Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. November 2011

Farben aus den Tiefen des Alls

Tim Otto Roth betreut derzeit seine Lichtinstallation am New Yorker Naturgeschichtemuseum.

  1. Tim Otto Roth aus Oppenau, Lichtkunstausstellung am Americain Museum of Natural Foto: Tim Otto Roth

  2. Tim Otto Roth aus Oppenau, Lichtkunstausstellung am Americain Museum of Natural Foto: Privat

NEW YORK/OPPENAU. "Kehl-Kork – New York", sagen Ortenauer, wenn sie augenzwinkernd sowohl auf das Provinzielle als auch auf die Welthaltigkeit der Region am Oberrhein im Vergleich mit den Hot Spots dieser Erde hinweisen wollen. Im Falle des Konzept-Künstlers Tim Otto Roth könnte die Variante des Spruchs "Oppenau – New York now" heißen.

Der 37-jährige Roth, der aus dem Renchtäler Schwarzwaldstädtchen stammt, in Oberkirch das Hans-Furler-Gymnasium besuchte, in Kassel die Kunstakademie erfolgreich abschloss, derzeit in Medienwissenschaft über Schattenbilder promoviert, erst im Juli in den Offenburger "Galleries" auf Anregung von Galerist Ulrich Marx eine Ausstellung mit den Schattenbildern seiner Studienkollegin Sabine Große kuratierte und als Konzeptkünstler an seinem Zweitwohnsitz in Köln ein Büro unterhält, sorgt derzeit mit einer großen Laserlichtinstallation im Staatlichen Naturkundemuseum von New York für einen echten Hingucker. In Zusammenarbeit mit dem Hubble Space Telescope Science Institute wurde am 14. November im American Museum of Natural History im Herzen von New York City eine spektakuläre Lichtkunstausstellung eröffnet. Noch bis 27. November oszilliert dort jeden Abend eine leuchtende Zickzacklinien über die kugelige Außenhaut des Museumsplanetariums. Auf dem großen Foto oben ist zu erkennen, wie das Oszillogramm auf die Kugel projiziert wird, in deren Inneren Besucher gewöhnlich die Spektakel des Kosmos durch Projektionen vor Augen geführt bekommen: kollidierende Galaxien, explodierende Sonnen, Schwarze Löcher, geschweifte Kometen oder magische Nordlichter. Auf der Außenhaut der Kugel erzählt Roth ebenfalls vom Universum. "Wir zeigen ein Intensitätsdiagramm der ältesten Farben des Kosmos", berichtet er gut gelaunt, obwohl es zum vereinbarten Zeitpunkt unseres Telefonats in New York gerade erst 4.30 Uhr ist. Weil das Institut, das die Daten des Weltraumteleskops Hubble auswertet, für diese Aktion mit im Boot ist, hat Roth Zugriff auf Spektralanalysen des Lichts von weit entfernten Objekten im Universum. Dieses uralte Licht, das viele Lichtjahre unterwegs war, bevor es auf der Erde ankam, hat das Hubble-Institut in sein Spektrum zerlegt. Mit zwei Lasern wirft Roth dieses Farbspektrum auf die Kugel. "Das Licht auf eine sphärisch gewölbte Fläche zu projizieren, war allerdings ganz schön tricky", erzählt er.

Werbung


Tim Otto Roth geht dahin, wo es vielen Künstlern weh tut: Naturwissenschaft

Der aktuelle Erfolg des Künstlers hat auch damit zu tun, dass der 37-Jährige gerne dorthin geht, wo es vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern weh tut: Er interessiert sich seit jeh für Naturwissenschaften und verfügt damit über eine eher seltene Doppelbegabung im Künstlermilieu. Möglicherweise hat das mit seinem Interesse an Fotografie zu tun. Sein Kunstlehrer am Hans-Furler-Gymnasium in Oberkirch war der bekannte Oberkircher Künstler Heinz Schultz-Körnig, der Tim Otto Roths Talent erkannte, ihn förderte und in die Foto-AG aufnahm. "Dabei hat mich mehr die als künstlerische die wissenschaftliche Seite der Fotografie interessiert", so Roth. Dennoch folgte er dem Rat seines Mentors Schultz-Körnig, sich bei einer Kunsthochschule zu bewerben. Die Kunstakademie Kassel war der Ort der Wahl. Roth wurde im ersten Anlauf angenommen. Im Jahr 2000 schloss er gleichzeitig Kunststudium und visuelle Kommunikation ab. Als Meisterschüler machte er weiter, um neben seiner künstlerischen Tätigkeit dem akademischen Betrieb über seine Promotion bis heute verbunden zu bleiben. "Was ein Bild und was Farbe ist, reflektiere ich in meiner Arbeit. Besonders interessiert mich, was in den Naturwissenschaften mit dem Bild geschieht", erläutert er einen Ansatz, der ihm immer wieder die Tür für die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern öffnet. So auch derzeit in New York. Er genießt noch bis 25. November die Inspiration der Metropole. Nach Stationen in Köln und Berlin, wird er im Dezember nach Oppenau zurückkehren, wo auch ein Großteil seiner Familie wohnt, um sich dort ein Atelier einzurichten.

Die eine Generation älteren, etablierten Künstler der Oberkircher "Malerkolonie" um Werner Schmidt, Gabi Streile, Rainer Nepitha und Rainer Braxmaier kennt er natürlich. "Und seit ich erfolgreich bin, kennen sie mich auch", bemerkt Tim Otto Roth mit einem Sarkasmus, der an seinen Namensvetter, den New Yorker Schriftsteller Philip Roth, erinnert.

Autor: Ralf Burgmaier