Wildtiere

Experte rät zu Gelassenheit gegenüber dem Wolf

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Sa, 16. Dezember 2017 um 17:28 Uhr

Ortenaukreis

Seit mehr als 100 Jahren ist der Wolf zurück im Land. Bernd Nonnenmacher vom Alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach will über die Tiere aufklären. "Bloß keine Hysterie!", rät er.

DNA-Analysen haben zuletzt bestätigt, was seit langem vermutet wird: Der Wolf ist nach weit mehr als 100 Jahren zurück in Baden-Württemberg, in einer Region, in der er einst heimisch war. Ob Politiker, ob Schafherdenbesitzer, ob Touristen oder ganz gewöhnliche Bürger: Die Emotionen könnten extremer kaum sein.

"Die Menschen müssen erst wieder lernen, mit dem Wolf zu leben." Bernd Nonnenmacher
Mehr als 20 Jahre Erfahrungen mit dem Wolf haben die Leute vom Alternativen Wolf- und Bärenpark, der 2010 zwischen Bad Rippoldsau und Schapbach eröffnet wurde. Diese Erfahrungen will man nun, in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Kur- und Fremdenverkehr, in einem öffentlichen Info-Abend mitteilen – auf dass sich die Emotionen legen. Die Experten der Stiftung für Bären, Träger des Parks, laden auf kommenden Montag, 18. Dezember, 19 Uhr, in den Seminarraum ein. Der Eintritt ist frei.

"Die Menschen müssen erst wieder lernen, mit dem Wolf zu leben", sagt Bernd Nonnenmacher, seit drei Jahren Parkleiter, "die einzig wirkliche Gefahr geht von der Unwissenheit der Menschen aus." Aufklärungsarbeit sei somit höchst wichtig für ein konfliktarmes Miteinander mit dem wilden Vierbeiner. In anderen Regionen in Deutschland sei der Wolf schon früher gesichtet worden, sogar schon in den 50er Jahren. Regionale Aufmerksamkeit erregte dann im Juni 2015 die Meldung, dass an der Autobahn A 5 bei Lahr ein toter Wolfsrüde gefunden wurde, ein weiterer ein paar Monate später an der A 8 bei Merklingen. Genetische Untersuchungen hatten ergeben, dass die beiden Tiere Brüder waren und im Schweizer Kanton Graubünden geboren wurden. Ein weiterer Wolf wurde im Mai 2016 auf der Baar gesehen, vor wenigen Monaten wurde ein toter Wolf aus dem Schluchsee geborgen – erschossen. Ende November hat ein Wolf bei Bad-Wildbad drei Schafe "gerissen", bei drei weiteren war dies bereits Anfang Oktober der Fall.

Der Wolf ist keine mordende Bestie, aber auch kein Kuscheltier

Bernd Nonnenmacher kennt all diese Fälle – und er mahnt zu Besonnenheit: "Hysterie ist der Sache nicht dienlich. Hysterie und Angst sind keine guten Ratgeber." Er könne verstehen, wenn gerade Schaf- oder Rindertierhalter verunsichert sind: "Für einen Halter ist der Verlust eines Tieres immer eine Katastrophe." Doch der Wolf sei "keine mordende Bestie", wenn auch, umgekehrt, "kein Kuscheltier". Wer ihm als Wanderer zufällig begegnet, "sollte ruhig bleiben, ihm selbstbewusst gegenübertreten, sich groß machen und in die Hände klatschen – und auf keinen Fall vor Angst weglaufen". Der Mensch gehöre ohnehin nicht zum eigentlichen Beuteschema des Wolfes, eher Kaninchen, Mäuse, Hunde, Katzen, Wildschweine – oder eben auch Schafe.

Die Politik, fordert Nonnenmacher, dürfe den Umstand nicht ignorieren, dass der Wolf jetzt eben wieder ins Ländle zurückgekommen sei. Doch leider gebe es bundesweit keine einheitliche Regelung, wie mit Wolfsschäden, etwa gerissenen Lämmern, umzugehen sei: "Es ist nichts geklärt, wer wann wo wie Entschädigung bekommt." Nonnenmacher forderte einen stimmigen "Managementplan". Dann wäre auch geklärt, wie Schafherdenbesitzer sich gegen wölfische Übergriffe schützen können – vom Elektrozaun bis zum Einsatz von Eseln oder Lamas als "Aufpasser" – und wie sie im Bedarfsfall entschädigt werden können.

Der Alternative Wolfs- und Bärenpark wurde 2010 nach fünfjähriger Vorbereitung eröffnet. Er versteht sich als Tierschutzprojekt, um vor allem älteren Tieren (wieder) ein gutes Zuhause zu bieten. Derzeit sind dort neun Braunbären, zwei Luchse und sieben Wölfe untergebracht, die zuvor ein weniger artgerechtes Domizil hatten. Waren mehrere Wölfe etwa in einem Freizeitpark auf zu engem Raum untergebracht, so stammen drei Bärenwelpen aus Albanien, wo sie am Strand deutschen Touristen als Motive für Selfie-Fotos zur Verfügung standen. Die älteste Bärin, Jurka, ist die Mutter des 2006 in Bayern erschossenen "Problembären Bruno".

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