Die Erinnerung an düsterste Zeiten wach halten

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 12. Dezember 2017

Ortenaukreis

Europäisches Kulturerbe-Siegel geht an das ehemalige KZ Natzweiler und seine Außenlager / "Vulkan" in Haslach war eines davon.

ORTENAU/ELSASS (BZ). Das ehemalige KZ Natzweiler im Elsass und seine Außenlager rechts und links des Rheins – eines davon ist "Vulkan" in Haslach im Kinzigtal – erhalten das Europäische Kulturerbe-Siegel. Der Antrag wurde unter französischer Federführung und baden-württembergischer Beteiligung erarbeitet und von einer international besetzten, unabhängigen Jury ausgewählt. Das Siegel wird im März in Bulgarien durch die Europäische Kommission offiziell verliehen.

"Die Auszeichnung der deutsch-französischen Vermittlungsarbeit an den Standorten des ehemaligen Konzentrationslagers ist ein Signal der immensen Bedeutung der Gedenkstättenarbeit für die Völkerverständigung und die Stärkung gemeinsamer Werte in Europa", so Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. "Im Fokus unserer grenzübergreifenden Arbeit steht die Sensibilisierung insbesondere junger Menschen für unser schwieriges nationalsozialistisches Erbe und den europäischen Einigungsprozess." Ihren besonderen Dank richtete die Ministerin an die "vielen ehrenamtlich Engagierten an den Standorten der ehemaligen baden-württembergischen Außenlager". Das Siegel sei Auszeichnung ihres jahrzehntelangen Wirkens.

Der KZ-Komplex Natzweiler mit dem ehemaligen Hauptlager Natzweiler-Struthof im Elsass und über 60 Außenlagern dokumentiert eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Europas. Dort waren im Zweiten Weltkrieg rund 52 000 Menschen aus mehr als 30 europäischen Staaten inhaftiert.

Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel werden Stätten ausgezeichnet, die einen bedeutenden europäischen symbolischen Wert haben und die gemeinsame Geschichte Europas, den Aufbau der EU sowie die europäischen Werte und die Menschenrechte hervorheben. Seit 2007 wurden 29 europäische Stätten ausgezeichnet. Im aktuellen Bewerbungsverfahren hatten sich 25 Stätten beworben.

Die Gedenkstätte Vulkan besteht seit Juli 1998. Sie befindet sich im Urenwald, in Richtung Mühlenbach. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, von September 1944 bis April 1945, befanden sich auf städtischem Gebiet drei nationalsozialistische Lager. 1700 Häftlinge aus 21 Ländern waren in den Lagern eingepfercht und zur Schwerstarbeit in den Bergwerkstollen der Hartsteinwerke Vulkan gezwungen. Dort hinein sollten Produktionsstätten mehrerer Rüstungsfirmen bombensicher verlagert werden. Die Häftlinge litten unter menschenunwürdigen Verhältnissen, wurden drangsaliert, es kam zu Tötungen. Mehr als 200 Häftlinge haben in Haslach ihr Leben gelassen. Hunderte weiterer starben auf den berüchtigten Todesmärschen, in anderen Lagern, wohin sie verschleppt wurden, oder überlebten den Krieg nur um kurze Zeit. Zentraler Punkt der Gedenkstätte ist das Mahnmal des Haslacher Künstlers Frieder Haser. Die Inschrift ist ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog: "Man ist nicht nur verantwortlich für das, was man tut, sondern auch für das, was man geschehen lässt."

Aus Baden-Württemberg gehören dem Verbund der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler an: die Miklos-Klein-Stiftung, ehemaliges KZ Kochendorf, Bad Friedrichshall; Gedenkstättenverein KZ Bisingen; Geschichtswerkstatt Gedenkstätte Echterdingen-Bernhausen, Filderstadt; KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen, Gäufelden-Tailfingen; Initiative Gedenkstätte Vulkan, Haslach; KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg; KZ-Gedenkstätte Mannheim-Sandhofen; KZ-Gedenkstätte Neckarelz, Mosbach; Initiative KZ-Gedenken in Spaichingen; Initiative Gedenkstätte Eckerwald, Schömberg-Schörzingen; Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental, Schwäbisch Hall; KZ-Gedenkstätte Vaihingen/Enz.

Weitere Informationen unter http://vgkn.eu/de/geschichte