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20. Oktober 2009 00:06 Uhr

Mängelliste

Vorsicht Döner: Hygiene bei Kebabbuden oft bedenklich

Die Mängelliste der deutschen Lebensmittel-Kontrolleure für das Jahr 2008 ist lang. Bundesweit haben sie 127.000 Verstöße registriert. Wo geht es besonders unappetitlich zu?

  1. In manch Kebabbude geht es alles andere als hygienisch sauber zu. Foto: Ingo Schneider

BERLIN. Bei der Herstellung von Dönerspießen aus Geflügel und bei der Zubereitung der Mahlzeit in der Imbissbude geht es oft nicht sauber zu. Im vergangenen Jahr beanstandeten die Lebensmittelkontrolleure bei jedem zweiten Hersteller die hygienischen Zustände. Das zeigt der Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz (BVL) zur Lebensmittelsicherheit. Jede dritte der 875 überprüften Döner-Buden erwies sich als unsauber oder schlecht desinfiziert.

Unappetitlich ist häufig auch das Geschäft mit Speiseeis. 1000 Hersteller und Eisdielen bekamen 2008 Besuch vom Amt. Fast jedem fünften Betrieb stuften die Prüfer als nicht sauber genug ein. Oft enthielten die Eis-Proben außerdem Keime. "Einzelne Ergebnisse zeigen, dass wir uns nicht zurücklehnen können", warnt BVL-Präsident Helmut Tschiersky-Schöneburg vor einer nachlassenden Kontrolle der Lebensmittel. Die Überprüfungen sind Sache der Länder.

Mit der Hygiene nehmen es viele nicht so genau

Mehr als 1,2 Millionen Betriebe, von der Großküche über Fleischereien und Bäckereien bis hin zum Pizzabäcker, gehen mit Nahrungsmitteln um. 2008 bekamen 540 000 Firmen Besuch vom Inspekteur. Bei 127 000 Unternehmen wurde das Amt fündig. Der mit Abstand häufigste Verstoß ist die Missachtung von Hygienevorschriften.

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Untersucht werden auch die angebotenen Lebensmittel selbst. Von 400 000 untersuchten Proben wurden knapp 14 Prozent bemängelt. Bei jedem vierten Labortest fanden die Chemiker Verunreinigungen. Dabei erwies sich Paprikapulver überdurchschnittlich häufig als belastet. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln fanden sich aber auch in mehr als drei Vierteln aller untersuchten Birnen.

Warnung vor türkischen Birnen

Das baden-württembergische Verbraucherministerium warnte am Montag vor dem Verzehr von türkischen Birnen, die mit dem Pflanzenschutzmittel Amitraz belastet sind. In Lakritze und Schokolade mit hohem Kakaogehalt fanden die Tester in vielen Proben einen vergleichsweise hohen Gehalt an Ochratoxin A, das im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Positiv fielen die Bioprodukte auf. Obst, Gemüse und Kartoffeln aus dem Ökoanbau enthielten kaum Schwermetalle oder Pflanzenschutzmittelrückstände.

Angemahnt wurde außerdem der Betrug am Kunden. Die Hälfte der Beanstandungen bezog sich auf Mogelpackungen oder falsch angegebene Zutaten, sowie geschönte oder nachgemachte Lebensmittel.

Statt des Originals gibt es nur ein Imitat

Das Gewinnstreben mancher Unternehmer kann dem Konsumenten zum Beispiel die Freude auf eine Kugel Vanilleeis kräftig vermiesen. Wo auf der Verpackung oft vom natürlichen Aroma die Rede ist, steckt tatsächlich häufig künstliches Vanillin drin. Das ergab ein Untersuchungsschwerpunkt des BVL. Von 290 Proben Vanilleeis wurden 38 Prozent beanstandet. Mit dem Einsatz von Imitaten sparen die Hersteller Kosten und steigern ihren Ertrag.

Auch beim Käse oder Schinken wird bekanntlich gemogelt. Laut BVL ist dies allerdings kein Problem der Industrie. Die Hersteller geben danach auf der Verpackung wahrheitsgemäß den Inhalt an. In Restaurants oder Imbissbuden wird dann aus minderwertigen Zutaten gerne mal echter Käse oder Schinken.

Saubere Betriebe bekommen ein Smiley

Bald sollen Konsumenten mehr Durchblick über gefährliche Lebensmittel erhalten: Die Bundesländer wollen ein gemeinsames Internetportal aufbauen, auf dem bundesweit über bedenkliche Nahrungsmittel informiert wird. Auch über die Nennung von schwarzen und weißen Schafen in der Gastronomie wird nachgedacht.

In Dänemark gibt es dafür ein Vorbild, das Smiley-System. Den Aufkleber mit einem lächelnden Gesicht erhalten Betriebe, die überdurchschnittlich gut sind. Der Berliner Stadtteil Pankow erprobt die Positivkennzeichnung gerade. Zugleich nennt der Bezirk aber im Internet auch rigoros die Namen von Betrieben, die den Lebensmittelkontrolleuren negativ aufgefallen sind. Mit Bildern von verdreckten Kühlschränken oder angetauten Waren schreckt das Amt potenzielle Gäste der Restaurants ab, bis diese die Missstände beseitigt haben.

Autor: Wolfgang Mulke