"Mehr Verbindungen über den Rhein"

Christine Storck

Von Christine Storck

Sa, 08. April 2017

Offenburg

Appell des südbadischen Ablegers des Verkehrsclubs Deutschland und der französischen Fahrgastorganisation Fnaut Grand Est.

ORTENAU/STRASSBURG. Der südbadische Ableger des Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die französische Fahrgastorganisation Fnaut Grand Est machen sich für mehr ÖPNV-Verbindungen zwischen Straßburg und Offenburg stark. "Es gibt große Fahrplanlücken und ein unzulängliches Tarifangebot", sagte VCD-Südbaden- Geschäftsführer Hannes Linckjetzt in Kehl. Nötig seien zum Beispiel Züge im Halbstunden-Takt und die Gültigkeit des Baden-Württemberg-Tickets bis Straßburg.

Die Nachfrage nach mehr Angebot steigt auf beiden Seiten, so Linck. Die neue Tram-Verbindung zwischen Straßburg und Kehl sei zwar ein Riesenschritt, aber auch Menschen außerhalb dieses innerstädtischen Bereichs hätten vielfältige Mobilitätsbedürfnisse, beruflich, schulisch wie universitär. Ein ebenfalls wachsender Sektor sei der Freizeitverkehr.

Aktuell existierten zwischen Straßburg und Offenburg unter der Woche 24 tägliche Bahnverbindungen in beide Richtungen. "Das ist schon ganz gut, aber es gibt große Lücken zu Spitzenzeiten", erklärte Patrice Paul, Vize-Präsident der Straßburger Fahrgastorganisation Astus. Schüler, Studenten, pendelnde Arbeitnehmer hätten das Nachsehen und müssten auf das Auto oder komplizierte Fahrgemeinschaften umsteigen. So klaffe zum Beispiel ein Loch zwischen 11 und 13 oder zwischen 20.30 und 22 Uhr.

"Die Menschen brauchen einen regelmäßigen Fahrplan, um auch Fernzüge im jeweils anderen Land zu erreichen", so Paul. Ein Halbstunden-Takt zwischen 7 und 19 Uhr an Werktagen sowie ein Stunden-Takt in Randzeiten und am Wochenende sei das Minimum. Zugfahrten, die lediglich zwischen Offenburg und Kehl stattfinden, müssten nach Straßburg verlängert werden. "Die Züge sind immer voll", betonte Fnaut-Grand- Est-Vorstand Francois Giordani. 2014 sei zuletzt eine neue Abend-Verbindung zwischen Offenburg und Straßburg geschaffen worden. Diese sei mit durchschnittlich 50 Fahrgästen bereits gut ausgelastet. "Das zeigt, dass der Bedarf da ist", sagte Giordani. Ergänzend fordern die Verbände beider Länder eine schnelle Buslinie zwischen Offenburg und Illkirch, die über die Pierre-Pflimlin-Brücke zwischen Altenheim und Eschau mehrere Einkaufs- und Wohngebiete erschließen könnte.

Auch in punkto Tarifoptionen müssten Verbesserungen her. Der Europass als 24-Stunden- und als Monatsticket sei zwar ein attraktives Angebot innerhalb der Ortenau und der Eurometropole Straßburg. Doch auch Menschen außerhalb benötigen attraktivere Angebote. Nach dem Vorbild Basel, Schaffhausen oder anderer Schweizer Städte sollte deshalb das Baden-Württemberg-Ticket auf Straßburg ausgedehnt werden.

"Ein erster Schritt könnte sein, einen Fahrkarten-Automaten im Straßburger Bahnhof aufzustellen", sagte Bernhard Meucht vom VCD Ortenau. "Das hat in Wissembourg und Lauterbourg ja auch geklappt." Im Gegenzug sollten alle das Alsa+-Ticket, das zu Fahrten im ganzen Elsass berechtigt, bereits am Offenburger Bahnhof kaufen können. "Dieses Angebot ist sogar noch wichtiger, da der Europass auf französischer Seite nur im Großraum Straßburg gültig ist", bedauerte Meucht.

Von der baden-württembergischen Landesregierung kam nach Aussage des VCD bislang keine konkrete Unterstützung für die Mobilitätsoffensive. Auf französischer Seite scheint sich etwas mehr zu tun: Die Regionalverwaltung habe die Verbände Anfang April zumindest mal zu einer Arbeitsgruppe eingeladen. "Es ist bedauerlich, eine Seite schiebt die Verantwortung zur anderen", sagte Linck.