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09. September 2014

Exegese des Strumbelschen Heimatbegriffs

Werk-Monographie erscheint.

  1. Stefan Strumbel Buchveröffentlichung Monographie Foto: Bild honorarfrei

OFFENBURG. Der Offenburger Street-Artist Stefan Strumbel ist jetzt auch zwischen zwei Buchdeckeln zu erleben. Im Hamburger Distanz-Verlag erscheint dieser Tage eine aufwändig gemachte Werk-Monographie, die einen Überblick des Strumbelschen Schaffens seit 2011 liefert. Der aus Offenburg stammende Kunstvermittler und Ausstellungsmacher Florian Waldvogel sowie der freie Kurator und Kunstpublizist Raimar Stange steuern die Texte bei. Sie verschaffen auf 184 Seiten Strumbels "Heimat"-Thema den kunsttheoretischen Glorienschein.

Stefan Strumbels Kunst hat den großen Vorteil, dass sie auch ohne große Erklärung funktioniert. Seine Bilderwelt hat das, worum viele akademisch ausgebildete Künstler Strumbel beneiden: Unmittelbarkeit. Wenn der Künstler Handgranaten statt Tannenzapfen oder Sturm- statt Jagdgewehre in seine Kuckucksuhr-Objekte schmuggelt, dann verstehen die Betrachter, dass dieser Heimatbegriff ein sehr welthaltiger ist, Lichtjahre entfernt vom Heimatkitsch, dessen Ikonographie Strumbel gleichwohl ironisch plündert.

Doch schön ist es halt schon, wenn akademischer Kunstdiskurs das Offensichtliche überhöht. "Heimat muss hierbei als eine Metapher für Sozialisationserlebnisse und das Identitätsstiftende verstanden werden, die in einer globalisierten und zunehmend digitalisierten Welt aber auch anachronistisch anmutet. Heimat wird so zu einer kulturellen Konstruktion und die Kuckucksuhr als folkloristischer Fremdkörper zum Übertragungsgegenstand der eigenen Identität", heißt es im Ankündigungstext des Verlags.

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Das Buch ist jedenfalls schön gemacht. Es fasst das jüngere Werk des 35-jährigen Künstlers zusammen: von der Ausmalung der katholischen Kirche in Goldscheuer über den Auftrag für die Kulissen zur Puccini-Oper "La Bohème" durch die Stuttgarter Staatsoper (Mai 2014) bis zu neuen, mehr abstrakten Arbeiten zum Thema "Fachwerk". Den Vorrang des Worts bei dieser Strumbel-Exegese signalisiert das Buch mit der schönen Idee, den deutsch-englischen Text bereits auf dem vorderen Buchdeckel beginnen und erst auf dem hinteren Buchdeckel enden zu lassen. Darüber hinaus sind die Ausstattung mit Bildern und das Layout erlesen.

Stefan Strumbel, Transformation folkloristischer Klischees, Distanz-Verlag, 184 Seiten, 39,90 Euro

Autor: Ralf Burgmaier