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29. Juli 2017

Wenn Tänzerinnen von HipHop zu Spitzentanz switchen

200 Tänzerinnen und Tänzer wirbeln bei "Tanzen pur 2017" zu Julia Kirchers Choreographien über die Bühne der Reithalle.

  1. 40 Tänzerinnen sind im großen Finale auf und vor der Bühne. Foto: Bruhier

OFFENBURG. Tanzen Pur 2017, das sind über 200 Tänzer und Tänzerinnen des Ballett- und Tanzstudios Marcus Wegel, die unter der Leitung von Julia Kircher an zwei Tagen ein unterhaltsames Programm auf die Bühne der Offenburger Reithalle gebracht haben.

"Ich finde es immer wieder spannend, zu erleben, wie jede Tanzgruppe ihre Choreographie annimmt und im Laufe der Trainingswochen etwas ganz eigenes daraus macht", erklärt Kircher in ihrer Begrüßung am Samstagabend an das Offenburger Publikum. Kircher, die als Tanzlehrerin alle Tanzgruppen leitet, versteht es, mit ihren Choreographien die Besonderheit der verschiedenen Tanzdisziplinen darzustellen und dabei Geschichten zu erzählen. Da krabbeln die Früherziehungskinder über ein Gummiband verbunden als Raupe über die Bühne um sich wenig später in kleine federleichte Schmetterlinge zu verwandeln. Kleine rot-weiße Schlafmützchen dehnen und strecken sich um bald quietschvergnügt über die Bühne zu springen. Süße Schwarzwälder Kirschtörtchen drehen und wenden sich zu zünftiger Volksmusik. Da gehen nicht nur die Herzen der Mamas und Papas im Publikum auf.

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Gänsehautgefühl kommt auf, wenn die "Ghost Children" im weißen langen Tütü zum Soundtrack von "Coraline" vor einem nächtlichen Spukschloss mit blauem Bühnenlicht tanzen. "Wüstenblumen": Ballettkinder bewegen sich einzeln und im Kollektiv vor einer kargen Wüstenkulisse, bei der das Bühnenlicht beinahe durch die jungen Körper hindurchscheint. Die verschiedenen Choreographien zeigen altersgemäß das Können der einzelnen Tanzgruppen. Wer die Tanzveranstaltung, die seit 2011 alle zwei Jahre in der Reithalle stattfindet, bereits in der Vergangenheit besucht hat, kann die Entwicklungen der Gruppen und einzelner Tänzer und Tänzerinnen gut beobachten. Einige Jugendliche tanzen auch in mehreren Disziplinen, wechseln also blitzschnell zwischen Ballett, Spitzentanz, Jazz oder Hip-Hop. Im Stepptanz finden sich Tänzer und Tänzerinnen von zehn Jahren aufwärts. Die Stepperinnen und Stepper von Tanzen Pur, darunter auch Julia Kircher, nehmen das Publikum gut gelaunt und mit viel Schwung mit in ein Pariser Straßencafé und dann auf ein Marineschiff. Rhythmisch und dramatisch geht es bei den vier Flamenco-Tänzerinnen zu, die mit Klatschen und entsprechenden Tanzschritten selber zu Musikern werden. Sie werden begleitet von Steffen Roth am Cajon.

In der zweiten Hälfte des Abends dominieren dann harte Beats für HipHop und fetzige Soundtracks für Jazztanz. Auch hier erzählen die Tänze Geschichten über die Genres hinaus. "Torn Redux" der 16 bis 18-Jährigen kombiniert energiegeladenen HipHop mit Spitzentanz. Die Tanzfreude der Jugendlichen ist spürbar. Auch bei "Deadpool" setzen HipHop-Tänzerinnen in hautengen Catsuits mit klassischem Dutt eine fast animalische Energie frei. Rhythmus jeder Art wird von den Tänzerinnen und Tänzern dankbar angenommen, egal ob bei Jazz-, Hip-Hop- oder Ballett-Tanz. So auch der orientalische Rhythmus der Cracow Klezmer Band, bei dem sich 40 Jugendliche auf und vor der Bühne mit einem furiosen Finale von ihrem begeisterten Publikum verabschieden.

Autor: Carola Bruhier