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24. Juni 2009
Raupen attackieren die Felder
Bei Kehl und Offenburg teils Kahlfraß / Maisfeld umgepflügt / Warnung an Kleingärtner vor zweiter Generation
ORTENAU (obe). Die Landwirte schlagen Alarm, auf den Feldern ist die gefräßige Raupe der Gamma-Eule eingefallen und hat erhebliche Schäden speziell an Tabak- und Maispflanzungen angerichtet. Die Nachtfalter seien schon im Mai durch ungünstige Winde aus Nordafrika in Schwärmen eingewandert, berichtet der Pflanzenschutzberater des Kreises, Hubertus Gernoth. Den Landwirten drohen enorme Ernteeinbußen. Ein Maisfeld bei Kehl-Auenheim sei dermaßen kahl gefressen, dass es nun untergepflügt wurde. Ein Neubaugebiet in Auenheim leide besonders unter der Plage.
Den Beginn der Falter-Invasion datiert Gernoth schon auf Anfang Mai – als günstige Windströmungen in höheren Luftschichten diesen die Reise bis in die Rheinebene ermöglichten. Dass nun Mais- und Tabakfelder heimgesucht werden, habe nichts mit dem bevorzugten Speiseplan der geschlüpften Raupen des Falters zu tun. "Ursprünglich hatte er die Eier an Unkräutern in den Feldern abgelegt, die zu der Zeit noch nicht bekämpft waren." Als das Kraut weg war, machten die Raupenmassen aus der Not eine Tugend und fraßen eben die Kulturpflanzen kurz und klein.Werbung
"Die sind nicht wählerisch", betont der
Pflanzenschutzberater. Vom Haselnuss- bis zum stachligen Waldbrombeerstrauch werde alles gefressen. Im wahren Sinne mit bis zu 2,5 Zentimetern Länge eine Raupe Nimmersatt. Der Falter Gamma-Eule ist in Deutschland kein Unbekannter. Die Masse des Zuflugs aus dem Süden macht ihn in diesem Jahr zum Problem. Mit der Klimaerwärmung hat dies nichts zu tun, betont Gernoth. "Wir hatten Anfang der 90er Jahre einmal einen ähnlichen Einflug", sagt er. Der dämmerungsaktive Falter ist bis zu vier Zentimeter groß und graubraun.
Die Raupe leistet ganze Arbeit. "Inzwischen haben wir auch Schadensmeldungen aus dem Raum Offenburg", so Gernoth. Etwa bei Bohlsbach. Der Schwerpunkt liege aber direkt in der Rheinebene. Von Weißweil im Süden bis nach Greffern. Größeren Schaden richten die Raupen naturgemäß direkt am Einflugort und drumherum an. Mobil sind sie schließlich nur sehr eingeschränkt. Der aktuelle Stand: In etwa acht Tagen werden sich die gefräßigen Raupen verpuppen, zehn Tage später schält sich der fertige Falter heraus. Der ist ungefährlich, doch die Gefahr damit nicht gebannt. "Der flugfähige Falter wird wohl auch noch die nächste Generation bei uns ablegen", so der Pflanzenschutzexperte.
Ende Juli werde es wohl schon soweit sein. Wie dann die Schäden ausfallen, ist schwer abzuschätzen. Auf jeden Fall könnten sie weiter gestreut sein. Gernoth warnt die Gartenbesitzer und rät, die Augen im Juli offen zu halten. Schon jetzt wurden auch Fraßschäden an Johannisbeerkulturen gemeldet.
Dort laufe die Ernte, gespritzt werden kann daher nicht mehr. Ansonsten gehen die Bauern in Angst um ihre Ernten jedoch inzwischen mit Feldspritzen gegen die grüne Raupe vor. Dem Privatmann empfiehlt der Experte, sich vorm Einsatz irgendwelcher Mittel zu informieren. "Es gibt auf jeden Fall Spritzmittel, die gegen
die Schmetterlingsraupe wirksam sind", betont er und hofft, dass nach dem kommenden Winter der Spuk wieder vorbei sein wird.
Autor: obe


