Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

22. Juli 2011

Ohne tägliches Üben klappt es nicht

Ein Streichquartett aus Freiburg hat beim diesjährigen Wettbewerb "Jugend musiziert" abgeräumt .

  1. Eingespieltes Quartett (von links): Caroline Frey, Xenia Geugelin, Shih-Yu Tang, Nine Behrends Foto: m. bamberger

Den Regionalwettbewerb haben sie siegreich gemeistert. Beim Landeswettbewerb gewannen sie, und beim Bundeswettbewerb wurden sie ebenfalls Erste. Damit nicht genug: Caroline Frey, Xenia Geugelin, Shih-Yu Tang und Nina Behrends bekamen als Streichquartett zusätzlich den Sonderpreis der Bundesapothekerkammer verliehen. Dieser beinhaltet eine dreitägige Konzertreise ins italienische Meran im nächsten Jahr.

Fotos für die Reise stehen an: Im schwarzen Kleid und lila Bolero greifen die Mädchen zum Bogen und schrammeln das "presto" von Erwin Schulhoff so, dass man fast auf reißende Saiten wartet. Die erste Geige spielt Caroline Frey nicht nur im Quartett, auch beim Erzählen ist sie häufig Wortführerin. Mit drei Jahren hat sie auf einer Sechzehntelgeige begonnen, dem Vorbild der großen Schwestern nachzueifern. Ihrer Mutter war das zu früh, aber Caroline setzte sich durch. "Ich habe erst mal viel nach Gehör gespielt", das, was die Mutter ihr auf dem Piano vorgab. Dass die Eltern bei der musikalischen Förderung wichtig sind, darin stimmen alle überein. Caroline ergänzt: "Man darf eigentlich keinen Tag nicht üben", zwei Stunden pro Tag seien Minimum.

Werbung


Auch Xenia Geugelin, zweite Geige, findet, dass Disziplin dazugehört. "Man putzt sich schließlich auch die Zähne, wenn man mal keine Lust hat." Zur Vorbereitung auf "Jugend musiziert" sind die vier mit drei verschiedenen Lehrern die Stücke durchgegangen, "und dann haben wir unsere eigene Interpretation gefunden." Von all dieser Arbeit soll der Zuhörer am Ende nichts merken. Jemand sei dann ein guter Musiker, so Xenia, "wenn er das Stück so spielt, dass man denkt, es wäre leicht." Warum sie beim Wettbewerb so erfolgreich waren? "Wir haben uns angelacht auf der Bühne und das kam rüber." Xenia trat beim Wettbewerb noch in einer zweiten Besetzung an. Neue Musik mit Steptanz, gesteppt hat sie.

Im Quartett spielt die 16-jährige Shih-Yu Tang Bratsche. Mit zwölf besuchte die Vietnamesin einen musikalischen Sommerkurs in den USA und lernte so ihre jetzige Klavierprofessorin kennen. Diese bot ihr an, sie in Freiburg weiter zu unterrichten. Mit beiden Instrumenten absolvierte Shih-Yu die Aufnahmeprüfung der Freiburger Akademie zur Begabtenförderung. Wollte sie an der Freiburger Hochschule Musik studieren, müsste sie den Theorieteil der Aufnahmeprüfung nicht mehr ablegen. Den hat sie nämlich schon bestanden. Ob sie begabt sei? Rasch wehrt Shih-Yu ab. Sie erzählt, dass das Experimentieren dazugehört: "Wir haben zum Beispiel einen Tag vor dem Wettbewerb alle die Augen zugemacht und so gespielt." Da höre man ganz anders aufeinander.

Nina Behrends, die Cellistin, zog mit sieben Jahren nach Freiburg, kam so zu ihrer jetzigen Lehrerin. Bei der darf sie die Stücke mitbestimmen. "Ich habe das Gefühl, dass ich motivierter geworden bin." Zuletzt hat sie sich bei Tschaikowskis "pezzo capriccioso" eine Sehnenscheidenentzündung geholt. Davon unbeeindruckt spielt sie mit Verve, die Bandage fliegt kurzerhand in die Ecke. "Es reicht nicht, wenn man ein guter Musiker ist. Man muss auch Spaß daran haben." So war es auch um Mitternacht vor dem Wettbewerb: "Wir wollten eigentlich nur die Instrumente richten", da packte es sie und sie übten das zweite Streichquartett von Borodin – im Dunkeln.

Autor: Miriam Jaeneke