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31. August 2016

Helgoland

Hummerprogramm soll Meerestiere retten

Die Bestände sind drastisch zurückgegangen / Wissenschaftler züchten die Meerestiere, um sie später auszusetzen.

  1. Forscherin Isabel Schmalenbach präsentiert ein eiertragendes Hummerweibchen. Foto: DPA

  2. Die Nordseeinsel Helgoland Foto: DPA

HELGOLAND. Ein seit Jahren laufendes Hummerprogramm könnte die Rettung für das Helgoländer Wappentier sein. Doch noch fehlt es an Geld. Die Offshore-Windparks in der Nordsee sollen die Lösung bringen.

Sie heißen Campino, Klärchen, Plüsch und Plum. 338 einjährige Hummer haben Wissenschaftler auf Helgoland aufgezogen, jetzt werden sie in die Freiheit entlassen. Mehr als 100 Hummerpaten, die meisten hatten ihren Schützlingen Namen gegeben, sind dabei, als für die wenige Zentimeter großen Tiere der Ernst des Lebens beginnt. Ziel ist es, die Hummertradition wiederzubeleben und die Population des Helgoländer Wappentieres zu stabilisieren.

1937 verzeichnet die Statistik 80 000 vor Helgoland gefangene Hummer. Eigentlich sind die Lebensbedingungen für diese Tiere im Felssockel von Deutschlands einziger Hochseeinsel ideal. Doch dann baute das Deutsche Reich Kriegshäfen, Lebensräume der Hummer gingen verloren. Dazu kamen Überfischung, schlechter werdende Wasserqualität sowie Bombardierungen und Sprengungen nach dem Zweiten Weltkrieg, wie Projektleiterin Isabel Schmalenbach von der Biologischen Anstalt Helgoland (BAH) schildert, die zum Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven gehört.

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Die Hummerbestände vor der Nordseeinsel gingen dramatisch zurück, heute werden nur noch wenige Hundert pro Jahr gefangen. Unter dem Dach des AWI erforschen Wissenschaftler seit 20 Jahren, wie die Bestände vergrößert werden könnten. Denn aus eigener Kraft schaffen es die Hummer nicht, dazu sind es zu wenige. In der Aufzuchthalle des AWI auf Helgoland stehen lange Reihen mit Wasserbottichen. Es ist schwül, überall blubbert es. In den dunklen Ecken der Becken verstecken sich weibliche Hummer. Sie tragen befruchtete Eier unter ihrem Panzerschwanz, bis zu 17 000, wie Schmalenbach erklärt, nachdem sie das Tier aus dem Wasser gehoben hat. "In freier Wildbahn überlebt davon etwa ein Promille."

Über 12 000 markierte Jungtiere haben die Wissenschaftler seit 1999 ausgesetzt. "Nötig wären aber 250 000 über fünf Jahre verteilt", sagt Schmalenbach. Doch dafür wäre mehr Geld notwendig. Seit Jahren sucht das AWI Sponsoren .

Jetzt laufe ein Projekt, das die Chance für eine Ausgliederung der Hummerprojekte untersucht, sagt der geschäftliche Leiter Roland Krone. "Dazu soll im Frühjahr 2017 der Verein Hummerstation Helgoland gegründet werden." Der soll Spenden, Paten- und Forschungsfördergelder einwerben. Statt 300 sollen 3000 einjährige Hummer ausgesetzt werden. Außerdem sollen ganz kleine Hummer, die gerade erst ihre vierte Häutung hinter sich haben, in großer Zahl ausgesetzt werden. Und wer soll das alles bezahlen?

Richtungsweisend könnte ein anderes Projekt der Hummerstation sein. Jungtiere wurden zwischen 2013 und 2015 an den mit Natursteinen geschützten Sockeln der Windräder im Offshore-Windpark Riffgat vor Borkum angesiedelt. Finanziert wurde das Projekt vom Land Niedersachsen, das Geld kam allerdings aus Zahlungen der Windparkbetreiber als Ausgleich für Eingriffe in die Natur. "Wir stellen uns vor, dass die Hummerprojekte auf Helgoland als Ausgleichsmaßnahmen für Offshore-Windparks anerkannt werden", sagt Krone. So könnten höhere Mengen bei der Nachzucht erreicht werden, um der Hummerpopulation einen Schub zu geben. "Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, viele Verhandlungen laufen noch." Und wenn die Pläne platzen? Daran wollen weder Krone noch Schmalenbach denken. "Wenn alle Konzepte fehlschlagen, könnte das Ende des Hummerprogramms hier bedeuten."

2700 Patenschaften wurden seit 2007 vergeben. Die Hummerpaten, die jeweils 25 Euro gezahlt haben, sind begeistert, auf Helgoland nachsehen zu können, wo ihr Geld geblieben ist. "Großartig", findet Patin Susanne Rathgeber die Aktion, "auch weil ich mich der Insel so verbunden fühle".

Autor: Matthias Benirschke (dpa)