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12. März 2009 18:27 Uhr

"Zug der Erinnerung" kommt im März nach Offenburg

Geschätzte 1 Million Kinder und Jugendliche sind während des Zweiten Weltkriegs in deutschem Namen in den Vernichtungslagern im Osten ermordet worden. Daran erinnert der "Zug der Erinnerung", der am 24., 25. und 26. März im Offenburger Bahnhof Station macht.

  1. Der Zug der Erinnerung an erinnert in Offenburg daran, dass die Eisenbahnerstadt ein Drehscheibe für die europäischen Todestransporte nach Auschwitz war Foto: ddp

  2. Fotos und Dokumente ermordeter Kinder ermöglicht über die Betroffenheit ein annäherndes Begreifen des Holocaust. Foto: ddp

OFFENBURG. Das ganz auf Information durch Emotion und Identifikation ausgerichtete Ausstellungskonzept wendet sich besonders an Kinder und Jugendliche. Die Geschichte des bethlehemischen Kindermords hat König Herodes zu einer der am meisten verachteten Gestalten der Bibel werden lassen. Auf die schon 2000 Jahre überdauernde Erinnerung an diese Tat setzt auch der Zug der Erinnerung. Die Ausstellung im Zug legt ihren Schwerpunkt darauf, dass die SS , indem sie ganze Familien von Juden oder Sinti und Roma ermordeten auch schonungslos deren Kinder töteten. Ganze jüdische Internate, Kinder- und Waisenheime wurden deportiert und ihre minderjährigen Insassen planmäßig ermordet.

Es gebe Neonazis, die von der "Modernität des Nationalsozialismus", von Autobahnen und anderen vermeintlichen Segnungen der NS-Zeit schwadronieren, sagt Rüdiger Minow, Vorstandsvorsitzender des Vereins Zug der Erinnerung. Auf dieser Ebene wolle er gar nicht diskutieren. Die Tatsache, dass die Nazis so barbarisch waren, Kinder zu ermorden und der Großteil der Bevölkerung dazu schwieg, erübrige jede Diskussion. "Vielleicht hatten wir deshalb auch bisher keine Angriffe von Rechtsradikalen auf unsere Ausstellung", so Minow. "Die Tatsache dieser Kindermorde treffen den Kern des nationalsozialistischen Rassismus", sagte der Minow gestern bei der Vorstellung des Projekts.

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Der Zug lässt in der Enge des Wageninneren die Situation der Deportation in die Vernichtungslager erahnen. Ausstellungstücke sind historische Fotografien von deportierten Kindern und Jugendlichen, Zettel, auf denen diese auf ihrem Weg in die Vernichtungslager vergebliche Hilferufe aus den Viehwagons nach draußen warfen, Postkartentexte aus den Lagern oder die Dokumente einer ersten Liebe unter zwei Teenagern, die beide im KZ ermordet wurden.

"Die Zahl von 6 Millionen ermordeten Menschen ist nicht zu begreifen." Rüdiger Minow
Dieser hoch emotionale Ansatz soll vor allem, jungen Leuten anhand von Einzelschicksalen helfen, zu begreifen, was geschehen ist. Natürlich sei der Mord an einem Erwachsenen genau so schrecklich, erklärt Rüdiger Minow. Die Zahl von 6 Millionen ermordeten Menschen sei in ihrer Abstraktheit aber weder für Erwachsene, noch für junge Leute zu begreifen. "Anonymität ist hinderlich oder sogar abstoßend bei der Vermittlung dieser Fakten." Und Jürgen Collmann, Vorsitzender der Mitgliedergruppe Offenburger des Historischen Vereins, erklärt das Dilemma, in dem sich auch viele Lehrer befinden, wenn sie die Schrecken des Holocaust vermitteln wollen, mit dem zynischen Wort des staatlichen Massenmörders Josef Stalin: "Ein Toter ist eine Katastrophe, eine Million Tote sind eine Statistik."

44 Schulklassen aus der ganzen Ortenau haben sich bereits zur Besichtigung angemeldet, erklärte der städtische Kulturchef Simon Moser, bei der Projektvorstellung, das seit seinem Start im Jahr 2007 schon über 70 Stationen angefahren hat. Der Zug wird drei Tage im Offenburger Bahnhof auf Gleis 7 stehen.

Die Bahn verlangt dafür eine Gebühr von 12 000 Euro. 6000 Euro übernimmt der Verein Zug der Erinnerung, die andere Hälfte teilen sich: die Stadt Offenburg, der Historische Verein für Mittelbaden, Archiv und Museum Kehl, das evangelische Dekanat Offenburg, das katholische Dekanat Offenburg-Kinzigtal, der DGB-Kreisverband Ortenau, das ökumenische Jugendprojekt Mahnmal, die Bahnhofsmission Offenburg /In Via und die Bürgerstiftung St. Andreas.

Autor: rab