Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. September 2009

Verfassungspatriotismus soll’s richten

Badr Mohammed fordert beim Salmengespräch stärkere Anstrengungen bei der Integration

  1. Badr Mohammed mit Edith Schreiner Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG. Mit engagiert vorgetragenen Worten hat Badr Mohammed für Deutschland als Einwanderungsland plädiert: Der Geschäftsführer des Europäischen Integrationszentrums Berlin war am Freitagabend Hauptredner der fünften Salmen-Gespräche. Die deutsche Gesellschaft müsse die kulturelle Vielfalt als Herausforderung und Chance begreifen. Gefordert seien gegenseitiger Respekt und ein offener Dialog auf Augenhöhe.

Badr Mohammed sprach sich gegen die Bildung von Parallelgesellschaften aus, die ein Land spalteten. Aber auch Assimilation sei nicht die Lösung, denn mit der "Anpassung" sei das Aufgeben der eigenen Identität verbunden. Auf der Basis der Menschenrechte müsse eine Annäherung vollzogen werden, die nicht auf Zwang beruhe, sondern auf Freiwilligkeit. Der 43-jährige gebürtige Libanese, der seit 1975 in der Bundesrepublik lebt und mittlerweile deutscher Staatsbürger ist, verwendet den Begriff der "jungen neuen Deutschen". Damit will er Menschen bezeichnen, die im Ausland geboren wurden und jung nach Deutschland kamen. Wer von Ausländern, Migranten, Einwanderern oder Menschen mit Migrationshintergrund spreche, grenze diese Personengruppe aus. "Die jungen neuen Deutschen bereichern die Kultur und das Land", so der zweifache Familienvater, der mit einer Griechin verheiratet ist. Für das Präsidiumsmitglied der deutschen Islamkonferenz haben die meisten "Biodeutschen", wie er die alteingesessenen Einheimischen bezeichnet, eine türkische Brille auf: Sie würden sich lediglich auf eine Ethnie konzentrieren und alle Ausländer in einen Topf werfen: "Wir wollen die Wahrnehmung und Anerkennung aller hier lebenden Deutschen."

Werbung


"Wir haben alle eine gemeinsame Verfassung."
Dabei müsse die Vielfalt im interkulturellen Dialog hervorgehoben werden und es zugleich gelingen, einen gesunden deutschen Patriotismus zu entwickeln: "Wir haben alle eine gemeinsame Verfassung." Badr Mohammed wünscht sich ein "von freundschaftlichen Banden geprägtes Miteinander". Und forderte als Fazit, in der Integration mehr als ein Lippenbekenntnis zu sehen. Zugleich müsse es möglich sein, die eigene Sprache, Kultur und Religion zu bewahren – und in einer Haltung der Aufgeschlossenheit alle zu Wort kommen zu lassen: "Auf diese Weise wird der Nährboden geschaffen, dass sich die neuen Deutschen als Deutsche fühlen können."

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Gitarrist Marco de Lahuen aus Chile. Dass es damit seine ganz besondere Bewandtnis hatte, machte OB Edith Schreiner in ihrer Begrüßung deutlich: Der Gitarrist interpretierte Lieder seines Landsmanns Viktor Jara, der 1973 von Anhängern des chilenischen Diktators Augusto Pinochet ermordet wurde, nachdem man ihn gezwungen hatte, mit verstümmelten Fingern noch einmal Gitarre zu spielen. Chile litt 17 Jahre lang unter der Militärdiktatur und der groben Verletzung der Menschenrechte, führte OB Schreiner aus. "In 70 Ländern wird bis heute von Staats wegen gefoltert." Die Rathauschefin unterstrich, dass man sich um den Erhalt der Menschenrechte immer wieder bemühen und dafür kämpfen müsse. Der Salmen stehe für beides, für unveräußerliche Menschenrechte sowie für deren Untergang: "Wir können aus unserer Geschichte lernen." Dazu trage das Bewusstsein bei, dass Menschenrechte bis heute in vielen Ländern der Welt keine Selbstverständlichkeit darstellten.

Schreiner: "Wir Offenburgerinnen und Offenburger sind uns unseres Erbes bewusst und halten die Erinnerung an jenen bedeutsamen Tag aus Überzeugung und innerer Verbundenheit wach."

Autor: Gertrude Siefke