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20. Juli 2015 20:25 Uhr

Rammersweier

Neonazi-Schmierereien auf Gedenktafel für NS-Opfer

Im Bohlsbacher Wald bei Offenburg sind in der NS-Zeit vier französische Widerstandskämpferinnen ermordet worden. Daran erinnert eine Gedenktafel, die nun das Ziel von Neonazis wurde.

  1. Wieder gereinigt: Tafel für ermordete Résistance-Kämpferinnen. Foto: Heck

Eine Tafel an der Gedenkstätte für vier französische Widerstandskämpferinnen im Bohlsbacher Wald ist mit Nazi-Tags beschmiert worden. Auf die Tafel, die über das Schicksal der hier am 27. November 1944 von der Gestapo ermordeten vier Frauen aufklärt, wurden die Buchstaben NSU und SS gesprüht. Die Stadt, welche die Tafel 2011 hier im Wald aufstellen ließ, hat Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Der Fall hat auch jenseits des Rheins Wellen geschlagen.

NSU-Kürzel und SS-Runen

Die Tafel befindet sich beim Gedenkstein, den die Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg zum Gedenken an die durch die Gestapo ermordeten Landsleute errichtet haben. Beide stehen auf Bohlsbacher Gemarkung, am Rande der Straße, die von Rammersweier durch den Bohlsbacher Wald nach Durbach führt. Henriette Amable, Lucienne Barnet, Marie-Thérèse Mengel und Simone Pauchard waren als Widerstandskämpferinnen des "Réseau Alliance" verhaftet, ins Gefängnis nach Offenburg gebracht und im November 1944 hier im Wald ermordet worden. Im Jahr 2009 war die Gedenkstätte auf Initiative von Mireille Hincker, Vorsitzende des Verbands "Souvenir Français", durch freiwilligen Einsatz französischer Soldaten erneuert worden.

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Die Offenburger Frauengeschichtswerkstatt hatte das Schicksal der Frauen erforscht, in einem Buch dokumentiert und 2011 diese Tafel aufstellen lassen. Dazu waren Angehörige der Ermordeten von der Stadt Offenburg eingeladen worden.

Die Schmierereien wurden Mitte Juli entdeckt. Die Täter provozierten mit den Kürzeln NSU für Nationalsozialistischen Untergrund, jener Neonaziorganisation, die für zehn rassistisch motivierte Morde in Deutschland verantwortlich gemacht wird, und mit den SS-Runen. Das Rechtsamt der Stadt Offenburg hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Polizei ermittelt wegen "politisch motivierter Sachbeschädigung durch Farbschmierereien". Derzeit seien der Polizei keine "gleichgelagerten Fälle" bekannt, erklärt dazu Polizeisprecher Patrick Bergmann.

Da die Initiative zur Wiederbelebung der Gedenkstätte vom Elsass ausging, fand ihre Schändung auch dort publizistischen Widerhall. Die Straßburger Tageszeitung "Dernières Nouvelles d’Alsace" berichtete. Die Stadt Offenburg hat die Tafel mittlerweile reinigen lassen.

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Autor: Ralf Burgmaier