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20. Februar 2013

Zu Besuch im Basler Versuchslabor für Visionen

Die Interessengemeinschaft Bedingungsloses Grundeinkommen kooperiert mit dem Schweizer Vorkämpfer Daniel Häni.

  1. Sylvia Dorn, Andrea Köhler Luzia Fähnrich, Heike Hügle und Klaus Fähnrich von links nach rechts) Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG. Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre? Eine Frage, mit der sich die Interessengemeinschaft Bedingungsloses Grundeinkommen Ortenau (IG BGO) seit Monaten beschäftigt. Anfang Februar fuhr eine Gruppe von gut einem Dutzend Aktivisten nach Basel, um denjenigen kennen zu lernen, der diese Frage als erster gestellt hatte. Resümee: Es geht nicht nur ums Geld, es geht ums Menschenbild.

Heike Hügle hatte mit Daniel Häni bereits im vergangenen Jahr Kontakt. Die 45-Jährige, die seit Jahren im Wechsel mit Joachim Fischer das etwas andere Kinoprogramm im Forum zusammenstellt, hat in dem Schweizer einen Kooperationspartner gefunden, der den von ihm konzipierten Filmessay "Grundeinkommen – ein Kulturimpuls" kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. In dem Streifen wird dargelegt, wie die Idee Wirklichkeit werden kann. Eingegangen wird auf die verschiedenen Modelle, auf die Finanzierungsmöglichkeiten und die Konsequenzen für die Gesellschaft. Die Filmvorführungen in Offenburg waren ein großer Erfolg.

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Jetzt ging es in die Basler Innenstadt, wo Häni ein prachtvolles Bankhaus in ein Versuchslabor für Visionen verwandelte. Der 46-Jährige hatte das Gebäude 1999 übernommen, das Geld stellte eine Stiftung bereit. Inzwischen befindet sich dort ein riesiges Kaffeehaus ohne Konsumzwang, im Keller steht eine Theaterbühne, überall im Haus haben sich kleine Unternehmen eingenistet, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas machen wollen. Häni ist davon überzeugt: "Ich kann das Grundeinkommen zwar nicht persönlich einführen, aber ich kann versuchen, Momente der Bedingungslosigkeit zu schaffen." Er versteht das Kaffeehaus als einen Raum, in dem Menschen sich aufhalten können, ohne etwas zu müssen – eine Miniatur des Grundeinkommens. Derzeit sammeln Häni und seine Mitstreiter Unterschriften für eine Volksabstimmung über das bedingungslose Grundeinkommen. 70 000 Eidgenossen haben unterzeichnet, 50 000 fehlen noch. Für die Offenburger war die Begegnung mit Häni eine Bereicherung: "Es war eine Anregung zum Querdenken", sagt Andrea Köhler (50). Die Kunsttherapeutin reizt an der ganzen Idee die Unabhängigkeit: "Man ist nicht mehr gezwungen zu arbeiten." Was nicht heißen soll, sich auf die faule Haut zu legen. Im Gegenteil: Das, was man tut, macht man aus freien Stücken und daher um so bereitwilliger. Sylvia Dorn (62) ist Diplom-Meteorologin und gründete vor fünf Jahren eine Forschungsgesellschaft. Im Grunde beziehe sie bereits ein Grundeinkommen, sagt sie lächelnd – von ihrem Mann. Nur so sei es ihr möglich gewesen, die Gesellschaft ins Leben zu rufen. Sie legt besonderen Wert auf ein solides Finanzierungskonzept. Was bedeutet das bedingungslose Grundeinkommen für die Wirtschaft, welche Konsequenzen hätte es, wenn jeder Bürger eine an nichts gekoppelte monatliche Zahlung erhielt, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte? Letztlich müsse über eine alternative Wirtschaftsordnung nachgedacht werden, wie es die "Gemeinwohl-Ökonomie" vorlebe.

Auch Luzia und Klaus Fähndrich gehören zum engeren Kreis der Grundeinkommen-Befürworter. Es gehe gar nicht so sehr darum, das Projekt möglichst rasch umzusetzen. Sondern wichtig sei zunächst, möglichst viele Menschen anzusprechen und zum Nachdenken zu bringen. Es handele sich dabei nicht um eine Ideologie. Der Offenburger Kreis, der sich einmal pro Monat trifft, legt Wert darauf, dass "über jedes Problem ergebnisoffen" gesprochen werden könne. Zweifler gibt es genug. Für Daniel Hägi sind es die "Ja-aber-Sager". Sie hören von einer Idee, die ihnen eigentlich gefällt, der sie aber nicht so recht trauen. Ein erster Schritt ist laut Heike Hügle bereits gemacht, wenn sich alle einmal ganz offen die Frage stellten, was sie tun würden, wenn für ihr Einkommen gesorgt wäre.

Kontakt/Termin: E-Mail IGBGO@gmx.de. Nächster Termin: Dienstag, 16. April, 19.30 Uhr im Gasthaus Brandeck: André Presse stellt seine Thesen von der Finanzierbarkeit des Grundeinkommens dar.

Autor: Gertrude Siefke