Häufigkeitszahl

Offenburg hat Freiburg als Hauptstadt der Kriminalität im Land überholt

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mi, 04. April 2018 um 17:54 Uhr

Offenburg

Offenburg hat Freiburg bei der Zahl der Straftaten in Relation zur Einwohnerzahl überholt. Diebstahl belegt Platz eins der Statistik, gefolgt von Betrugs- und Gewaltdelikten. Ein Rückgang lässt sich bei Wohnungseinbrüchen verzeichnen.

Die Zahl der in Offenburg 2017 registrierten Straftaten ist gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent auf 7201 Fälle zurückgegangen. Im Vergleich mit den größeren Städten in Baden-Württemberg hat Offenburg dennoch Freiburg überholt und besitzt nun die höchste "Häufigkeitszahl" – das ist die Zahl der Straftaten, auf 100.000 Einwohner hochgerechnet. Für Revierleiter Dieterle aber sehr erfreulich: die deutlichen Rückgänge bei Wohnungseinbrüchen und Ladendiebstählen. Laut OB Schreiner kann Offenburg frühestens 2021 mit mehr Polizeipersonal rechnen.

Kriminalität allgemein

"Wir arbeiten mit der Polizei ganz hervorragend zusammen, um Offenburg sicherer zu machen", sagte OB Schreiner am Mittwoch. Nicht von ungefähr sei die Zahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 um immerhin 3,3 Prozent auf 7201 Fälle gesunken. Zum Vergleich: Für den Ortenaukreis registrierte die Polizei einen Rückgang um 2,4 Prozent. Für Offenburg sei das an sich "ein sehr guter Wert", sagte Peter Dieterle, Leiter des Polizeireviers.

Dennoch sei es jetzt eben so, dass Offenburg bei den Städten über 50.000 Einwohner in Baden-Württemberg in punkto "Häufigkeit" Freiburg – im Vorjahr noch knapp vorne – hinter sich gelassen hat. Offenburg liegt nun mit der Ziffer 12 260 knapp vor Freiburg (12 237) , deutlicher vor Mannheim (11 448) und sehr deutlich vor Karlsruhe (8917) und Stuttgart (8639). De facto ist 2017 in Freiburg die Zahl der Straftaten um 626 auf 26 656 zurückgegangen.

Zum Vergleich die anderen Großen Kreisstädte im Ortenaukreis: In Kehl wurden 2017 – in absoluten Zahlen – genau 5237 Straftaten festgestellt, in Lahr 3359, in Achern 1502 und in Oberkirch 961.

Die Tatverdächtigen

Die Zahl der Tatverdächtigen ist 2017 in Offenburg um 9,5 Prozent auf 3214 zurückgegangen, lediglich jeder fünfte Tatverdächtige war weiblich. 48,8 Prozent waren deutsche Staatsbürger, unter den 51,2 Prozent Nichtdeutschen sind aber längst nicht nur Asylbewerber aus Afrika oder Asien, sondern auch viele Menschen aus EU-Ländern. "Die meisten Täter wohnen nicht in Offenburg", so Dieterle. Mitunter erheblich zurückgegangen – um bis zu 29,7 Prozent – ist die Zahl der tatverdächtigen Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden. Erfreulich auch, so Dieterle, sei die Entwicklung der Gewaltkriminalität bei Jugendlichen: Die Zahl der Straften sank von 184 auf 136.

Die Aufklärungsquote des Polizeireviers Offenburg ist 2017 von 63,4 auf 58,7 Prozent gesunken. Dieterle ordnete die Negativentwicklung plausibel ein: 2017 seien Polizeikräfte verstärkt in personalintensiven Aufklärungsbereichen eingesetzt worden, etwa beim Wohnungseinbruchsdiebstahl. Diese "Ressourcen" hätten eben anderweitig gefehlt, etwa bei Rauschgiftdelikten, deren Bearbeitung in aller Regel eine hohe Aufklärungsquote mit sich bringe.

Die Straftaten

Die Diebstahldelikte (2988) bildeten bei den Straftaten einmal mehr Platz eins, gefolgt von Betrugsdelikten (1083) und Gewaltdelikten (551). Erfreulich zugleich, so Dieterle: der Rückgang bei den Ladendiebstählen auf 558 Fälle (minus 13,8 Prozent), bei den Wohnungseinbrüchen auf 77 Fälle (minus 13,5 Prozent) und bei den Fahrraddiebstählen auf 681 Fälle (minus 4,4 Prozent). Mitunter gravierend indes die Zunahme bei den Gaststätteneinbrüchen (um 42 Prozent auf 47), beim schweren Diebstahl (um 6,3 Prozent auf 1541 Fälle) und bei den Einbrüchen in Büro- und Geschäftsräume (von 119 auf 124 Fälle. Und während bei den Gewaltdelikten die Zahl der Körperverletzungen um 36 auf 592 Fälle zurückgegangen ist, ist die Zahl der Raubdelikte um sieben auf 31 Fälle gestiegen. Die Zahl der "Straftaten gegen das Leben" sei von zwei auf fünf gestiegen, die Zahl der Sexualdelikte von 42 auf 38 gesunken. Rauschgiftdelikte wurden insgesamt 332 registriert – minus 148 Fälle. Was, so Dieterle, mitunter eben anderen polizeilichen Schwerpunkten geschuldet sei. Leider, so OB Schreiner, sei gerade bei Jugendlichen "der Konsum wieder ansteigend" – auch bei harten Drogen, die über dunkle Kanäle des Internet bezogen werden können. Und was Peter Dieterle noch stört: die hohe Zahl an Hassmails, Beleidigungen und Gewalt gegen Polizisten (insgesamt 330 Fälle, dabei 18 verletzte Kollegen).

Häusliche Gewalt war auch 2017 ein drängendes Thema, so OB Edith Schreiner. Ein großes Netzwerk arbeite eng zusammen, um das Schlimmste zu verhindern und Konsequenzen zu veranlassen. Das Offenburger Frauenhaus sei jedenfalls randvoll gewesen, 124 Frauen mit 151 Kindern konnten aus Platzgründen nicht aufgenommen werden. Es sei dringend vonnöten, die Kapazitäten auf 20 Plätze zu erhöhen. Zudem hoffe man auf Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, um Frauen nach ihrem Auszug bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können.

Die Verkehrsunfälle

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers ist um 25 auf 2098 gestiegen. Dabei wurde eine Person getötet, 57 wurden schwer und 239 leicht verletzt – die Zahlen liegen etwas niedriger als im Vorjahr. Positiv die Entwicklung der Unfälle mit Senioren – Rückgang um 10,5 Prozent auf 186 Unfälle – und der Umstand, dass Senioren 2017 deutlich weniger häufig Verursacher waren. Rückgänge gab es auch bei den Unfällen mit Radfahrern (minus zwölf Prozent auf 135 Unfälle) und mit Radfahren als Hauptverursacher (minus 5,5 Prozent auf 85 Unfälle).

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