Snookern wie die Profis

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Do, 16. Oktober 2014

Offenburg

Snookerabteilung der DJK Offenburg expandiert mit neuer Hightech-Ausrüstung aus England / Am Wochenende Tag der offenen Tür.

OFFENBURG. Sein Spitzname ist "Maschine", er ist hauptberuflich Bademeister und hat neben Billard noch Ski, Golf und Tauchen als Hobbys. Peter Wagner, Leiter der Snookerabteilung der DJK Offenburg, ist ein wahrer Tausendsassa, was den Sport angeht. Doch er ist vor allem eins: snookersüchtig. So prangt ein greller grün-roter Schriftzug vor der Eingangstür zur Snookerabteilung im DJK-Vereinsheim und so heißt auch die Website des Clubs: http://www.snookersuechtig.de

Um noch mehr Snookersüchtige zu gewinnen, öffnet die Snookerabteilung des DJK Offenburg vom 18. bis 19. Oktober ab 10 Uhr ihre Türen für Interessierte. Anlass ist die Renovierung der Räumlichkeiten und ihre Erweiterung um einen zusätzlichen Raum und zwei neue Tische. Simon Barker, ein britischer "Tablefitter", hat die zwei 1,5 Tonnen schweren Tische eigens im Lkw von England nach Offenburg transportiert. Besonderes Highlight ist die über W-LAN steuerbare Heizung, die in einen der neuen Tische eingebaut ist. Sie ist über eine App bequem von Zuhause aus aktivierbar. Zwei Stunden, so lange braucht der Tisch zum Aufwärmen. Die Heizung dient zur Beschleunigung der Bälle, indem sie dem charakteristisch grünen Stoffbezug der Tische Feuchtigkeit entzieht. "Diese Technik wird normalerweise nur bei den Profis verwendet", so Peter Wagner. Er stapelt tief: "Ich war immer eher nur ein Semi-Profi. Ich habe viel in der Billardgastronomie gearbeitet, das war mein Hauptverdienst. Die Turniere spielte ich eher nebenbei." Er war in den 90er Jahren dreimal Deutscher Meister und insgesamt fünfmal Landesmeister in Baden-Württemberg. Wagner ist seit 1989 im Snooker aktiv, und war unter anderem auch auf Turnieren in Malta, Pakistan und Thailand. Er hat den Sport in den 80er Jahren in Kanada kennengelernt und nach seiner Rückkehr in Deutschland nach Möglichkeiten gesucht, ihn auch hier auszuüben.

Snooker das ist eine Spielart des Billards, bei der es gilt, 15 rote und sechs verschiedenfarbige Kugeln in der richtigen Reihenfolge zu versenken. Sie unterscheidet sich von den anderen Spielarten Pool, Karambol und Kegelbillard durch die Anzahl der Kugeln, die Ausarbeitung der Tische und der Queues. Peter Wagner hat den Verein im Jahr 2009 zusammen mit dem damals 20-jährigen Florian Werres in Leben gerufen. Der heute 25-jährige Werres hatte damals gerade den deutschen Meistertitel in der U-21 Bundesliga gewonnen. Das Projekt entstand auf seine Initiative und stand unter der Schirmherrschaft des damaligen Bürgermeisters Christoph Jopen. Im Rahmen des Neubaus des DJK-Zentrums wurden neue Räumlichkeiten frei, in die die Billardfreunde Einzug halten konnten.

Mittlerweile existiert die Snookerabteilung seit fünf Jahren, und die Offenburger stehen im deutschlandweiten Vergleich gut da: Neben Wagner und Werres, die auf nationaler Ebene schon einen Namen haben, gehören zum Verein zwei 13-jährige, die auf Landesebene spielen. Trotzdem, so erklärt Wagner, "sind über die Hälfte der Vereinsmitglieder reine Hobbyspieler". Wer spielt in Offenburg Billard? "Von 13 bis 55 sind alle Altersklassen vertreten. Bloß die Frauen wagen sich nicht so recht an den Sport heran."

"Snooker erfordert ein

Höchstmaß an Präzision,

Konzentration und

Ausdauer."

Peter Wagner
Snooker sei eine reine Männerdomäne, und trotz der eigens für Damen eingerichteten Toilette konnten die Offenburger Snookerfans noch keine Frau in ihren Reihen begrüßen. Mittlerweile zählt die Snookerabteilung der DJK 20 Mitglieder, und natürlich hofft der Vereinsleiter durch den Ausbau auf noch mehr Interessenten. Ob es davon in Offenburg viele gibt? "Die Eröffnung des Vereinsraums im Jahr 2009 fand großen Anklang. Wir hoffen, dass wir dieses Jahr genau so erfolgreich sein werden." In Deutschland gibt es bisher nur einen internationalen Profi – weltweit sind es laut Wagner 128; führende Nationen seien England, das "Mutterland des Billards" und die Benelux-Staaten.

Obwohl er mittlerweile nicht mehr an öffentlichen Turnieren teilnimmt, könnte sich Wagner nicht vorstellen, komplett mit dem Sport aufzuhören. Warum Snooker und kein anderer Sport? "Snooker ist eine technische Sportart, die ein Höchstmaß an Präzision, Konzentration und Ausdauer erfordert." Dieser hohe Anspruch reize ihn. Man lerne nach und nach immer kompliziertere Kniffe, wie die "Q-ball control" oder das "Break building".

Diese Begriffe klingen für den Laien zunächst einmal wie Spanisch. Peter Wagner ist aber gerne bereit, sie Anfängern in einer Trainingseinheit zu erklären. Immer dienstags findet ein Training mit den Profis statt, sonst hat jedes Vereinsmitglied einen Schlüssel zum Vereinsgebäude und somit zu jeder Tageszeit freien Zugang.

Und wie kommt Peter Wagner zu seinem Spitznamen "Maschine"? "Der Name steht für die Spieltechnik. Im Billard bekommt irgendwann jeder einen Namen verpasst. Da gibt’s noch ausgefallenere Sachen, Hurricane oder Wizzard zum Beispiel."