorragend entwickelt haben. Bald schon firmierte er auch als Buch-, Papier- und Schreibwarenhandlung. Wohnung und Geschäft wurden im April 1929 von der stillen Seitengasse an die Hauptstraße 87 verlegt. Über die Umstände, die vor September 1944 zur Verurteilung Günners nach dem sogenannten Schwulenparagrafen (§ 175) geführt hatten, ist nichts bekannt. "Der Fall war zu unwichtig, die Akten wurden irgendwann vernichtet", so Ralf Bauer. So konnte auch nicht geklärt werden, ob die beiden Ehen Günners nur dem Schein dienten. Tatsache ist, dass der Geschäftsmann ins Konzentrationslager nach Natzweiler deportiert und am 4. September 1944 ins KZ Dachau verlegt wurde. Dort wurde er am 9. Februar 1945 ermordet – nur wenige Wochen vor der Befreiung durch die Alliierten. Wie Günner ums Leben kam, ist nicht bekannt. Erst ab 1952 existieren wieder Adressbücher. Laut Ralf Bauer hat Günners zweite Ehefrau Amalie das Geschäft weitergeführt. Kinder sind aus keiner der beiden Ehen hervorgegangen. Für Ralf Bauer von OGays ist das Gedenken an Günner gegen das Vergessen, aber auch in die Zukunft gerichtet: "Wir wollen zeigen, dass wir da sind – ganz normal und nicht so schräg, wie man gelegentlich im Kino gezeigt wird."

Stolperstein setzen

Um 19.30 Uhr am kommenden Freitag, 29. Juli, wird von OGays e. V. im Beisein der Offenburger Stolperstein-Koordinatorin Gerda-Marie Lüttgen sowie des Stadtarchivars Wolfgang M. Gall vor der Hauptstraße 87 (heutige Volksbank-Filiale, derzeit Baustelle) nach kurzen Ansprachen der 120. Stolperstein gesetzt. Interessierte sind willkommen. Infos, auch über den Verein, unter www.ogays.de sowie allgemein über das Stolpersteinprojekt unter www.stolpersteine.com

Vortrag und Filmabend

Der Schwulenverfolgung unter den Nazis ist das alle zwei Monate im Forum-Kino stattfindende Regenbogenkino von OGays e. V. am Freitag, 29. Juli, gewidmet. Ab 21.30 Uhr wird im Forum der französische Spielfilm "A Love to Hide" (Original mit dt. Untertiteln) gezeigt, in dem es um das erschütternde Schicksal eines schwulen Liebespaares im Zweiten Weltkrieg geht. Der Eintritt frei. OGays e. V. bittet die Kinobesucher aber um eine Spende, die vor der Vorstellung eingesammelt wird, um den Saal finanzieren zu können. Karten können unter www.forumoffenburg.de reserviert werden. Der Freiburger Historiker William Schäfer wird den Film durch einen Vortrag über die Situation der badischen Schwulen in der Nazizeit einleiten.

Autor: hsl