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08. August 2011 21:07 Uhr
Auftakt
Prozess gegen Gewinnspiel-Mafia: Ortenauer vor Gericht
Mit Gewinnversprechen soll eine mutmaßliche Betrügerbande meist ältere Menschen auf überteuerte Telefon-Hotlines gelockt haben. Ebenfalls angeklagt: die auf Mallorca verhafteten Ortenauer Michael H. und Klaus Z.
OFFENBURG. Vor dem Landgericht Mannheim beginnt am Dienstag ein Großprozess gegen acht Mitglieder der Gewinnspiel-Mafia. Unter den vier Angeklagten sind auch die beiden in Offenburger Polizei- und Justizkreisen bestens bekannten Gewinnspielbetrüger Michael H. und Klaus Z., die im Herbst bei einer Razzia auf Mallorca festgenommen worden waren und seither in U-Haft sitzen. Auf der Ferieninsel hatten sie im Luxus geschwelgt und eiskalt ihre Geschäfte fortgeführt – trotz einer Bewährungsstrafe, zu der sie im Februar 2009 in Offenburg verurteilt worden waren.
Die Masche ist immer die gleiche, wie aus diversen aufwändigen Gerichtsverfahren in Offenburg bekannt ist: Gutgläubige und naive Zeitgenossen werden mit telefonischen oder schriftlichen Gewinnversprechen geködert und sollen sich zur vermeintlichen Gewinnauszahlung über 0900er-Nummern melden. Sie landen dann zu Minutenpreisen von 2,99 Euro in langen Warteschleifen, freilich ohne jemals auch nur einen Cent vom erträumten Gewinn zu sehen. Die Betrüger konnten in den vergangenen Jahren auf diese Weise viele Millionen Euro einnehmen.
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In der jüngsten Prozessrunde geht es um 140 Fälle, in denen vier der Angeklagten, darunter auch die beiden Ortenauer H. und Z., mehr als 2,9 Millionen standardisierter Gewinnmitteilungen an überwiegend ältere Personen versandt hatten. Dabei nutzten sie BZ-Informationen zufolge Briefkastenfirmen: von August 2008 bis August 2009 in 88 Fällen mit Sitz in Erfurt und von September 2009 bis August 2010 in weiteren 52 Fällen mit Sitz im slowakischen Bratislava.
Laut der Mannheimer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität wurden die Anrufer auf den Mitteilungen zwar im Kleingedruckten auf den Minutenpreis von 2,99 Euro hingewiesen, nicht aber auf die erhebliche Zeit, die für eine Registrierung erforderlich ist. Auf diese Weise sollen 180 000 Anrufe erfolgt sein, bei denen den arglosen Opfern ein Gesamtschaden von 3,7 Millionen Euro entstand – pro Anruf also mehr als 20 Euro.
Während zwei Männer als Mittäter angeklagt sind und zwei weitere wegen Beihilfe, werden vier Angeklagte morgen aus mehrmonatiger Untersuchungshaft in den Mannheimer Gerichtssaal geführt. Zu ihnen zählen Michael H. (50) und Klaus Z. (56), die zu jenen Festgenommenen gehören, die Ende September 2010 auf Mallorca nach einer Großrazzia aufgeflogen waren. Rund 200 Polizeibeamte durchsuchten damals 33 Firmen und Privatwohnungen sowie eine Rechtsanwaltskanzlei in Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Spanien.
Die Tätergruppe soll rund 7,5 Millionen Euro durch die Gewinnspielmasche eingenommen haben. Mit dem Geld finanzierten sich auch die Ortenauer auf der Baleareninsel einen laut Polizei und Staatsanwaltschaft "sehr aufwändigen Lebensunterhalt". Auf die Spur der Wirtschaftskriminellen kamen die Fahnder durch verdeckte Aktionen sowie Finanzermittlungen in mehreren europäischen Ländern. So konnte ausreichend Beweismaterial gesichert werden, um internationale Haftbefehle zu erreichen.
Bei den Durchsuchungen auf Mallorca waren im vergangenen Herbst auch 20 Fahnder aus der Ortenau dabei. Sieben weitere koordinierten die Aktionen von der Polizeidirektion Offenburg aus, wo die Fäden zusammenliefen und auch die weiteren Ermittlungen liefen. Die Polizeidirektion hatte eigens zusätzliche Büroräume angemietet, in denen die beschlagnahmten Unterlagen ausgewertet werden. Allein auf Mallorca wurden 25 Computer und drei Paletten voller Akten gesichert und nach Deutschland geflogen. In allen Ländern zusammen wurden 150 Umzugskartons mit beschlagnahmten Unterlagen gefüllt.
Für Michael H. und Klaus Z. schloss sich mit dem Zwangs-Rückflug von der Ferieninsel in die Heimat ein Kreis. Beide waren, wie damals auch ihr Offenburger Komplize Rolf W., im Februar 2009 zu Haftstrafen von 18 Monaten verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Im Gegenzug sollte jeder der drei Männer eine Million Euro an Geldbuße bezahlen. Das Geld sollte in Chargen zu 50 000 und 100 000 Euro unter 38 sozialen Einrichtungen verteilt werden, kam aber längst nicht bei allen an.
Auch im jüngsten Anklagefall steht wieder ein aufwändiges Verfahren bevor: 37 Verhandlungstage sind vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer in Mannheim angesetzt, das Urteil wird nach derzeitiger Planung erst kurz vor Weihnachten erwartet.
Autor: Helmut Seller
