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04. März 2010 17:07 Uhr

Pflegekritiker zum Vorschlag der Familienministerin

"In diesem Modell komme ich nicht vor"

Stefan Krastel ist wegen der häuslichen Pflege seiner Mutter verarmt. Wegen seines Protestfußmarsches nach Berlin ist er mittlerweile ein begehrter Talkshowgast. Vom Vorschlag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hält er nichts.

  1. Bundesgesundheitsministerin Kristina Schröder, geborene Köhler, stößt mit ihrem Pflegezeit-Modell auf Widerspruch. Foto: ddp

OFFENBURG. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) profiliert sich mit folgender Idee: Um Angehörige zu Hause pflegen zu können, sollen Pflegende zwei Jahre lang vom Arbeitgeber für 50 Prozent Arbeitsleistung 75 Prozent Lohn erhalten. Anschließend soll der Arbeitnehmer zwei Jahre 100 Prozent arbeiten bei weiterhin 75 Prozent der Bezüge. Ralf Burgmaier hat Stefan Krastel, den prominentesten Betroffenen Offenburgs, dazu befragt.

BZ: Herr Krastel, die Süddeutsche Zeitung spricht von einer charmanten Idee. Was halten Sie davon?

Stefan Krastel: Tut mir leid, davon halte ich gar nichts. Zwei Jahre Pflegezeit? Das reicht doch in vielen Fällen nur für Sterbebegleitung. Ich pflege meine Mutter seit mehr als zwölf Jahren. Außerdem war ich selbstständig. In Frau Schröders Modell kommt meine Situation gar nicht vor. Bei mir hätte es keinen Arbeitnehmer gegeben, der mir unter die Arme hätte greifen können. Außerdem braucht meine Mutter Betreuung rund um die Uhr.

BZ: Ein unausgegorener Vorschlag?

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Krastel: Ich stehe guten Vorschlägen positiv gegenüber, aber das ist für mich Flickschusterei, die der eigentlichen Problematik nicht im geringsten gerecht wird. Jetzt wird man diesen Vorschlag abdiskutieren, bis die Öffentlichkeit der Sache überdrüssig ist. Ob das je den Weg zum Gesetzentwurf schaffen wird, wage ich zu bezweifeln.

BZ: Was wäre ein sinnvoller Ansatz?

Krastel: Hätten wir ein Pflegegeld wie in Österreich hätte ich nicht zum Hartz-IV-Empfänger werden und im vergangenen Sommer zu Fuß nach Berlin protestmarschieren müssen. Anders als bei uns, wo die Pflege im Heim vom Staat finanziell stärker unterstützt wird als die Pflege zu Hause, kriegt in Österreich jeder Schwerstpflegebedürftige vom Staat rund 1500 Euro mit der Folge, dass 83 Prozent der Pflegefälle zu Hause versorgt werden und nur 17 Prozent im Heim. Bei uns sind es mit 33 Prozent fast doppelt so viele. Und genau das ist der Punkt: Wenn man das bei uns so handhaben würde, fehlten dem Pflegemarkt plötzlich bis zu 14 Milliarden Euro. Dem stellt sich die Lobby der Wohlfahrtsverbände in den Weg. Und so zahlt wieder die Familie die Zeche.

Autor: rab