Mit unverfrorener Leichtigkeit

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 26. September 2017

Offenburg

Das Trio Vivente in Lahr.

LAHR. Immer wieder hört man in Lahr die Klage, dass zu wenig Kammermusik geboten werde. Unterton: Früher war das Kulturangebot qualitätvoller. Kann schon sein. Aber wo sind diese Kritiker, wenn mal wirklich ein besonderes, hochkarätiges Konzert stattfindet wie das Gastspiel des renommierten Trio Vivente am Freitagabend im Lahrer Stiftsschaffneikeller?

Gerade einmal 20 Zuhörer hatte das Konzert. Durchweg alle waren am Schluss zu Recht begeistert. Die Musikerinnen Anne Katharina Schreiber (Violine), Kristin von der Goltz (Violoncello) und die Pianistin Jutta Ernst zeigten sich angetan vom Ambiente und von der Akustik des Raumes, sie präsentierten sich unprätentiös und nahbar. Ein bisschen mehr erzählen hätten sie allerdings dürfen, denn die zu Lebzeiten sehr erfolgreiche Komponistin Emilie Mayer (1812-1883) ist heute sogar Kennern kaum geläufig.

Das Klaviertrio Opus 13 machte aber Lust auf mehr mit seinem frischen Klang zwischen Beethoven und Elgar, zwischen Klassik und Romantik, und irgendwie sogar zwischen Sonate und Lied. Was dieses Werk von den Beethoven-Triosonaten des Konzertabends unterscheidet, ist die Leichtigkeit, zuweilen gar Unverfrorenheit, mit der sich Mayer an der Tradition bedient. Sie hat große Freude am Unerwarteten, ohne das Ganze aus dem Blick zu verlieren. Der langsame Satz umfängt in der weichen und dennoch kraftvollen Interpretation durch das Trio Vivente das Publikum ganz und gar, man kann sich fallen lassen in diese Musik, spürt, hört und sieht, dass es die Musikerinnen auch tun.

Cellistin Kristin von der Goltz (der Leiter des Freiburger Barockorchesters, Gottfried von der Goltz, ist ihr Bruder) und Violinistin Anne-Katharina Schreiber sind ausgewiesene Expertinnen der historischen Aufführungspraxis. Sie haben sich zusammen mit Pianistin Jutta Ernst einen frischen und lebendigen Zugang zu den Werken erarbeitet. Wenn es im dritten Satz von Beethovens Triosonate op. 1,1 im Jagdrhythmus voran geht, dann bleiben auch die Füße der Cellistin nicht still, und bei einer Fermaten erscheint das Trio wie ein Klangkörper, der sich spannt und dann loslässt. Faszinierend, wie die drei Musikerinnen miteinander kommunizieren. Da werden nicht gegenseitig Einsätze zugenickt, sondern es wird aufeinander gehört. Mit Beethovens temperamentvollem "Erzherzogtrio" op.97 klingt das Konzert aus – fast. Denn ohne Zugabe, natürlich noch einmal von Emilie Mayer, lassen die Lahrer das Trio Vivente nicht gehen.