"Gründerförderung reicht nicht aus"

Dierk Knechtel

Von Dierk Knechtel

Sa, 19. Mai 2018

Offenburg

Digitalisierung der Arbeitswelt: Kreis-SPD besucht Sevenit GmbH.

OFFENBURG. Einen Tankbeleg in die Buchhaltung tragen, wo er händisch verbucht und abgelegt wird? Das war gestern. Mit der Sevdesk-App kann der Bon im Nu eingelesen und danach weggeworfen werden. Mitglieder des SPD-Kreisvorstands machten sich am Mittwoch ein Bild von der Sevenit Gmbh, Hersteller der integrierten Buchhaltungssoftware Sevdesk.

Das 2013 gegründete Unternehmen ist gleichermaßen Beispiel für gelungene Start-Up-Förderung wie für die Folgen der "Digitalisierung" in der Arbeitswelt. Um beides ging es den SPD-Vertretern im anschließenden Pressegespräch in den Räumlichkeiten der WRO (Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau GmbH).

Karl-Rainer Kopf, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Ortenau und selbst Unternehmer, stellt klar: "Die Digitalisierung ist Fakt und muss, anstatt zuzugucken, aktiv gestaltet werden. Sie birgt mehr Chancen als Risiken."

"Die Digitalisierung birgt mehr Chancen als Risiken"

Die Ersetzung von Aufgabenfeldern und ganzen Berufen durch Computer ist seit den frühen 1970er Jahren im Gange, als die ersten Rechner von Nixdorf und IBM in den Betrieben installiert wurden. Für die neue Abteilung, die man EDV (elektronische Datenverarbeitung) nannte, mussten zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden, jedoch weit weniger, als durch ihre Dienste überflüssig wurden. Nur durch Einsparung von Personalkosten ließen sich die erheblichen Investitionen in Hard- und Software finanzieren. Wuchs die Firma, wurden die betreffenden Kollegen anderweitig eingesetzt und behielten ihren Job, der jetzt ein anderer war. War das nicht der Fall, wurden sie "freigesetzt" und das Einsparpotential "realisiert". Ein klassisches SPD-Thema.

Helmut Lind, stellvertretender Kreisverbands-Vorsitzender, stellt denn auch heraus: "Zunächst mal müssen wir verhindern, dass junge, innovative Unternehmen abwandern." Die von Fabian Silberer und Marco Reinbold gegründete Sevenit GmbH hat nicht die Absicht und wird in Kürze in neue Räumlichkeiten an der Hauptstraße in Offenburg ziehen. Die erste, kritische Phase scheint das Unternehmen überstanden zu haben. 65 000 Kunden würden eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeuten, berichtet Fabian Silberer, geschäftsführender Gesellschafter. Er erwartet derartige Steigerungen auch in den nächsten Jahren. Stärkster Beleg für den positiven Ausblick ist die Tatsache, dass unlängst erneut Wagniskapital gewonnen werden konnte. Silberer: "Ein Ritterschlag".

Die Anschubfinanzierung durch die Landesbank sei schnell zurückgenommen worden, als die ersten Planzahlen nicht erreicht wurden, so Silberer. Hier setzt die Kritik der SPD-Vertreter an. Die Politik müsse mehr in Sachen Finanzierung und Ausbildung von Unternehmensgründern tun. Die vorhandene Förderung in Gestalt der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO) mit ihrer Gründerinitiative Startup-Connect, deren Schwerpunkt im Networking und Coaching liegt, reiche nicht aus. Explizites Gründungs-Knowhow werde an den Hochschulen kaum vermittelt. Vorbild sei die Gründer-Kultur in den USA ("Entrepreneurship"). Konkrete Vorschläge zur Umsetzung legten Kopf und Lind nicht vor, sie wollen das Thema aber im Landesvorstand priorisieren.

Fabian Silberer, der beim Einlesen des Tankbelegs erfolgreich den Vorführeffekt bekämpfte, kann das relativ gelassen sehen. Die Investoren haben ihm und Reinbold die Anteilsmehrheit gelassen. Das ist schon allerhand.