Valentinstag

Viele Rosen für Deutschland werden in Kenia gezüchtet

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Di, 14. Februar 2017 um 00:01 Uhr

Panorama

Wenn am 14. Februar vor allem rote Rosen verschenkt werden, dann hat das nichts mit altehrwürdigem Brauchtum zu tun. Es ist ein Produkt der Globalisierung – und die Rose kommt sehr oft aus Übersee, etwa aus Ostafrika.

Tatsächlich wurden noch bis vor wenigen Jahrzehnten am Tag der Liebenden nur Frühlingsblumen wie Schneeglöckchen, Veilchen oder auch Weidenkätzchen verschenkt, die zusammen mit einer Grußbotschaft und einer Schachtel Pralinen das edelste aller Gefühle repräsentieren sollten. Die Rose verdankt ihren Aufstieg zum Liebessymbol zwei eher unromantischen Dingen. Dem Flugzeug und der Tatsache, dass die Blume beinahe unverwüstlich ist.

Nur eine Rose kann von ihrem Stamm getrennt einige Tage unbeschadet überstehen, was aber die Voraussetzung dafür ist, dass sie problemlos über Tausende von Kilometern Entfernung transportiert werden kann. Aus dieser Robustheit des leuchtend bunten Gewächses hat sich mittlerweile ein Wirtschaftszweig entwickelt, der ganze Länder über Wasser hält: Neben Kolumbien und Ecuador ist das vor allem Kenia. Aus dem ostafrikanischen Staat werden fast 150 000 Tonnen Schnittblumen pro Jahr in alle Welt, vorzugsweise aber nach Europa, exportiert. 70 Prozent aller in europäischen Supermärkten verkauften Rosen kommen aus Kenia. Die ostafrikanischen Blumenfarmer setzen jährlich mehr als 600 Millionen US-Dollar (564 Millionen Euro) um, neben Tee und Tourismus ist das der größte Devisenbringer des Schwellenstaats.

Von der Blumenindustrie leben mehr als 500 000 Kenianer – mehr als zehnmal soviel wie von der Textilherstellung. Was Kenia außer seinem milden Wetter und seinen fruchtbaren vulkanischen Böden zum perfekten Blumenlieferanten macht, ist sein Flughafen in Nairobi und die täglichen KLM-Linienflüge nach Amsterdam: Zweidrittel der kenianischen Ernte landen zunächst in den Niederlanden. Von dort wird die wohlriechende Fracht zum Auktionsmarkt nach Aalsmeer gebracht, dem mit einer halben Million Quadratmetern Fläche zweitgrößten Gebäude der Welt. In einer Durchschnittswoche schlagen die Aalsmeerer Blumenhändler 50 Millionen Schnittpflanzen um, am Valentinstag sind es 100 Millionen.

Die große Kunst der kenianischen Farmer ist es, das Wachstum ihrer Produktion so zu terminieren, dass sie pünktlich zur Hochsaison am 14. Februar kurz vor der Blüte steht – das Zeitfenster für den rechtzeitigen Schnitt beträgt höchstens drei Tage. Die Präzisionsarbeit ist nur möglich, weil in Kenias rund 1800 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hochland das ganze Jahr über bestes Rosenklima herrscht: nicht zu heiß und vor allem kein Frost. Als optimale Gegend hat sich die Region um das 90 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernte Provinzstädtchen Naivasha herausgestellt: Dort gibt es auch genügend Wasser. Die Nähe zum Flughafen und ausgeklügelte Transportabläufe machen es möglich, dass die Blumen vom Schnitt bis zur europäischen Vase nur zwei Tage unterwegs sind – angesichts des Durchhaltevermögens der Rosen ist das kein Problem.

Zu Problemen kommt es inzwischen allerdings am Lake Naivasha, wo sich die Hälfte aller 127 großen Blumenfarmer des Landes niedergelassen hat. Fachleute klagen mittlerweile, dass die Bewässerung der Gewächshäuser und der Einsatz von Pflanzenschutzmittel den 140 Quadratkilometer großen Naivasha-See und seine über 400 Arten umfassende Vogelwelt bis zur Grenze der Belastbarkeit strapazieren: Nun soll der Rückgang des Wasserspiegels und die Einleitung pestizidverseuchten Abwassers in den See mit strikten Auflagen gestoppt werden.