Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. August 2017

Rede

Warum SPD-Stadtrat Bertold Thoma gegen die AfD in Offenburg auf die Straße gegangen ist

Bei der Gegendemo gegen die Kundgebung der AfD-Redner trat vor allem SPD-Stadtrat Bertold Thoma in seiner Eigenschaft als Mitglied des ökumenischen Arbeitskreises Asyl ans Mikrophon und hielt eine vielbeachtete Rede.

  1. Bertold Thoma sprach Klartext. Foto: Michael Bode

OFFENBURG (hru). Bei der Gegendemo gegen die Kundgebung der AfD-Redner trat vor allem SPD-Stadtrat Bertold Thoma in seiner Eigenschaft als Mitglied des ökumenischen Arbeitskreises Asyl ans Mikrophon und hielt eine vielbeachtete Rede. Hier einige Auszüge: "Es geht mir nicht um die AfD-Wähler. Dass Leute in unserem Land unzufrieden sind mit ihrer persönlichen Situation, unter Druck und Stress in der Arbeitswelt leiden, mit Frau Merkels unerklärten Wendemanövern, auch in der Flüchtlingsfrage, nicht klarkommen, dass sich Ängste ausbreiten angesichts ungewisser Zukunft und einer immer komplexer werdenden Weltlage, ist im Einzelfall nachvollziehbar.

Es geht mir nicht um die AfD-Wähler, es geht um ihre Verführer, um deren Parolen, ihre Propaganda – um alles, was sie an Fakten und Fake News vortragen, um Stimmungen zu erzeugen, um Abneigungen, Vorurteile, Pauschalierungen erst herauszukitzeln, dann zu verstärken und sie dann gezielt in Aggressionen zu verwandeln: Aggressionen gegen die Politiker, die sogenannten Sozial-Schmarotzer, gegen die Fremden, gegen die Flüchtlinge. Wenn deren Zahl abnimmt, verfällt die AfD-Führung in Panik.

Werbung


Wenn das ’Feindbild’ nicht täglich in den Medien Gestalt gewinnt, beklagt sich Herr Gauland: ’Es kommen keine Flüchtlinge mehr zu uns.’ Damit fallen die eindrücklichen Fernsehbilder weg. Unser großes Pech ist: Sie kommen übers Mittelmeer, und da sind selten Kameras dabei."

Und deshalb gebe es Menschen in Deutschland, die glauben, es sei alles nicht so schlimm. Wie glücklich wäre die Parteiführung der AfD, wenn die Flüchtlinge doch wieder die Balkanroute wählten: "Hei, da könnte man Stimmung machen und Stimmen einsammeln."

"Die Strategie ist ein Spiel spielen, das Stück ’Biedermann und Brandstifter’. Mitleid bekunden mit den armen Verfolgten und im gleichen Atemzug hetzen gegen sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung als rote Grenze ziehen, aber keine Konsequenzen nach den offen rassistisch-nationalistischen Sprüchen des Herrn Höcke, denn: Ausschlussverfahren wollen die Mitglieder, Freunde und Förderer der Partei nicht. Die sagen zu Recht: Ihr müsst alle mitnehmen. So sagt bieder der Herr Gauland. Wenn’s um Höcke geht, hat er ein weites Herz, bei einem Boateng wird’s eng auf dem Platz." "Noch mal: Ich rede nicht von dem AfD-Wähler, der mal per Stimmzettel protestieren will. Ich rede von den intellektuellen Führern, die ganz genau wissen, was sie anrichten, die sich harmlos-bürgerlich geben, aber gezielt manipulieren und verführen. Die sagen: ’Deutschland den Deutschen’, obwohl sie wissen, dass dieses Deutschland längst bunt ist, dass es seinen Wohlstand (auch) den vielen verdankt, die über Jahrzehnte als Vertriebene, Flüchtlinge, Ausländer hier Heimat gefunden haben. Und dass diese Lage nur aufrechterhalten werden kann, wenn wir uns, nicht nur in Offenburg, offen zeigen für Menschen, die ohne eigene Schuld in Elend und Not und Krieg geraten sind – auch und gerade deshalb, weil westliche Politik und westliche Waffen ganz wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Welt aus den Fugen geraten ist.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zur ’Lügenpresse’, über welche sich die AfD’ler, im Konzert mit ihrem Kumpel Trump, beklagen: Der letzte Irakkrieg, der so schreckliche Folgen gezeitigt hat, wurde mit der Lüge des amerikanischen Präsidenten begründet, Saddam besitze Massenvernichtungsmittel: So zieht eine Lüge die nächste nach sich.

Dagegen müssen freiheitliche Demokraten aufstehen und sagen: Offenburg ist bunt, friedliebend, sozial, tolerant und Heimat für die, welche diese Werte, diese Rechte und Pflichten bejahen."

Autor: bz