Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. März 2017

Sauberer Strom für 9000 Haushalte

Auf dem Areal "Rauhkasten/Steinfirst" entsteht ein interkommunaler Windenergiepark / Am Wochenende war Tag der offenen Tür.

  1. Kommunalpolitiker und Bürger besichtigten die Baustelle. Foto: sieberts

ORTENAU. Im Bergwald-Dreieck zwischen Gengenbach, Biberach, Friesenheim und Lahr bauen die Stadtwerke Gengenbach einen interkommunalen Windenergiepark mit vier Anlagen, der Ende Juni ans Netz gehen soll. Beteiligt beim Windpark Rauhkasten/Steinfirst sind die Gemeinden Gengenbach, Friesenheim und Hohberg. Betroffen sind weit mehr Gemeinden. Am Sonntag war die Bevölkerung aller umliegenden Gemeinden eingeladen, sich vor Ort über den Stand der Arbeiten zu informieren. Am Freitag hatten dies bereits die Kommunalpolitiker getan.

Während die Bürger nicht beteiligter Gemeinden das finanzielle Nachsehen haben und sich ohne Mitspracherecht bei solchen Projekten allein um den gestörten Blick auf die Landschaft und die Beeinträchtigung durch Schall Sorgen machen können, loben die Macher ihr Projekt. So auch beim Vor-Ort-Termin am Freitagnachmittag auf dem Steinfirst oberhalb des Lahrer Ortsteils Reichenbach.

Gengenbachs Bürgermeister Thorsten Erny zeigte sich zufrieden mit dem interkommunalen Projekt, das er vor fünf Jahren zusammen mit seinen Kollegen aus Friesenheim (damals mit Bürgermeister Armin Roesner) und Hohberg (Klaus Jehle) angestoßen hat. "Da die Gemarkungsgrenzen oft auf den Höhenrücken enden, kommen bei solchen Projekten immer mehrere Gemeinden zusammen", sagte Erny. Mithilfe des Ersten Landesbeamten am Landratsamt, Nikolas Stoermer, habe man den Windpark ins Leben gerufen und mit der Firma Enercon aus Aurich nicht den Meistbietenden für die Pacht beauftragt, sondern, wie Erny sagte, "einen verlässlichen Partner, der auf Lebensdauer mit im Boot ist". Die gesamten Baukosten liegen in Enercon-Hand. Bald sollen sich die Bürger mit bis zu 50 Prozent am Windpark beteiligen können. Erny: "Ziel ist es, zwei von vier Anlagen in Bürgerbeteiligung zu betreiben." Er dankte allen beteiligten Gemeinderäten: "In mehr als 30 Sitzungen haben wir es geschafft, Einigkeit über das Vorhaben herzustellen."

Werbung


Angestrebt werde ein Zins von 2,5 Prozent bei einer Beteiligung von 1000 bis 10 000 Euro. In der ersten Runde sollen Bürger aus Gengenbach, Hohberg, Friesenheim, Ohlsbach und Berghaupten Vorrang haben.

Die vier Windanlagen bringen eine Leistung von je drei Megawatt, womit rund 9000 Haushalte im Jahr mit Strom versorgt werden können. Gewährleistet werde diese Leistung durch die enorme Höhe von 209 Meter bis zur Rotorspitze, sagten die Techniker beim Rundgang. Die untere Spitze ende bei 90 Metern, eine Höhe, die stabile Winde der sogenannten Ekman-Schicht gewährleisteten, während die darunter liegende Luftschicht von Verwirbelungen durch die Oberfläche beeinträchtigt sei – Ursache für geringere Energieausbeute bei älteren und niedrigeren Windanlagen, sagte Rolf Pfeifer vom Projektentwickler Endura Kommunal. Der Windenergiepark Rauhkasten/Steinfirst sei für 30 Jahre zertifiziert. Die Genehmigung laufe 20 Jahre lang. Ein Rückbau gehe zu Lasten des Betreibers, für eine eventuelle Insolvenz seien Rücklagen erfolgt. Die Türme würden Windgeschwindigkeiten von bis zu 55 Metern pro Sekunde, etwa 190 km/h, Stand halten. "Das wäre Sturmstärke Lothar", sagte ein Teilnehmer. Dann würden die Windräder aber nicht umknicken, sondern sich aus dem Wind drehen und abschalten, so Rolf Pfeifer.

Mit abgeknickten Flügeln, wie jüngst aus Norddeutschland berichtet, sei nicht zu rechnen. "Hier wird anderes Material verwendet und stabiler gebaut", sagte Pfeifer. Auch die Lautstärke, wie sie im Bürgerwindpark Südliche Ortenau beklagt werde und zur Nachtabschaltung dreier Anlagen geführt habe, sei hier nicht zu erwarten. Grund sei ein Ringgenerator, der die Drehbewegung in Elektrizität umwandelt. Pfeifer: "Enercon-Anlagen besitzen keine Getriebe, was einen geräuscharmen Betrieb und geringe Reparaturanfälligkeit gewährleistet."

Die Baustelle sei im Zeitplan, so Pfeifer, weil mit zwei Teams, jeweils auf dem Steinfirst und auf dem Rauhkasten, gearbeitet werde. In dieser Woche, vom 20. bis 23. März, werden die Rotorblätter über die Reben bei Oberschopfheim und den Waldrand bei Diersburg geliefert.

Windkraftanlage

Daten des Windenergieparks Rauhkasten/Steinfirst:
» Vier Windenergieanlagen Typ E-115
» Leistung 3 MW
» 149 Meter Nabenhöhe, 209 Meter Rotorspitze
» Durchschnittliche Stromproduktion: 28.400.00 kWh pro Jahr
» Versorgte Haushalte: rund 9000
» Kosten: 22 Millionen Euro
» Inbetriebnahme: bis zum 30. Juni 2017  

Autor: eri

Autor: Eri Sieberts