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27. April 2012 00:03 Uhr

Mode

Kurse lehren elegantes Gehen auf High Heels

Sicherheit und Eleganz auf hohen Absätzen – das ist erlernbar. In Kursen üben Frauen weltweit den Gang auf Stilettos, von Berlin und München bis London und New York.

  1. Schickes Stöckeln will gelernt sein. Zumal auf High Heels, deren Absätze mindestens 10 Zentimeter lang sein müssen. Foto: fotolia.com/picsfive

Graziös schwebt sie heran, groß, aufrecht und elegant. Der Schuh macht’s möglich: High Heels können aus der tapsenden Normalfrau eine stolze Königin zaubern – so sie darauf laufen kann . Sicherheit und Eleganz auf hohen Absätzen ist aber erlernbar. In Kursen üben Frauen weltweit den Gang auf Stilettos.

"Was elegant aussieht, ist auch gesund", behauptet die Münchner High-Heel-Lehrerin Edeltraud Breitenberger. Sie wendet sich an Frauen, "die ihre Weiblichkeit unterstreichen, sich beim Gehen auf höheren Absätzen im Körper zu Hause fühlen und körperliche Schäden vermeiden möchten". Auch Männer lernen bei ihr laufen: Während sich Transvestiten auf High Heels schulen lassen, wollen andere Männer einfach eleganter werden.

Eine kleine Pumps-Kunde zuerst: Der Ansatz des Absatzes sollte leicht geschwungen sein, so dass der Stöckel direkt unter der Mitte der Ferse steht. Ist der Absatz zu weit hinten, ist ein Abrollen fast unmöglich – schlecht für die Haltung. Ab zehn Zentimetern, gemessen in der Mitte des Absatzes, beginnt laut Definition der High Heel. Schummeln mit Plateausohlen gilt nicht: Das Plateau wird abgezogen. Ab 14 Zentimetern gilt ein Schuh als beliebtes Objekt von Fetischisten. "Deswegen haben alle Schuhe, die man in normalen Schuhläden kaufen kann, höchstens 13,5 Zentimeter", erklärt Breitenberger.

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Aber Vorsicht vor zu hohen Stöckeln: "Es gibt für mich keine Frau, die dauerhaft auf mehr als zehn Zentimetern gehen sollte", sagt die Expertin. "Du brauchst nicht die Höhe, um elegant zu werden." Und als Faustregel gilt: Je kleiner der Fuß, desto kleiner sollte der Absatz sein.

Also Rücken gerade, Brust raus, Kinn leicht gesenkt, die Fesseln elegant eng beisammen – so sieht der Gang bei den Profis aus. "Ihr seid Königinnen", ruft die Bewegungstherapeutin ihren Schülerinnen zu, die die ersten Schritte wagen. "Die Brust betritt zuerst den Raum", fordert sie. Denn schließlich gehe es auch darum, die Weiblichkeit zu unterstreichen. "Das zu zeigen, gibt Stolz."

Der große Zeh ist der

Boss der High Heels

Edeltraud Breitenberger
Doch davor müssen die Teilnehmerinnen ganz unten anfangen, bei den Füßen: Der Kurs beginnt mit Fußmassage und Zehentraining. "Der große Zeh ist der Boss der High Heels", erklärt Breitenberger, die auch Tango-Tänzerinnen berät. Ist er stark, hält er das Gleichgewicht.

Studentin Carmina Gerz ist schon geübte High-Heel-Läuferin. "Mich hat hier nicht der Aspekt interessiert, dass ich darauf gehen kann, sondern dass es nicht schädlich ist", sagt die 32-Jährige. Auch Pumps-Geübten rät Breitenberger allerdings vom täglichen Tragen hoher Schuhe ab – Abwechslung ist besser für die Füße. "Kein Schuh ist immer gut."

Orthopäden warnen vor dem regelmäßigen Tragen von Schuhen mit mehr als drei Zentimetern Absatz. "Das Gangverhalten verändert sich dann", sagt die Chefärztin der zum Rhönklinikum gehörigen Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie in Bad Neustadt, Renée Andrea Fuhrmann. Das belegten Studien durch Gang- oder Muskelaktionsanalysen. "Wer regelmäßig High Heels trägt – mehr als dreimal in der Woche den ganzen Tag, der wird Probleme bekommen."

Zehn Prozent von Fuhrmanns Patientinnen kommen mit diesen Problemen: Spreizfüße, Hallux (Schiefzehe) und Krallenzehen – diese Deformierungen werden ihr zufolge durch hohe Absätze zumindest begünstigt. Nicht nur der Fuß, sondern auch Waden, Knie und Rücken leiden. Der Druck im Kniescheibengelenk steigt, der Verschleiß könne sogar eine fachärztliche Behandlung nötig machen. "Tragen von Absatzschuhen über lange Zeit kann zu Rückenschmerzen führen", sagt die Fußchirurgin. Achillessehne sowie Wadenmuskulatur können sich verkürzen, so dass Gehen ohne High Heels schmerzt. Deshalb sei das Dehnen extrem wichtig.

Meist seien es die 40- bis 50-Jährigen, die nach jahrelangem High-Heel-Tragen mit Beschwerden in die Klinik kommen. Positiv: "Unsere Jugend tendiert eher zum bequemen Schuh."

Genau das sieht bestreitet der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie allerdings. "Der Trend zum High Heel ist im Moment gerade bei den jungen Mädels sehr ausgeprägt", sagt Verbandssprecherin Claudia Schulz. Neue Kundschaft für Edeltraud Breitenberger.

Autor: Sabine Dobel (dpa)