Täglich mit dem Schlauch in die Reben

Harald Rudolf

Von Harald Rudolf

Mo, 20. August 2018

Offenburg

Die weiter anhaltende Trockenheit setzt den Pflanzen arg zu / Rammersweiers WG-Chef hat für die Bewässerung sogar den Urlaub abgebrochen.

OFFENBURG.Der Hitzesommer hat dem Offenburger Rebland eine bisher nie erfahrene Trockenheit gebracht. Seit Mitte Juli wässern die Winzer die Reben. In einer Phase vor der Lese, in der sie in der Regel Urlaub machen (können) oder etwas mehr Zeit für sich haben. Meinrad Hurst, Vorstandsvorsitzender der WG Rammersweier, bewirtschaftet 20 Hektar Reben und fährt täglich Wasser in den Weinberg.

Seinen Urlaub hat Hurst abgebrochen. Seither wässert er und träumt vom Regen. Regen wäre das absolute Glücksgefühl: "Da schafft die Natur für den Winzer." In der diesjährigen Trockenphase müsse der Winzer für die Natur schaffen. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Trotz geringerer Hitze und gelegentlich kleiner Niederschläge wird er weiter wässern. "Die Rebe atmet auf und stellt sich auf Wasser ein." Die Spalten der Blätter öffnen sich und Wasser verdunstet. Bekommt die Rebe kein Wasser, wächst sie langsamer und geht an ihre Reserven, die schlussendlich die Beeren darstellen. Ausgetrocknete Beeren sind die letzte Stufe. Da holt sich der Stock das Wasser aus den Beeren.

Zuvor trocknet die Rebe ein, Blätter vergilben und fallen. Wie im Herbst sehen manche Rebstöcke im Offenburger Rebland aus. Ausgetrocknete, verschrumpelte Beeren sind bereits zu sehen. "Wer nicht wässert, muss nicht mehr ernten", sagt Georg Lehmann, Geschäftsführer der WG Rammersweier. Die Rebfläche der Winzergenossenschaft ist überwiegend mit Granitverwitterungsböden betroffen, wo Felsen den Zugang der Wurzeln zum Grundwasser erschweren. "Die Zuckereinlagerung bleibt stehen." Mehr geht dann nicht mehr. Meinrad Hurst misst mit einem Refraktometer das Mostgewicht, die Öchsle, und wird durch einige Beeren bestätigt. "Wer Ertrag und Qualität haben will, muss Wasser bringen", so der Winzer. "60 Prozent der Reben stehen gut da", sagt Lehmann. Müller-Thurgau und Spätburgunder, die auf Lehm-Löss-Böden reifen, sehen prächtig aus, jetzt schon nahezu reif für die Lese. Die anderen Prozent werden bewässert.

Im Weinberg fahren derzeit frühmorgens die Traktoren mit Wasserfässern auf und ab. Neben den Rammersweierer Winzern sind auch jene aus Zell-Weierbach und Fessenbach sowie die Inhaber der Weingüter reihum aktiv. Jeder Winzer schafft rund 3000 Liter pro Tag in seinen Weinberg. Hurst hat in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben zwischen 80 000 und 90 000 Liter Wasser gefahren. Im Winter will er über die Anschaffung einer Tröpfchenbewässerung nachdenken. Da liegen dünne Schläuche entlang der Rebzeilen mit kleinen Löchern, aus denen das Wasser tropft. Aktuell wässert Hurst wie die Feuerwehr bei einem Einsatz mit einem Schlauch und geht von Rebstock zu Rebstock. Die Steilhänge rauf und runter. Die Kosten für das Wasser seien die eine Sache, sagt Hurst. "Der Arbeitsaufwand ist zudem enorm."

Die Winzer des Offenburger Reblands haben Zugang zu Hydranten erhalten und holen sich von dort das Wasser. Auf einer Liste tragen sie die Mengen ein. Kosten: Rund 2,50 Euro pro Kubikmeter. Dann geht es mit Traktor und Hänger mit dem Wasserfass in die Rebzeilen. Vor allem die jungen Anlagen mit geringer Wurzellänge sind schwer betroffen. Manche Winzer haben diese bereits gekappt, damit der Rebstock nicht kaputt geht, und auf den Ertrag verzichtet. 30 Prozent weniger Ertrag hatte die WG Rammersweier letztes Jahr aufgrund des Frostes. In diesem Jahr könnten durch die Trockenheit rund 20 Prozent weniger eingelagert werden.