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24. Juni 2015

"Vorreiter für eine neue Mobilität"

Offenburg weiht vor dem Messegelände die erste von mehreren Mobilitätsstationen ein / Konzept findet überregionale Beachtung.

  1. Messechefin Sandra Kircher fährt ein Pedelec aus der ersten Mobilitätsstation am Messeplatz. Sie ist Patin der ersten Station, auf die zunächst drei weitere im Stadtgebiet folgen werden. Foto: Julia Trauden

OFFENBURG. Mit dem Start der ersten von vier Mobilitätsstationen zur Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel hat Offenburg überregionales Interesse ausgelöst: "Mit der Umsetzung ihres Konzepts sind Sie wirklich Vorreiter für eine neue Mobilität. Heute schon findet dieses Projekt landes- und bundesweit Beachtung", lobte Verkehrs-Staatssekretärin Gisela Splett am Dienstag. Oberbürgermeisterin Edith Schreiner hofft, durch das"multimodale Mobilitätskonzept" mehr Menschen weg vom Auto und hin zu öffentlichen Verkehrsangeboten zu lenken.

"Wir wollen die Schadstoff-Emissionen senken und das öffentliche Verkehrsnetz ausweiten", sagte Schreiner über das Konzept, das Offenburg seit 2012 entwickelt hat. Die Stationen dienen als Ausgangspunkt oder Verknüpfungspunkt, an dem sowohl Autos als auch Fahrräder zur Verfügung stehen. Die Autos sollen dabei in Form von Car-Sharing angeboten werden. Die Fahrräder – Pedelecs und normale Räder – werden in einem öffentlichen Miet-System zur Verfügung gestellt.

Nutzen statt besitzen liegt im Trend

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"Die Mobilitätsstationen können sich auf große Trends im Mobilitätsverhalten der Menschen stützen", erläuterte Staatssekretärin Splett. "Die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel nimmt zu, Fahrrad und Bahn erobern Marktanteile. Das Auto wird gleichzeitig vom Statussymbol zu einem von mehreren Verkehrsmitteln. Car-Sharing boomt dafür in den großen Städten. ’Nutzen statt besitzen’ liegt im Trend."

2013 hatte die Stadt damit begonnen, die vier Pilot-Stationen zu planen. Das Land hat diese in Höhe von 115 000 Euro anteilig gefördert. "Wir tun das, weil wir glauben, dass dieses Projekt und unser Vorhaben, Baden-Württemberg zur Pionierregion für nachhaltige Mobilität zu machen, bestens zusammenpassen. Davon profitieren Mensch, Klima und Umwelt, aber auch die Wirtschaft als Anbieterin zukunftsfähiger Produkte und Dienstleistungen", sagte die Staatssekretärin. 2014 wurde mit der Realisierung der Mobilitätsstationen begonnen. Nach der Eröffnung der ersten Station auf dem Messeplatz sollen nun im Juli, September und Oktober die nächsten folgen: am Kulturforum, dem Technischen Rathaus und der ZOB am Bahnhof. In einer weiteren Stufe soll bis 2016 untersucht werden, wie gut die Menschen diese neuen Angebote annehmen. Sobald die Akzeptanz in den ersten Betriebsjahren bewertet ist, soll über die Realisierung dreier weiterer Standorte in den beiden neuen großen Wohngebieten Seitenpfaden und Mühlbach sowie beim Freizeitbad entschieden werden. Danach könnte dann eine zweite und dritte Ausbaustufe bis 2035 realisiert werden.

Zudem wird erwogen, bei einer erfolgreichen Entwicklung in allen Stadt- und Ortsteilen sowie Gewerbegebieten zumindest jeweils eine Mobilitätsstation einzurichten. Dabei soll mit den interessierten Nachbargemeinden und dem Eurodistrikt Straßburg-Ortenau eine Grundlage für ein einheitliches Betreiber-System für die Car-Sharing-Fahrzeuge sowie die Fahrräder und Pedelecs (Fahrräder mit Elektro-Unterstützung) im öffentlichen Miet-System gefunden werden. Letztendlich ist angestrebt, eine einheitliche "Mobilitätskarte" für die Ortenau und den Eurodistrikt zur grenzüberschreitenden Nutzung der Mobilitätsstationen unter Einbeziehung der Verkehrs- und Tarifverbünde einzuführen. Kehl und Straßburg haben sich laut OB schon bereit erklärt, an dem grenzüberschreitenden Mobilitätssystem teilzunehmen. Auch mit weiteren Nachbargemeinden im Schwarzwald sei man im Gespräch.

Ab sofort können die Nutzer der Mobilitätsstation am Messeplatz schon mit ihrer "Einfach-Mobil-Karte" drei Pedelecs, fünf normale Fahrräder und ein Elektro-Auto ausleihen. Mit der Karte, die übers Internet und im Bürgerbüro erhältlich ist, lassen sich die Fahrzeuge digital auf- und wieder abschließen. Neben Zugriff auf das gesamte Angebot der Mobilitätsstationen ermöglicht sie Rabatte auf Fahrt- und Leihkosten. Ohne Karte kostet der Kilometer mit einem E-Auto 22 Cent und die Stunde zwei Euro. Für Pedelecs zahlen die Nutzer einen Euro für 30 Minuten, maximal möglich sind 4,5 Stunden pro Tag. Nach und nach wolle die Stadt die Mobilitätskarte auch um das restliche öffentliche Verkehrsnetz erweitern, erklärte OB Schreiner. Dazu zählten der ÖPNV, das Radhaus am Bahnhof und die Radboxen am Kreisschulzentrum.

Messechefin Sandra Kircher, die zur Patin der ersten Mobilitätsstation ernannt wurde, erhielt die erste "Einfach-Mobil-Karte" von Oberbürgermeisterin Edith Schreiner: "Ich verspreche mir von der Station auch eine Aufwertung des Messeplatzes", sagte Kircher.

Autor: Julia Trauden