Meditationen

Maharishi Mahesh wurde als Guru von Stars wie den Beatles reich

Alexander Brüggemann

Von Alexander Brüggemann (KNA)

Fr, 12. Januar 2018 um 22:00 Uhr

Panorama

Es heißt, er habe sich in eine perfekte Meditationsposition gebracht und sei sanft entschlafen – im stattlichen Alter von 90 Jahren und nach einem erfüllten und buchstäblich reichen Leben.

Der Maharishi Mahesh Yogi (1918 bis 2008), Begründer der "Transzendentalen Meditation" und Guru der Beatles, hatte das "Globale Land des Weltfriedens" mit Sitz im niederländischen Vlodrop geschaffen – und ein globales Finanzimperium. An diesem Freitag wäre er nach unbestätigter Überlieferung 100 Jahre alt geworden.

Der junge Mann mit dem Geburtsnamen Mahesh Verma Shrivastava studierte Physik im nordindischen Allahabad und ging dann bei einem Hindu-Geistlichen in die Lehre. Seit Mitte der 1950er Jahre arbeitete er an einer eigenen Meditationspraxis – und an einer raschen Internationalisierung. 1959 startete er in den USA, wo ihm die Flower-Power-Bewegung den Durchbruch brachte.

Nicht nur die Beatles, auch Schauspieler Clint Eastwood, Regisseur David Lynch oder Beach-Boys-Frontmann Mike Love pilgerten zum Maharishi ("Großer Seher"). Alle vier Beatles reisten mit ihren Frauen im August 1967 zu einem Kurs nach Wales, mussten jedoch abbrechen, als sie vom Drogentod ihres Managers Brian Epstein erfuhren.

Ikonisch wurde ihre Visite in Indien im Februar 1968 – vor 50 Jahren. Die symbolträchtigen Bilder der prominenten Hippies beim Guru gingen um die Welt. Doch schon bald kam es zum Bruch. Grund waren Gerüchte, der angeblich enthaltsame Meditationslehrer habe der Schauspielerin Mia Farrow und anderen jungen Damen sexuelle Avancen gemacht.

Zusätzlich beklagten sie eine kommerzielle Atmosphäre und wenig individuelle Praxis im Ashram. Der indienbegeisterte George Harrison wandte sich 1969 der Hare-Krishna-Bewegung zu. Doch der Promi-Faktor hatte seine Wirkung getan. Die Lehren des Maharishi, die auf alten indischen Techniken der Bewusstseinskontrolle durch Meditation beruhten, wurden für ihn zum Millionengeschäft – mit Millionen Anhängern weltweit. Besonderes Aufsehen erregte die Technik des sogenannten Yogischen Fliegens – ein Schwebezustand durch Erreichung eines höheren Bewusstseins.

Die "Transzendentale Meditation" (TM) wird kostenpflichtig gelehrt und ist markenrechtlich geschützt. Die Organisation des Maharishi wurde mehrfach umbenannt, zuletzt 2000 in "Globales Land des Weltfriedens". Mit den Einnahmen der TM-Kurse errichtete die Bewegung "Friedenspaläste", aber auch Hunderte Schulen in Indien. 1990 zog der Meister in ein aufgelöstes christliches Kloster in den Niederlanden um.

Ein großes Thema der Bewegung ist die Umwelt. Der Maharishi gab nicht weniger als das Ziel aus, mit dem Einsatz von mehreren Milliarden Dollar und der Förderung biologischen Anbaus in der Dritten Welt alle Armut zu beseitigen. Nach der Jahrtausendwende wurde die neugegründete Maharishi Vedic City im US-Staat Iowa zur angeblich "ersten vollbiologischen Stadt" weltweit. In den vergangenen Jahren kam es dort allerdings zu Spannungen zwischen den rund 300 ursprünglichen Bürgern und etwa 1000 indischen Siedlern am Ortsrand.

Die verbliebenen Beatles Paul und Ringo zeigten sich 2008 nach dem Tod des Gurus mit ihm versöhnt. McCartney sagte: "Meine Erinnerungen an ihn werden immer erfreuliche sein. Ein großer Mann, der unermüdlich für die Weltbevölkerung arbeitete." Und Ringo Starr: "Einer der wenigen weisen Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe, war der Maharishi. Ich war immer beeindruckt von seiner Lebensfreude – und ich bin ganz sicher, dass er wusste, wo er hingeht." Nach Indien nämlich und in die ganze Welt. Der Leichnam des "Großen Sehers" wurde aus den Niederlanden nach Allahabad überführt und am 11. Februar mit staatlichen Ehren öffentlich verbrannt. Seine Asche wurde in mehreren Flüssen des Landes und in 192 Staaten verstreut.