Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Oktober 2017

"Wir hatten ein gutes Honigjahr"

Badischer Imkerverband zieht für 2017 eine positive Bilanz.

  1. Eine Biene sammelt Pollen auf einer Blüte. Foto: dpa

ORTENAU. Bei den Ortenauer Obstbauern lief 2017 bisher nicht optimal – die Imker hingegen sind zufrieden: "Wir hatten ein gutes Honigjahr", zieht Klaus Schmieder, Präsident des Badischen Imkerverbands, eine positive Bilanz. Aktuell kümmern sich in der Ortenau 1550 Imker um rund 22 000 Bienenvölker, Tendenz steigend. In der Region sei die Bienendichte europaweit am höchsten.

Grund dafür sind vor allem das warme Klima, die klein strukturierte Landwirtschaft, die Rheinauen oder der Bergmischwald. Damit punktet das Badische, so dass viele Imker sogar von außerhalb kommen, um ihre Tiere hier überwintern zu lassen, sagt Schmieder. Trotzdem sei die Situation lange nicht mehr so gut wie noch vor 20 Jahren – und das Bienensterben nach wie vor ein Thema. Der schleichende Wandel in der Landwirtschaft hin zu großen Monokulturen wie Raps oder Mais und die damit schwindende Biodiversität mache den Tieren zu schaffen. "Das betrifft aber auch den Schmetterling oder die Hummel", so Schmieder.

Zwar sind Rapsfelder ein Nahrungsparadies für Bienen, aber nur während der rund acht Wochen dauernden Blütezeit. Wichtig seien für die badischen Imker deshalb Projekte wie der "Blühender Naturpark", an dem sich rund 30 Gemeinden, Kreise und Unternehmen beteiligen und durch das Aussäen heimischer Saatmischungen viele Flächen in den Ortschaften blumenbunter machen. "Die Kooperation hat sich gut entwickelt", stellt der Präsident fest. Der Verband arbeite auch mit Biogasbetrieben zusammen, um zumindest auf einen Teil der Maisanbau-flächen die Blühpflanze "Durchwachsene Silphie" zu bringen. Denn die eigne sich zur Biogasproduktion und sei gleichzeitig für Bienen und andere Insekten interessant. "Drei bis fünf Prozent Umwandlung wäre ein guter Schnitt", so Schmieder.

Werbung


Generell ist das strikte Einhalten der Bienenschutzverordnung nötig, dazu sei der Verband im ständigen Gespräch mit Vereinen und Initiativen. Weiter hoffen die Imker, dass Insektenvernichtungsmittel aus der Gruppe der so genannten "Neonicotinoide" verboten bleiben. Über die Gefährlichkeit dieser Mittel für Bienen und Hummeln wird zwar seit Jahren gestritten, zwei aktuelle Studien untermauern diese These jedoch erneut. Auch Klaus Schmieder macht unter anderem deren Einsatz für das Bienensterben im Jahr 2008 verantwortlich, als es im Rheintal rund 10 000 Völker dahinraffte.

"Ohne Pflanzenschutz geht es nicht"

"Es sind überall Kompromisse gefordert. Aber natürlich geht es in der Landwirtschaft nicht ohne Pflanzenschutz. Das wissen wir", stellt Schmieder fest. Der Einsatz sollte allerdings auf das unbedingt notwendige Maß zurückgeschraubt werden. Von den rund 540 Wildbienen-Arten in Deutschland sei immerhin rund die Hälfte bedroht. Sie nachzuzüchten sei nahezu unmöglich, von alleine erholen sie sich nur langsam.

Auch wenn bei weitem nicht alles optimal ist, gehe es der Ortenauer Biene zurzeit gut – die Völker sind gegen Milben behandelt und befinden sich nun in ihren Winterquartieren. Mit rund 15 bis 20 Kilogramm Honig pro Volk sei die Ausbeute 2017 gut gewesen. Insgesamt erfreue sich das Imkern hierzulande wachsender Beliebtheit: Die Mitgliederzahlen in der Region sowie im Landesverband steigen jährlich um rund fünf Prozent, rechnet Schmieder vor. Gleichzeitig nehme die Anzahl der Bienenvölker um zwei bis drei Prozent im Jahr zu. Das "Honigmachen" ist aber für mehr als 90 Prozent nur Hobby. Im ganzen Ortenaukreis gibt es laut Verband nur vier Berufsimker.

Autor: Christine Storck