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05. April 2011

Hans Söllner: Zwischen Kifferlyrik und Revolutionspathos

Der bayerische Rastaman Hans Söllner lebt auf der Bühne hemmungslos seinen Freiheitsbegriff.

  1. Hans Söllner in typischer Missionarspose, Bassist Manfred Puchner genießt und schweigt. Foto: Robert Ullmann

OFFENBURG. Entspannte Reggae-Grooves und bissige Texte – das war Hans Söllner am Samstagabend im Reiff Medien Dom. Söllner ist Vegetarier, Pazifist, bekennender Anti-Alkoholiker und Marihuana-Raucher (Edeltraut, ach Edeltraut, du host a sauguats Gras a’baut), und er legt sich in seinen Texten und Bühnenplaudereien immerzu mit dem Staat, der Polizei, dem Betäubungsmittel-Gesetz, dem Militär und generell mit jeder Institution an, die Krieg führt, Umweltzerstörung betreibt oder Persönlichkeitsrechte behindert.

Das kann trotz Söllners immer wieder aufblitzendem lakonisch-bayerischem Sprachwitz und der flockigen Reggae-Untermalung bei einem Zwei-Stunden-Konzert teilweise recht gallig werden. Etwa wenn der Rastaman aus Bad Reichenhall davon singt, dass auf der ganzen Welt Krieg ist, gegen die Natur, auch gegen unsere eigene menschliche Natur, gegen anders Aussehende und anders Denkende sowieso. Oder wenn er als Prediger mit düsteren Metaphern wider unsere Unbelehrbarkeit eifert und erklärt, "dass Babylon brenna muas, weil’s freiwillig nit geht." Oder wenn er erzählt, dass die Gerechtigkeit "a schene Nuttn" ist, "die mit dem Justizminister bummst", während die Freiheit der kleinen Leute mit ihren zwei gesunden Händen zwar betteln geht: "Aba fickn losst sa si net!" Das klingt auch in bayerischem Dialekt schwer nach Revolutionspathos.

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Wo Söllner es ironisch macht, treffen seine Botschaften besser ins Nachdenklichkeitszentrum. Etwa wenn er in "Da Sepp" über die Bayernnatur spricht. Knödeln fress’n, die Frau "fotzn" – das bedeutet, jemandem ins Gesicht schlagen, weil er/sie widerspricht –, und speibm (spucken): "A bissel Kultur muas sein!" Und gleichzeitig befindet: "Im Grunde unseres Herzens sind mir alle Bayern." Oder wenn er skandiert: "He liaber Gott, heit mecht i di amal a bissel loben und preisen und dankschen sogn …" Und zwar für "Arm, Händ, Oasch und ma zwo gsunde Fiaß". Er zählt auf, bedankt sich dafür "dass es koa zwoa Gleiche gibt", und: "Ganz zum Schluss bedank i mi für mi. Jawoll! Für mi bedank i mi bei dia!" Dazu flockt und groovt die Musik, Söllner spielt mit dem Text, scattet die Silben, drängt Textstellen zusammen, wiederholt sie sprudelnd, und trifft genau diesen Punkt zwischen Witzigkeit und "denkt amol drüber nach, ob i ned a bissel recht hob."

Lyrisch werden kann er auch, wenn er über Liebe und Natur singt. Und wo er zur akustischen Gitarre die am Halsbügel klemmende Mundharmonika bedient, mischt er Woody-Guthrie- und Bob-Dylan-Folk in seinen Reggae.

Begleitet wurde er von Manfred Puchner, stoisch den Bass zupfend, und Stephan Hofer, Drums, der mit Füllern und Klangfarben von Steeldrum bis Randklickern dem Abend auch eine musikalisch interessante Seite gab.

Autor: Robert Ullmann