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21. Februar 2011

London / Kuba

Wem gehört das Che-Guevara-Logo?

Seit 1968 ist sein Che-Guevara-Porträt eine der berühmtesten Ikonen der Welt – für jedermann frei nutzbar. Angesichts der kommerziellen Ausbeutung des Bildes will der Designer jetzt sein Copyright geltend machen.

  1. Ikone der Revolution, die viele Kapitalisten beglückte: Ernesto Che Guevara Foto: dpa

LONDON. Seit 1968 ist sein Che-Guevara-Porträt eine der berühmtesten Ikonen der Welt – für jedermann frei nutzbar. Angesichts der kommerziellen Ausbeutung des Bildes will der irische Designer Jim Fitzpatrick jetzt aber sein Copyright geltend machen. Das Geld soll Kuba zufließen. Und der Familie Guevaras.

Nicht mehr dem Kapital soll Che gehören. Die kommerzielle Welt soll bluten, wenn sie sich des Revolutionärs bedient, hat Jim Fitzpatrick entschieden, der vor 44 Jahren eine der berühmtesten Ikonen des 20. Jahrhunderts schuf.

Der Designer und Buchillustrator aus Dublin hat sich nun bemüßigt gefühlt, einen Anwalt einzuschalten, um sich Copyright und Vermarktungsrechte zu sichern. Im September, zur Eröffnung eines "Che-Guevara-Kulturzentrums" in Havanna durch dessen Witwe Aleida, hofft Fitzpatrick sich seinen "Traum" erfüllt zu haben und Aleida und die Kubaner mit einem kontinuierlich sprudelnden Strom an Einnahmen zu beglücken.

Dass sich Rebellen und aufbegehrende Studenten seiner Postervorlage bedienten, sei ihm immer recht gewesen, meint der Ire. Es gehe aber einfach nicht an, "dass sich Leute mit diesem Bild bereichern, wenn das Geld einem Kinderkrankenhaus in Havana zufließen könnte". Ein Vermögen dürfte Fitzpatricks Schöpfung wahrhaftig wert sein. Von Kunstexperten wird es zu den zehn bekanntesten Porträts der Welt gezählt – leichter zu identifizieren als die Mona Lisa.

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Seit Fitzpatrick 1967 auf der Grundlage eines Fotos des Kubaners Alberto Korda, seine Zeichnung anfertigte, um sie im Jahr darauf in einer Londoner Galerie auszustellen, hat dieses Bild einen beispiellosen Siegeszug um die Welt angetreten. Von den Pariser Studenten, die sie unmittelbar zum Banner ihrer Bewegung erkoren, bis zu den Revolutionären Lateinamerikas, die sich von ihr inspirieren ließen, wurde es mit Begeisterung aufgenommen und auf Postern, Plakaten, T-Shirts endlos reproduziert.

Der Freiheitskämpfer erwärmte das Herz der Teenager

Das besternte Barett, das wilde Haar, der heroische Blick erwärmten das Herz melancholischer Teenager wie hartgesottener Freiheitskämpfer – bis schließlich die Industrie den Marktwert der Ikone erkannte und diese ihren Weg auf Kaffeebecher, Cornflakes-Pakete, Baseball-Kappen, Handtücher und Unterhosen fand.

Dabei war das schwarzrote Poster anfangs noch manchem Regime, auch in Europa, ein Dorn im Auge. In Francos Spanien konnte, wer es verteilte, verhaftet werden. In Osteuropa verdächtigte man seine Besitzer umstürzlerischer Neigungen.

"Ich hatte das Ganze absichtlich so gestaltet, dass sich die Bilder wie Kaninchen vermehren würden", erklärt Fitzpatrick seine damalige Aktion. "Es gab keine Gedenkstätte, kein Ziel für eine Pilgerreise, nichts. Ich wollte einfach, dass sein Porträt so stark in Umlauf kommen würde wie nur möglich. Sein Bild, sein Name sollte niemals sterben."

Fitzpatrick selbst war Che einmal im Jahr 1962 begegnet. "16- oder 17-jährig" habe er im kleinen Kilkee in der Grafschaft Clare hinter einer Hotelbar gestanden, als Guevara zusammen mit zwei Leibwächtern durch die Tür spaziert kam. Er habe den Besucher auf Anhieb erkannt, berichtete Fitzpatrick später.

Klar war, dass er diese Begegnung nie vergessen würde. Nach der Erschießung Guevaras revanchierte er sich mit seiner Porträtaktion, die Che der Welt erhalten sollte. Anders als sein Idol geriet der Ire später weitgehend in Vergessenheit.

Während sein Poster zum globalen Hit wurde, entwickelte er daheim keltisches Design, illustrierte Bücher und entwarf Umschläge für Plattenalben für Thin Lizzy und Sinead O’Connor. Nur der Zorn darüber, dass sein genialster Streich in die falschen Hände geraten ist, hat ihn nun wieder auf die Barrikaden getrieben. Sollte er sich die Rechte sichern, dürfte das einige Che-Verwerter teuer zu stehen kommen.

Autor: Peter Nonnenmacher