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24. August 2009

Stefan Krastel bricht heute in Unterfranken zur 14. Etappe auf

KRASTELS WEG: Stammkunden-Solidarität

  1. Stefan Krastel und sein vierbeiniger Begleiter Till vor dem Landtag in Stuttgart. Foto: Privat

OFFENBURG/AUB (Unterfranken). Am gestrigen Sonntag, ziemlich genau um 14 Uhr, verließ Stefan Krastel das Bundesland Baden-Württemberg, überschritt die Grenze zu Bayern und machte sich auf den Weg zu seinem Etappenziel Aub in Unterfranken. Am heutigen Montag wird er von Aub nach Marktbreit am Main aufbrechen. Es wird die 14. Etappe auf Krastels Weg nach Berlin. Bekanntlich unternimmt der 41jährige Friseurmeister seinen Marsch, um auf die – gesetzlich so verfügte – Schlechterbehandlung pflegender Angehöriger gegenüber der Heimpflege zu protestieren. Krastel pflegt seit zehn Jahren seine schwerkranke Mutter und hat dadurch alles verloren, auch seine Altersabsicherung.

Mittlerweile läuft die Öffentlichkeitsarbeit recht gut. Einige Mitglieder vom Verein "Wir pflegen", der Krastels Marsch unterstützt, haben unter der Führung von Gerd Fröhlich-Rockmann aus Halle eine Art Presseabteilung gegründet. "Wir haben die Presseorgane in den Städten, durch die Stefan Krastel kommt, angeschrieben", sagt Fröhlich-Rockmann. Des Weiteren sind auch die Rathäuser auf Krastels Weg benachrichtigt worden mit der Bitte, über ihre Pressestellen die Blätter zu informieren. Das zeigte Wirkung, die Regionalzeitungen berichten verstärkt über Krastels Marsch und über sein Anliegen. Am vergangenen Montag wurde der Friseurmeister überdies von einem SWR-Kamerateam begleitet.

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Der Beitrag war tags darauf in der Abendschau zu sehen. Auch ein Rundfunkredakteur vom SWR war mit ihm unterwegs. Überdies erhielt Krastel vergangene Woche mehrfach Besuch aus Offenburg von Freunden, welche die eine oder andere Etappe mit ihm marschiert sind.

"Das hat mir sehr gut getan", sagt Krastel. Er komme durch seinen Marsch nicht nur körperlich, sondern auch psychisch an Grenzen. Insbesondere die Hitzetage seien sehr hart gewesen, weshalb er dazu übergegangen ist, sehr früh am Morgen – in aller Regel um 7 Uhr - schon aufzubrechen. Was ihm Mut mache, seien immer wieder Begegnungen mit Menschen. Am Sonntagmorgen sei eine Frau mit ihrem Sohn zu seinem Abmarschpunkt ans Rathaus in Creglingen gekommen. Krastel: "Die sind 68 Kilometer gefahren – nur um mir ein Vesper zu bringen und mir guten Mut zu wünschen. Das hat mich sehr angerührt." Die Frau habe ihm von ihrem mittlerweile verstorbenen Mann erzählt, den sie lange Zeit gepflegt habe.

Eine große Überraschung war am Donnerstag in Kupferzell das Treffen mit einem früheren Offenburger, der ihn am Rathaus erwartet habe. Peter Baumann lebte einige Jahre in der Ortenau, er war seinerzeit Stammkunde in Krastels Friseurgeschäft, das der 41jährige mittlerweile aufgeben musste. Baumann, der mittlerweile selbst chronisch erkrankt ist, lebt inzwischen in Schwäbisch Hall. Er hatte durch das TV von Krastels Marsch gehört und reiste spontan nach Kupferzell, um seine Solidarität auszudrücken.

Ebenfalls in Kupferzell sei er vom dortigen Evangelischen Pfarrer empfangen und zu einem Gespräch eingeladen worden. Auch durchaus heitere Begegnungen habe er gehabt. So habe er einen Landwirt, der auf dem Feld arbeitete, nach dem Weg gefragt. "Bisch du der Kerle, wo nach Berlin laufe dued?" habe der Bauer geantwortet. Er habe ihm dann aufgetragen, "denen in Berlin" die Meinung zu sagen, so Krastel weiter. "Außerdem wollte er mich unbedingt ein Stück auf dem Traktor mitnehmen und war ein wenig enttäuscht, dass ich abgelehnt habe."

Seinem Hund Till gehe es sehr gut. "Er ist frisch und gut drauf. Der steckt das tägliche Marschieren besser weg als ich." Die Etappen mit ihren geplanten Aufbruchs- und Ankunftszeichen sind auf der Homepage http://www.stefankrastel.de verzeichnet.

Autor: rob