Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. Juni 2014

Langzeitarbeitslose haben das Wort

Bundesweite Premiere im Salmen: Kommunale Arbeitsförderung befragt Arbeitssuchende zu ihrer Lebenssituation.

  1. Rund 100 Langzeitarbeitslose diskutierten im Salmen mit Projektleiter Christian Klemp (Mitte, links) und unter der Leitung von Moderator Thomas Uhlendahl (Mitte, rechts) Ihre Lebenssituation. Foto:  Perspektive 50plus

OFFENBURG. Bei einer bundesweit bisher einmaligen Veranstaltung des Projekts "Perspektive 50-plus" der Kommunalen Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) im historischen Salmen in Offenburg waren Langzeitarbeitslose über 50 Jahre aufgerufen, ihre Erfahrungen, Ideen und Hoffnungen in Verbindung mit ihrer Lebenssituation vorzutragen und zu diskutieren.

Unter dem Titel "50-plus und arbeitslos – Was brauche ich und wünsche ich mir?" sollten einmal nicht die Profis aus Politik und Verwaltung, sondern die Arbeitsuchenden selbst zu Wort kommen und die Problematik der Langzeitarbeitslosigkeit aus Ihrer Perspektive beleuchten. Rund 100 sogenannte erwerbsfähige Leistungsberechtige aus der ganzen Ortenau waren der Einladung gefolgt. Die Ergebnisse des "Open Space-Workshops", einem Tagungsformat, das durch inhaltliche Offenheit gekennzeichnet ist, sollten Anregung für die zukünftige Projektarbeit der Perspektive 50-plus sein.

Im Salmen begrüßte Christian Klemp, Projektleiter der Perspektive 50-plus, die Anwesenden. Animiert durch den Moderator Thomas Uhlendahl aus Freiburg brachten die Veranstaltungsteilnehmer zahlreiche Themenwünsche ein, die während zwei Arbeitsphasen in 20 Kleingruppen diskutiert, formuliert und am Ende der Tagung im Plenum vorgestellt wurden.

Werbung


Dabei äußerten sich die Teilnehmer eine Mitteilung des Landratsamtes zufolge kritisch zu Themen wie der Arbeitgeberansprache, der Berücksichtigung gesundheitlicher Probleme bei der Stellenvermittlung und zu den Weiterbildungsangeboten des Jobcenters. Auch die Möglichkeiten der sozialen Eingliederung und die Ein-Euro-Jobs wurden thematisiert. Überdies wurden Vorschläge gemacht, wie die Projektteilnehmer über 50 Jahre ihre beruflichen Erfahrungen an andere weitergeben und ihre Vorteile gegenüber Arbeitgebern noch besser kommuniziert werden könnten.

Was die Informationsmöglichkeiten der Arbeitslosen selbst betrifft, gab es Anregungen, wie die regelmäßige Veröffentlichung eines Rundschreibens mit Informationen etwa zu gesetzlichen Neuerungen und Jobangeboten oder das Sammeln ausgedienter Firmen-PCs und deren Spende an Hartz IV-Empfänger. " Wir waren überzeugt, dass uns die Langzeitarbeitslosen als Experten ihrer eigenen Lebenssituation wichtige Impulse für unsere Arbeit geben können und sehen uns nach der Veranstaltung darin bestätigt", so Projektleiter Christian Klemp. Um möglichst viele Arbeitslose wieder in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren, gehe man neue Wege. Nun sei es die Aufgabe, die eingebrachten Ideen weiterzuentwickeln und soweit möglich in die Tat umzusetzen.

Die Veranstaltung im Ortenaukreis war in diesem Rahmen der bundesweit erste Versuch, Arbeitsuchende aktiv an der Weiterentwicklung der Arbeit eines Jobcenters zu beteiligen. Der Ortenauer Open Space wird im Bundesprogramm Perspektive 50-plus und im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgestellt und dient als Pilotprojekt für vergleichbare Veranstaltungen in anderen Regionen Deutschlands.

"Perspektive 50-plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen" ist ein Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Ziel ist es, die Beschäftigungsfähigkeit und -chancen arbeitsmarktferner Menschen über 50 Jahre zu verbessern und diese wieder in den Ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Seit 2008 beteiligt sich die Kommunale Arbeitsförderung (KOA) im Landratsamt Ortenaukreis an dem Bundesprogramm. Seither hätten fast 3000 langzeitarbeitslose Menschen wieder in Lohn und Brot gebracht werden können.

Für Betriebe, die auf der Suche nach neuem Personal sind, stelle die Perspektive 50-plus "eine passgenaue Vorauswahl geeigneter Bewerber zur Verfügung". Überdies informiere sie über verschiedene finanzielle Förderprogramme, die Möglichkeiten der Übernahme von Qualifizierungsmaßnahmen und die weitere Begleitung bei der Integration von Projektteilnehmern in ein Unternehmen.

Eine Jobbörse mit rund 150 Bewerbern aller Branchen und weitere Informationen gibt es unter http://www.beschaeftigungspakt-suedwest.de. Kontakt: Christian Klemp, Projektleiter, Tel. 0781 – 805 9390 oder E-Mail klemp.koa@ortenaukreis.de

Autor: bz