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Warnung am Tag des Waldes vor Zersplitterung der Wälder

dpa

Von dpa

Sa, 21. März 2015

Panorama

Forscher warnen am Tag des Waldes vor der Zersplitterung der Wälder durch Straßen und Äcker. Die Vielfalt der Pflanzen und Tiere sei laut Forschern bedroht.

RALEIGH (dpa). Da mal eine Straße und dort ein Acker – aber insgesamt ist die Waldfläche doch noch recht groß. Derlei Rechnungen gehen nicht auf, warnen Forscher. Die Aufsplittung von Wäldern kann die Vielfalt an Pflanzen und Tieren in den betroffenen Regionen binnen Jahrzehnten extrem verringern.

Ein großer Teil der weltweiten Waldbestände werde inzwischen von Straßen oder Agrarflächen fragmentiert, schreiben US-Forscher im Fachblatt Science Advances. 70 Prozent der bestehenden Forste befänden sich gerade einmal einen Kilometer vom Waldrand entfernt. "Eigentlich kann fast kein Wald mehr als Wildnis bezeichnet werden", wird Nick Haddad in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Zusammenhängende Wälder werden in kleinere, inselartige Gebiete zerteilt, wenn Straßen gebaut oder Bäume für die Landwirtschaft gefällt werden.

Speziell die dabei entstehenden Waldränder seien empfindliche Regionen, da dort landwirtschaftliche und urbane Einflüsse besonders stark wirken, erläutern die Wissenschaftler um Nick Haddad von der North Carolina State University in Raleigh. Viele der weltweit verbliebenen Waldstücke umfassten weniger als zehn Hektar Fläche. Dass die Abholzung von Wäldern gravierende Folgen für die Biodiversität hat, ist schon länger bekannt. So ergab etwa eine Untersuchung der National University in Singapur, dass der Bau eines Stausees im südlichen Thailand und die folgende Fragmentierung der Forste dort binnen eines Vierteljahrhunderts zum Aussterben fast aller kleiner Säugetiere führte.

Die aktuelle Untersuchung berücksichtigt die Folgen auf fünf Kontinenten seit mehr als 35 Jahren. Die Autoren analysierten beobachtete Auswirkungen, werteten die Resultate internationaler Langzeitstudien aus und erstellten eine Karte der globalen Bewaldung. Diese zeigt, dass nur noch wenige Gebiete – unabhängig davon, ob es sich um Wälder, Savannen oder Grasland handelt – unberührt, also nicht durch menschliche Aktivitäten beeinflusst sind.

Die Analyse der Forscher ergab, dass die Fragmentierung von Wäldern die regionale Vielfalt an Tieren und Pflanzen um 13 bis 75 Prozent reduzierte. Je kleiner und je isolierter ein Gebiet war, desto stärker war es meist betroffen. Im Durchschnitt halbiere sich die Biodiversität – was teilweise erst zwei Jahrzehnte nach der Zersplitterung feststellbar sei, schreibt das Team.

Zudem führe sie langfristig zu immensen Veränderungen der Lebensräume, da die vorhandene Biomasse reduziert werde und sich die Nährstoffkreisläufe nachhaltig veränderten. In der Konsequenz sollten noch vorhandene großflächige Lebensräume besser geschützt und Korridore zwischen zersplitteten Regionen geschaffen werden. Letztlich drohe mit der Fragmentierung nicht nur Tieren und Pflanzen, sondern auch den Menschen Schaden.