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03. Juni 2011

WHO: Handy könnte Krebs erregen

Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Mobilfunkstrahlung als möglicherweise krebserregend ein / Eine Vorsichtsmaßnahme.

  1. Freisprechanlage und SMS statt stundenlang das Handy am Ohr: Das sind die Vorsichtsmaßnahmen, zu denen die Weltgesundheitsorganisation wegen der Handy-Strahlung rät. Foto: dpa

SALZGITTER/LYON/WASHINGTON (dpa/AFP). Seit es Mobiltelefone gibt, wird darüber gestritten, ob ihre Strahlung für den Nutzer gefährlich ist. Ausschließen lässt sich ein Krebsrisiko nicht, meinen Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie haben Handystrahlung deshalb nach der bislang umfassendsten Auswertung vorliegender Studien als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Die Hersteller kritisieren die Analyse als nicht aussagekräftig.

Damit geht der Streit um mögliche Gefahren durch Mobilfunkstrahlung in eine neue Runde. Am Sachstand hat sich allerdings wenig geändert. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, ein Tochterinstitut der Weltgesundheitsorganisation, hat für die nun veröffentlichte Einschätzung die vorhandenen Studien zu hochfrequenten elektromagnetischen Feldern, wie sie von Handy, Rundfunk und Radar genutzt werden, gesammelt und bewertet.

"Es ist im Moment nicht eindeutig belegt, dass die Nutzung von Mobiltelefonen Krebs bei Menschen auslösen kann", betonte Kurt Straif, Vorsitzender des Monografien-Programms der IARC, in dem bereits mehr als 900 mögliche Krebsauslöser bewertet worden sind. Es gebe aber Hinweise darauf, dass vor allem Vieltelefonierer ein größeres Risiko hätten, an Gehirntumoren wie dem bösartigen Glioblastom zu erkranken. Die WHO beschloss daher nach achttägigen Beratungen ihrer Krebsforscher im ostfranzösischen Lyon, Mobiltelefone genau wie etwa Chloroform und Benzindämpfe als "möglicherweise krebserregend" einzustufen. Zigaretten, Sonnenbänke und Asbest gelten im Vergleich dazu als eindeutig "krebserregend".

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"Das Ergebnis bedeutet, dass es ein Risiko geben könnte, und wir müssen deshalb genau nach einer Verbindung zwischen Mobiltelefonen und Krebsrisiko Ausschau halten", sagte der Vorsitzende der IARC-Expertengruppe, Jonathan Samet. Es seien weitere Studien nötig, auf deren Grundlage das Krebspotenzial der Strahlung in einigen Jahren erneut bewertet werden soll, so die IARC.

Die Mobiltelefonhersteller halten die vorgelegte Analyse für nicht aussagekräftig. Der Vizepräsident des Mobiltelefon-Herstellerverbands CTIA, John Walls, legte es so aus: "Diese IARC-Einstufung bedeutet nicht, dass Mobiltelefone Krebs verursachen." Das Bundesamt für Strahlenschutz erläuterte das Ergebnis am Mittwoch in Salzgitter so: Es seien "nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand zwar keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch hochfrequente Felder – etwa aus dem Mobilfunk – zu erwarten, wenn die Grenzwerte eingehalten werden." Unsicherheiten gebe es allerdings hinsichtlich möglicher langfristiger Wirkungen.

Die WHO sieht besonders für Vieltelefonierer eine potenzielle Gefahr. In den Studien ging es etwa um Menschen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren im Schnitt täglich eine halbe Stunde mit dem Handy telefonierten. In den vergangenen Jahren habe sich die durchschnittliche Handynutzung ausgeweitet. Niemand weiß laut WHO, welche Folgen lebenslanges Handytelefonieren hat.

Die größte Gefahr liegt laut der Studie im direkten Telefonieren mit dem Handy. Wer SMS schreibt, verringert die Belastung deutlich. Auch das Telefonieren mit Freisprechanlagen oder Headsets, die das Handy auf Distanz vom Kopf halten, hilft. Außerdem sollten die Empfangsbedingungen möglichst gut sein – ansonsten steigt die Sendeleistung. Aufschlüsse über die Strahlungsstärke eines Handys gibt der SAR-Wert. Beim Blauen Engel gilt als Höchstgrenze ein SAR-Wert von 0,6 Watt je Kilo, in der EU liegt die Höchstgrenze bei zwei Watt je Kilo.

SAR-Werte gängiger Geräte sind gelistet auf http://www.handywerte.de

Autor: afp