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23. April 2012

Afrika

Elefantenpopulation wächst stark: Erwünschte Jagd

Im südlichen Afrika wachsen die Elefantenpopulationen so stark, dass die Umwelt gefährdet ist.

  1. Hat enormen Hunger und Durst: Elefant im südlichen Afrika Foto: DPA

JOHHANESBURG. In Spanien mag man darüber entsetzt sein, dass König Juan Carlos im südafrikanischen Botsuana auf Elefantenjagd ging. Dort aber ist man höchstens darüber enttäuscht, dass der Monarch schließlich doch keinen Dickhäuter schoss. Zum einen fehlt dem Staat nun die bis zu 60 000 Dollar hohe Trophäen-Steuer. Zum anderen müsste die Zahl der Dickhäuter eigentlich dezimiert werden. Denn ihr Heißhunger droht Teile des südlichen Afrikas in eine Ödnis zu verwandeln.

Das botsuanische Okavango-Delta sowie der daran angrenzende Moremi- und Chobe-Tierpark sind die am dichtesten besiedelten Elefantengebiete der Welt. Hier lebt mit 150 000 Tieren ein Viertel aller Dickhäuter des Kontinents. In manchen Gebieten kommen 50 Exemplare auf einen Quadratkilometer – angesichts des unstillbaren Hungers und Durstes des größten Landsäugers der Welt wird dessen Umwelt dadurch vor unlösbare Probleme gestellt: Ein Elefant verspeist bis zu 200 Kilogramm Grünzeug pro Tag und säuft täglich mindestens 200 Liter Wasser. Selbst die dicksten Elefantenfreunde warnen davor, dass sich der Erfolg beim Schutz der Tiere in ein Desaster zu verwandeln droht: "Wenn wir nichts gegen die Überbevölkerung tun, wird sie katastrophale Konsequenzen haben", sagt Mike Chase von der Organisation Elefanten ohne Grenzen.

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Ganze Elefantenfamilien zu töten, wie es die Verantwortlichen der Nationalparks im südafrikanischen Apartheidstaat einst taten, kommt als Lösung heute nicht mehr in Frage. Ein internationaler Aufschrei und Tourismusboykotte des von Besuchern abhängigen Subkontinents wären die Folge. Bessere und vor allem akzeptablere Erfolge versprechen sich die Naturschützer davon, die Zäune der Parks zu entfernen und die Staatsgrenzen zu öffnen – damit die Elefanten wie einst wieder über Hunderte von Kilometern wandern können.

Im Fünfländereck zwischen Botsuana, Namibia, Sambia, Angola und Simbabwe entsteht derzeit mit dem Kaza-Park das – nach Grönland – größte Naturschutzgebiet der Welt. Die Einrichtung wird unter anderem unterstützt von deutschen Geldern der KfW-Entwicklungsbank und der deutschen Sektion des World Wide Fund for Nature (WWF). Sie soll mit 350 000 Quadratkilometern fast so groß wie Deutschland werden. Auf dem Territorium werden sich bald 230 000 Elefanten tummeln, weit mehr als ein Drittel aller Dickhäuter des Kontinents. Dann wird die Elefantendichte allerdings nicht einmal mehr ein Exemplar pro Quadratkilometer betragen: 50 Mal weniger als im Jagdgebiet des spanischen Königs.

Die Entfernung der Zäune bringt allerdings auch neue Probleme mit sich. Die im gesamten Kaza-Gebiet lebenden rund 1,2 Millionen Menschen müssen mit den Dickhäutern einen irgendwie gearteten Frieden finden: ein Unterfangen, das nicht ohne Gefahren ist. Patrouillen müssen die Elefanten mit Tröten, Trommeln und sogar Chili-Bomben in Schach halten, damit sie weder in die Dörfer noch auf die Felder gelangen – und zwar täglich 24 Stunden lang und sieben Tage die Woche. Das macht kein Mensch freiwillig und ohne finanziellen Anreiz.

In Namibia wird daher schon seit Jahren das Konzept der Gemeindeschutzgebiete ausprobiert. Dahinter verbergen sich lokale Initiativen, die für den Schutz der Bevölkerung und der Elefanten verantwortlich sind. Für ihre Bemühungen werden sie mit einem Anteil an den Lizenzabgaben von Hotels oder der Großwildjagd vergütet. Letztere ist allerdings nur in bestimmten Teilen der Schutzgebiete erlaubt und wird streng kontrolliert. Dieses Konzept beruht auf dem Grundsatz, dass es den Dorfbewohnern mehr nützt, wenn sie einen Umgang mit den Dickhäutern finden, statt sie zu wildern. Es funktioniert allerdings nur, wenn tatsächlich Einnahmen aus der Jagd fließen.

Jedenfalls können die Elefantenjäger im südlichen Afrika eines für sich in Anspruch nehmen: dass sie mit ihrer Jagd "einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten", wie der simbabwische Ökologe und Elefantenfreund Russell Taylor sagt. Namibias Tourismusministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah hat jedenfalls kein Verständnis für selbsternannte Tierfreunde, die aus grundsätzlichen Gründen gegen die Jagd im südlichen Afrika mobilmachen. "Ich wünschte, diese Leute kämen mal hierher und schauten sich die Situation mit eigenen Augen an", sagt die Ministerin: "Ich bin mir sicher, dann hätten wir zumindest ein Problem weniger." Zumindest im südlichen Afrika braucht sich König Juan Carlos für seinen Jagddrang also nicht entschuldigen – höchstens dafür, dass er den eigentlichen Zweck der Reise wegen seines Sturzes schließlich doch verpasste.

Autor: Johannes Dieterich