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17. Juli 2010

Hochschule beobachtet Zentrum der Milchstraße

Neue Radioastronomie-Anlage auf dem Dach eingeweiht.

  1. Sie bringen die Astronomie in Offenburg voran (von links): Hans Bredel, Vorsitzender des Astronomischen Vereins Ortenau, Josef Fehrenbach, Funkamateur aus Lahr, der die Anlage jahrelang nutzte und aufbewahrte, Erwin Firner, Lehrbeauftragter der Hochschule, verantwortlich für die Installation und Werner Reich, Dekan der Fakultät Elektro- und Informationstechnik. Seine Fakultät betreibt die Anlage. Foto: Robert Ullmann

OFFENBURG. In Offenburg werden Signale aus dem Zentrum der Milchstraße empfangen. Vor wenigen Tagen wurde an der Hochschule Offenburg feierlich die Einweihung einen Radioastronomie-Anlage begangen. Sie steht auf dem Dach des jüngst eröffneten Neubaus des Medienfachbereichs, ihr Parabolspiegel mit einem Durchmesser von vier Metern ist auf das galaktische Zentrum ausgerichtet, dorthin, wo die Astronomen ein gigantisches Schwarzes Loch vermuten. Die Signale von dort sind 26 000 Jahre unterwegs, ehe sie unser am galaktischen Rand liegendes Sonnensystem erreichen und von den Geräten auf dem Dach der Hochschule gehört werden.

Es ist nur eine kleine Anlage, wie Erwin Firner feststellt, Lehrbeauftragter der Hochschule und Vater des Projekts. Zum Vergleich: Das Radioteleskop Effelsberg in der Eifel – eine der größten Anlagen dieser Art – hat einen Spiegel von 100 Metern Durchmesser. Nichtsdestotrotz ist die Anlage der Hochschule nicht zu unterschätzen. Laut Firner wäre sie in der Lage, die Strahlung eines auf dem Mond vergessenen Handys aufzuzeichnen. Empfangen werden Strahlen im Frequenzbereich von 408 Megahertz. Über mehrere Filter werden Störgeräusche ausgefiltert, zugleich werden die Signale verstärkt und aufgezeichnet. Die in Offenburg aufgefangenen elektromagnetischen Wellen geben Aufschluss über den Aufbau des Universums.

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Ein Problem ist allerdings die zunehmende Störstrahlung und ihre Ausfilterung. Vor 80 Jahren gelang es zwei amerikanischen Radiotechnikern, die auf den Urknall hinweisende Hintergrundstrahlung aufzufangen. "Das wäre heute nicht mehr möglich", erklärt Firner, "dazu gibt es heute zu viel elektromagnetischen Müll von unseren eigenen Sendern."

Natürlich könne die Anlage der Hochschule nicht mit großen konkurrieren. Aber das soll sie auch nicht. Die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik als Betreiber will nicht Astronomen ausbilden, sondern Informationstechniker. Die Anlage soll dazu dienen, den Studierenden interessante radiotechnische Projekte zu ermöglichen. Dazu gehört deren kontinuierliche Aufrüstung. Aktuell ist sie noch "starr". Das heißt, ihr Parabolspiegel ist unbeweglich. Deshalb werden die Signale vom Mittelpunkt unserer Milchstraße nur alle 24 Stunden aufgefangen – wenn die Erddrehung ihn ausgerichtet hat. Den Schirm beweglich zu machen, so dass er immer auf den Sender ausgerichtet bleibt, wird zu den Aufgaben der Studierenden gehören. Andere Projekte werden sich mit Verstärkung und Rauschunterdrückung beschäftigen sowie mit der Visualisierung der Signale, also ihrer Sicht- und Lesbarmachung.

Die Anlage kann auch einen kleinen Beitrag zur Wissenschaft leisten

Werner Reich, Dekan der Fakultät, spricht von praktischen Erfahrungen, die Studierende hier machen sollen, ehe sie in Wirtschaft oder Forschung gehen. Aber die Aufzeichnungen werden auch in die radioastronomische Auswertung einfließen. Wenn die Anlage eines Tages aufgerüstet ist, könne sie sogar einen kleinen Beitrag zur Wissenschaft leisten, etwa in der Langzeitbeobachtung bestimmter Sektoren des Universums. Dies deshalb, weil Beobachtungszeit kostbar ist und große Anlagen für "weniger bedeutende" Projekte nicht zur Verfügung stehen.

Autor: Robert Ullmann