Von der Zukunft in die Vergangenheit

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Do, 15. Februar 2018

Offenburg

Einst für Offenburg geplant, nun in Ohlsbach verwirklicht: Verein Temopolis eröffnet am 25. Februar das "Technische Zukunftsmuseum".

OFFENBURG/OHLSBACH. Nach dem gescheiterten Versuch, ein Technikmuseum in der Offenburger Innenstadt zu platzieren, ist der Verein Temopolis auf den Standort Ohlsbach ausgewichen: Vom 25. Februar an erzählen Exponate im "Technischen Zukunftsmuseum" in der Carl-Benz-Straße die Geschichte des technischen Fortschritts, in der Offenburg eine bedeutende Rolle spielt.

Er macht Liegestützen, Kniebeugen und kann sogar tanzen: "Alpha 1", ein intelligenter und sehr beweglicher Roboter, ist eines der Ausstellungsstücke, das die Besucher des neuen Museums in der Ohlsbacher Carl-Benz-Straße erwartet. Er steht für die Zukunft, für die modernste Technik, die dem Menschen schon heute viele Aufgaben abnimmt und die bald noch viel mehr leisten wird. Frank Leonhardt, der Vorsitzende des Vereins Temopolis und einer der Ideengeber für das Technikmuseum, hat "Alpha" auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin entdeckt – und sich ihn gleich als Leihgabe gesichert.

Die Robotik ist neben der Fahrzeugtechnik eine der zukunftsträchtigen Technologien, denen sich das neue Museum in Ohlsbach widmet. Sein Wunsch sei es, dass "Alpha" bald Gesellschaft durch "Sweaty" bekommt, den prämierten, Fußball spielenden Roboter der Hochschule – jedoch sei noch nichts fest vereinbart, sagt Frank Leonhardt.

Mit der Hochschule wollten die Museumsgründer aber auf jeden Fall eng kooperieren. Zwei Leihgaben hat der Verein bereits von ihr erhalten: Es sind Prototypen des von Studenten entwickelten "Schluckspechts". Der Rennwagen hat mit einer Tankfüllung von einem Liter Diesel unter anderem schon rekordverdächtige 1800 Kilometer zurückgelegt – ein großer Schritt in Richtung energieeffiziente und umweltfreundliche Mobilität. Der Schluckspecht ist eine der Entwicklungen, die vom technologischen Potenzial Offenburgs und der Region zeugen. Er ist aber längst nicht das einzige Aushängeschild der Stadt: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hat der Offenburger Friedrich August Haselwander mit der Drehstrommaschine eine bahnbrechende technische Erfindung gemacht. Haselwander steht genauso für den in Offenburg verankerten technischen Fortschritt wie Xaver Henco mit seiner 1830 in Betrieb genommenen Ölmühle oder die Verlegerfamilie Burda mit ihren Druckpressen.

"Wir schauen nach Alternativen in Offenburg"

Der Besucher des neuen Museums in Ohlsbach kann die Entwicklung immer ausgefeilterer Techniken anhand von Exponaten nachverfolgen, die zum Teil Leihgaben von lokalen Unternehmen sind. In drei "Zeittunneln" zu unterschiedlichen Themenbereichen – Kommunikation, Elektronik und Mechanik – unternehmen die Ausstellungsgäste eine Reise zurück in die Vergangenheit. Sie gelangen von Musik aus der "Cloud" zu Radio-Sendeanlagen der kanadischen Streitkräfte, die zwischen den 60er- und 90er-Jahren in Lahr stationiert waren, vom Roboter zum Fernschreiber und zum Grammophon, vom elektrischen Linearantrieb, der zum Beispiel in E-Bikes zum Einsatz kommt, zu per Handkurbel oder Riemen betriebenen Bohrern.

Auf 400 Quadratmetern spiegelt sich in der Halle in Ohlsbach Industriegeschichte wider. Den Ausstellungsraum stellt der Ohlsbacher Unternehmer Hans-Peter Möschle, selbst Temopolis-Mitglied und Initiator des Gengenbacher Schülerforschungszentrums, kostenlos zur Verfügung. Er wird die Räumlichkeiten auch für sein Forschungsprojekt nutzen.

Außerdem sollen in der Halle künftig Vorträge und Symposien stattfinden, wie Frank Leonhardt ankündigt. Der Standort in Ohlsbach ist für die Initiatoren des Museums aber keine endgültige Lösung: Sie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, in Offenburg ein zentrales Ausstellungsgebäude zu finden. Ursprünglich hatte der Verein geplant, das Technikmuseum in der alten Stadthalle einzurichten – hier kommt nun aber das Einkaufszentrum Rée Carré hin. Das Museumsprojekt in Ohlsbach sei zunächst auf ein Jahr angelegt, erklärt der Vereinsvorsitzende Leonhardt: "Parallel schauen wir nach Alternativen in Offenburg."

Damit der Traum von Technikmuseum in der Stadt Wirklichkeit werden kann, sei der Verein auf weitere tatkräftige Mitglieder sowie die Förderung durch Unternehmen und eventuell auch die Kreis- und die Stadtverwaltung angewiesen. Rund 15 Leute hätten in den vergangenen elf Monaten aktiv beim Aufbau der Ausstellung in Ohlsbach mitgeholfen, berichtet Leonhardt, rund eine Handvoll Unternehmen – darunter Meiko, die Volksbank sowie die Firma Hiwin – unterstützten das Vorhaben bereits.

Info: Das Technische Zukunftsmuseum in der Carl-Benz-Straße 30 in Ohlsbach ist ab 25. Februar jeden Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr für Besucher geöffnet. Führungen für Gruppen, etwa für Schulklassen, können im Voraus gebucht werden. Weitere Infos gibt es unter http://www.temopolis.de