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27. Januar 2009 15:55 Uhr

Urteil gegen 43-jährigen Autofahrer aus Kehl

Geldstrafe und zwei Jahre kein Führerschein

Eine Geldstrafe in Höhe von 10.400 Euro und zwei Jahre Führerscheinentzug erhielt ein 43-jähriger Kehler wegen Straßenverkehrsgefährdung, Nötigung, fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort aufgebrummt.

Am 25. Juli 2008 gegen 18.45 Uhr fuhr der Bauingenieur mit seinem BMW in den Kreisverkehr in Kehl-Marlen ein. Dabei nahmen ihm zwei Heranwachsende auf ihren Fahrrädern die Vorfahrt, so dass er stark bremsen musste. Als ihm dann einer der Radfahrer auch noch den gereckten Mittelfinger zeigte, rastete der 43-jährige aus. Er fasste er den fatalen Entschluss, den beiden eine Lektion zu erteilen. Zu diesem Zweck wendete er erbost sein Fahrzeug und begann die Verfolgung. Um den Beleidiger zum Halten zu bringen, fuhr er mit rund 40 Stundenkilometer über den Grünstreifen hinweg auf den Radweg. Dort erfasste er das Rad des 19-jährigen frontal von hinten. Der Radfahrer wurde auf den Boden geschleudert. Am Fahrrad entstand Totalschaden.

Durch den Sturz erlitt der junge Mann neben Schürfwunden am Körper, den Knien und am Kopf einen Bänderriss an der Schulter. Eine Operation steht noch aus. Nach ärztlichem Attest werden auf Lebenszeit Folgen bleiben. Der Angeklagte flüchtete ohne auszusteigen mit seinem Fahrzeug und begab sich auf ein Fest. Danach stellte er sich der Polizei.

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Vor Gericht war dem 43-Jährigen der Vorfall sichtlich peinlich. Er entschuldigte sich damit, dass er die Verletzungen des Radfahrers nicht gewollt habe. Auf dem Grünstreifen sei der BMW ins Rutschen gekommen. Er habe auch nicht gewusst, dass der Radfahrer durch den Sturz verletzt worden sei. Nur deshalb sei er davongefahren. Da der Radfahrer auf die Motorhaube geschlagen und einen Pfirsich auf das Auto geworfen habe, habe er sich bedroht gefühlt und Angst gehabt.

Polizeibeamte sagten aus, dass die Verletzungen des Radlers dramatisch ausgesehen hätten. Bei der Vernehmung habe der Angeklagte geäußert, dass er den Radfahrer habe erschrecken wollen. Bereits vor der Verhandlung habe er dem Opfer 200 Euro für das Fahrrad überwiesen.

Ursprünglich war die Anklage davon ausgegangen, dass der 43-jährige den Radfahrer absichtlich gerammt habe. Diesen Vorwurf ließ Staatsanwalt Marco Lacodonia nach Anhörung eines Sachverständigen fallen. Denn daraus ergab sich, dass der Angeklagte unmittelbar vor der Kollision noch gebremst und vermutlich auszuweichen versucht hatte. Auch sei ihm nicht nachzuweisen, dass er die Verletzungen gewollt oder in Kauf genommen habe. Aber er hätte sie vorhersehen können. Und nach dem Unfall hätte er unbedingt aussteigen und sich um die Folgen des Unfalls kümmern müssen.

Schon im Jahr 2004 war der Angeklagte wegen eines Trunkenheitsvergehens verurteilt worden. In Flensburg stehen drei Eintragungen zu Buche.

Neben den unstreitigen Vergehen der Nötigung, Körperverletzung und Unfallflucht hielt Lacodonia auch den Vorwurf der Straßenverkehrsgefährdung für erwiesen. Er sah davon ab, eine Freiheitsstrafe zu beantragen. Eine Geldstrafe von insgesamt 130 Tagessätzen zu je 80 Euro sei jedoch als Mindestmaß tat- und schuldangemessen, ebenfalls der mehrjährige Entzug der Fahrerlaubnis.

Dem Antrag der Verteidigerin des BMW-Fahrers, das Verfahren einzustellen, stimmte er nicht zu.

Autor: kpb