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27. Januar 2016

Zeller setzen die Bauverwaltung wegen Bebauungsplan unter Druck

Eine vom Ortschaftsrat einberufene Bürgerversammlung in Zell-Weierbach macht sich für eine "ortsverträgliche Bebauung" der Offenburger Reblandgemeinde stark.

OFFENBURG. Die Resonanz auf die angesetzte Bürgerversammlung im Burgundersaal der Winzergenossenschaft Zell-Weierbach spricht für sich. Über 100 Bürgerinnen und Bürger haben sich an diesem Montag zu der vom Ortschaftsrat einberufenen Versammlung eingefunden.

Die Themen "Immobilienprojekte in Zell-Weierbach", "die Zukunft des Gasthauses Sonne" und "Ortsentwicklungskonzept" erhitzen die Gemüter. Durch die offene Diskussionsrunde führten Heribert Schramm von der Bürgerliste Zell-Weierbach (BLZW), Thomas Schmidt (CDU) und Sieglinde Metzler (SPD). Tenor des Abends: Die Versammelten sind sich einig, dass sie die Baustruktur und das Ortsbild der Winzergemeinde erhalten müssen und wollen. Zu oft hätten in der Vergangenheit Investoren die vorgebene Bauhöhe oder das umgebende Ortsbild ignoriert. Es fehlten Bebauungspläne, die solche Dinge regeln. Ein geplantes Bauvorhaben in der Fuchsgasse, die mit einer Straßenbreite von maximal 2,85 Meter kaum Baumaschinen Platz bieten würde und mit einer Breite von über elf Metern als überdimensioniert empfunden wurde, konnte verhindert werden. Im Winkel sollte ein Zehn-Familien Haus entstehen, das sich nach Meinung der Anwohner nicht in der gewachsenen Struktur einfügen würde und zudem die benachbarten Häuser weit überragen würde. Vier Anträge auf Erstellung von Bebauungsplänen für unterschiedliche Bereiche habe der Ortschaftsrat von Zell-Weierbach in 2015 bei der Stadt Offenburg gestellt, von denen bisher keiner auf Grund personeller Engpässe, so die Auskunft der städtischen Bauverwaltung, bearbeitet werden konnte.

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Bis dato behilft sich die Zeller Ortsverwaltung mit Veränderungssperren. Man wolle nicht als "Bauverhinderer" da stehen, so Heribert Schramm, aber die Gemeinde wolle eine "ortsverträgliche Bebauung", die den gewachsenen Strukturen Rechenschaft trägt. Zell-Weierbach sei ein beliebtes Wohngebiet und natürlich änderten sich die Bedürfnisse, gerade der älteren Mitbürger. Barrierefreies Wohnen und sozialer Wohnungsbau seien bei der zukünftigen Planung ebenso zu berücksichtigen, wie Prägung des Ortsbilds oder Denkmalsschutz.

Das Grundstück auf dem sich das Gasthaus "Sonne" befindet umfasst 2300 Quadratmeter in zentraler Lage. Da regen sich Befürchtungen, dass ein fehlender Bebauungsplan Investoren, die nur am schnellen Geld interessiert seien, Tür und Tor öffne. Mit den Worten "Niemand denkt daran die Sonne abzureißen", hatte Baubürgermeister Oliver Martini die Sorgen der versammelten Bürgerinnen und Bürger zerstreuen wollen. Von möglichen Nutzungen als Tagespflegeeinheit durch das Paul-Gerhard-Stift oder einem frei zugänglichen Bürgercafé sei nun nicht mehr die Rede, so Joachim Busam, der ehemalige Wirt der Sonne. Heribert Schramm könne sich dort zukünftig durchaus einen sozialen Wohnungsbau vorstellen. Auch hier wäre die Stadt mit der stadteigenen Wohnbaugesellschaft gefragt.

Deutlich wurde eines bei dieser Bürgerversammlung, die hier versammelten Zell-Weierbacher erwarten und fordern mehr Einsatz der Stadt Offenburg und ihren zuständigen Verwaltungsabteilungen, sowohl bei der Entwicklung von ortsverträglichen Bebauungsplänen, als auch bei der zeitnahen Umsetzung eines seitens der Bauverwaltung in Aussicht gestellten Ortsentwicklungskonzept. Zu diesem Thema hatte 2013 eine erste Begehung statt gefunden und im Spätjahr 2015 sollten Ergebnisse vorgestellt werden. "Auf Grund personeller Engpässe" wurde das ganze erste einmal auf Eis gelegt. Der Zeller Ortschaftsrat hat konkrete Vorstellung, wie die Bewohner auch hier einbezogen werden können, was mögliche Gestaltung von Ortsmitte, Ortsrand und Freiflächen betrifft. "Wir werden der Stadt eine Frist setzen, für die Verabschiedung eines Bebauungsplanes", so Schramm. Sein Vorschlag ist der 15. September 2016. Die Bürgerinnen und Bürger seien bereit, sich für ihren Ort stark zu machen und einzubringen.

Autor: Heidi Ast