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26. April 2014

Die Strahlenvögel von Tschernobyl

Einige Arten profitieren einer Studie zufolge von der Radioaktivität / Sie sind größer und haben weniger DNA-Schäden.

  1. Besonders propper durch Strahlung? Meise bei der Fütterung Foto: dpa

PARIS (dpa). Radioaktiv verstrahlt ist die Umgebung von Tschernobyl auch 28 Jahre nach der Reaktorkatastrophe noch. Dennoch sind viele Tiere in die Region zurückgekehrt. Einige Vogelarten profitieren offenbar sogar von erhöhten Strahlenwerten, berichten Forscher im Fachjournal "Functional Ecology". Sie seien größer und hätten weniger DNA-Schäden als ihre Artgenossen in weniger belasteten Gebieten.

Radioaktive Strahlung ist gefährlich, weil sie die Moleküle im Körper von Menschen, Tieren und Pflanzen verändern kann und hochreaktive Moleküle entstehen lässt. Auch das Erbgut ist betroffen – mit Krebs als möglicher Folge. Auch unter normalen Bedingungen entstehen solche hochreaktiven Moleküle – allerdings in geringerer Menge, so dass sie der Körper mit sogenannten Antioxidantien eher unter Kontrolle halten kann.

Die Forscher um Ismael Galván von der Universität Paris-Süd untersuchten nun mehr als 150 Vögel innerhalb und nahe der Sperrzone um den ehemaligen Atommeiler im Norden der Ukraine. Erfasst wurden Tiere 16 verschiedener Arten wie Amsel, Rauchschwalbe und Kohlmeise, von denen Blut-, Sperma- und Federproben genommen wurden.

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Vögel, die an Orten mit höherer Strahlenbelastung gefangen wurden, kamen bei den Analysen im Durchschnitt auf bessere Ergebnisse. Sie hatten eine besonders hohe Konzentration des Antioxidans Glutathion im Blut, das negative Effekte der Strahlung ausgleichen kann. Der Stoff kann bestimmte hochreaktive Moleküle entschärfen. Außerdem wiesen die Tiere – im Mittel aller Arten – weniger DNA-Schäden auf und waren größer. "Diese Ergebnisse geben uns einen Einblick, welche unterschiedlichen Möglichkeiten verschiedene Spezies haben, um sich Herausforderungen wie Tschernobyl oder Fukushima zu stellen", wird Galván in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass sich zumindest manche Wildtiere an eine erhöhte Strahlenbelastung anpassen können, schreiben die Forscher. Möglicherweise vererbten die Vögel ihren angepassten Stoffwechsel sogar ihrem Nachwuchs.

Im April 1986 war Reaktorblock vier des Kernkraftwerks explodiert, Tausende Tonnen radioaktiven Materials wurden in die Umgebung geschleudert. Viele Experten gingen davon aus, dass die Gegend um Tschernobyl auf lange Zeit eine tote Region bleiben würde. Studien zeigten in den vergangenen Jahren unterschiedliche Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, oft gehörten Strahlenschäden und erhöhte Mutationsraten dazu.

HINTERGRUND

Belastung in Deutschland

Einige heimische Pilze und Wildschweine sind auch fast 30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl noch hoch radioaktiv belastet. Am schlimmsten vom Fallout betroffen war Bayern. Dort gingen wegen heftiger Regenfälle besonders viele radioaktive Partikel nieder. Bei Wildschweinen aus der Region Cham wurden laut dem Landesamt für Umwelt in Augsburg immer noch Spitzenwerte von gut 9800 Becquerel pro Kilogramm für radioaktives Cäsium 137 gemessen. Das Fleisch muss als Sondermüll entsorgt werden. Bei Pilzen gab es einen Spitzenwert von 6900 Becquerel beim Weißen Rasling in der Gegend um Garmisch-Partenkirchen. Der nach dem Unfall festgesetzte Grenzwert liegt bei 600 Becquerel allgemein und 370 pro Kilogramm für Milchprodukte und Babynahrung. Maronenröhrlinge und Semmelstoppelpilze könnten das Cäsium besonders gut aufnehmen, warnte das Umweltinstitut München – die solle man besser stehen lassen.  

Autor: dpa

Autor: dpa