Lust machen auf die MINT-Fächer

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Fr, 31. März 2017

Offenburg

Info-Truck der Initiative "Discover Industry" gab 250 Schülern aus der Region Einblick in die Welt der Naturwissenschaft und Technik.

OFFENBURG. Der doppelstöckige Lkw ist unübersehbar. Und außergewöhnlich. Er transportiert seit zwei Jahren die Initiative "Discover Industry" durch ganz Baden-Württemberg. Ziel ist, mit dem imposanten Info-Truck Schüler ab Klasse 7 an Geräten, Maschinen und Robotern schnuppern zu lassen und sie für Elektro- und Metallberufe sowie ein Ingenieursstudium zu begeistern. Vier Tage lang stand der Lkw jetzt auf dem Gelände der Hochschule. Die Initiatoren sind von der Einrichtung voll und ganz überzeugt. Der Truck sei ständig ausgebucht, die Warteliste groß.

Der Truck sieht ziemlich futuristisch aus, der da vor dem MI-Gebäude der Hochschule steht. Das ist angemessen, schließlich geht es im Inneren auch um Zukunft – um die Zukunft von Schülern und Schülerinnen der 7. bis 10. Klassen an Haupt und Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. Auf 100 Quadratmetern können sie auf große Entdeckungsreise durch die M- und E-Welt gehen, die Welt von Maschinenbau und Elektrotechnik. Sie sollen quasi auf den Geschmack kommen. So wie die Klasse von Zehntklässlern des Schiller-Gymnasiums Offenburg, eine von insgesamt neun, die sich mit einer mehrstündigen Stippvisite einen vielleicht bleibenden Eindruck von einer für sie noch recht unbekannten Berufs- und Studienwelt verschaffen wollten. 250 werden es diesmal in Offenburg gewesen sein, um die sich die Diplom-Physikerin Katinka Ballmann, der Robotik-Ingenieur Dominik Weickgenannt und der promovierte Chemiker Peter Hörtz, alles junge Leute, geduldig kümmerten. Denkbar, dass der eine oder die andere tatsächlich den Weg in die genannten Branchen finden wird. Ballmann ist überzeugt, dass es ihr in den zwei Jahren seit der Gründung der Initiative "bestimmt schon gelungen" sei, junge Menschen für die MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – zu gewinnen. Bis zu 220 Tage im Jahr zieht der Truck durchs Ländle, ist alle zwei Tage in einer anderen Stadt. Offenburg bildete eine Ausnahme: Auch junge Studenten, die an der Hochschule noch in einer Art Schnupperphase ("Start-Ing") sind, konnten an den vier Tagen das Know-how des Lkw nutzen.

Der "Discover Industry"-Truck – Kostenpunkt: 2,5 Millionen Euro – ist ein Projekt der Baden-Württemberg-Stiftung, der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg, und von Südwestmetall. "Das Schöne an dem Angebot ist: Du siehst ganz konkret, was du damit anfangen kannst", sagt Stephan Wilcken, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Freiburg. "Total überbelegt" sei er, das Interesse riesig, "wir könnten drei oder vier solcher Trucks gut gebrauchen." Er eigne sich auch für Lehrerfortbildungen, etwa an Gewerbeschulen. Interessierte Schulen können sich anmelden, die Nutzung ist kostenlos. "Erstbewerber werden bevorzugt", sagt Rudi Beer von der Stiftung.

Im Beisein von Staatssekretär Volker Schebesta ("Der MINT-Bereich ist uns wichtig, wir wollen Fachkräfte gewinnen") teilte Rektor Winfried Lieber mit, dass die Nachfrage nach den Offenburger Hochschulfächern unterschiedlich hoch sei, in Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen deutlich höher als in Elektrotechnik. Dort profitiere man zum Glück auch von Leuten, die nach einer Elektrikerlehre den Mumm haben, sich über den zweiten Bildungsweg für ein Studium zu qualifizieren. Wichtig sei immer, dass angehende Studenten "intrinsisch motiviert" seien: Die Entscheidung für ein Ingenieursstudium müsse "von innen heraus getroffen werden".

Wilcken ist überzeugt, dass es "trotz Industrie 4.0" in der Ingenieursbranche "keine Arbeitslosigkeit" geben werde. Die Unternehmen seien zudem überaus optimistisch ins Jahr 2017 gestartet.

Weitere Informationen unter http://www.discoverindustry.de