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19. Februar 2014

Paten geben Schülern Starthilfe

Erfolgreiches Projekt an der Edith-Stein-Schule.

Sie geben Nachhilfe, versuchen sich als Berufsberater und lassen ihre Kontakte spielen: An der Edith-Stein-Schule im Stühlinger engagieren sich Vertreter aus der Wirtschaft im Rahmen des Projektes "Jugend braucht Arbeit – Spenden Sie Vitamin B", um leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern den Weg zum Ausbildungsplatz oder Abitur zu erleichtern – und das seit zehn Jahren. Anlässlich dieses Geburtstages berichteten Paten, Lehrer und Träger von den Höhen und Tiefen, die dieses Ehrenamt mit sich bringt.

Achim Hornecker, Inhaber eines Unternehmen für Software-Entwicklung, ist von der ersten Stunde an dabei. Als die Patenschaften 2003 ins Leben gerufen wurden, ging es noch nur um "Vitamin B". Die gutvernetzten Paten sollten ihre Kontakte zu anderen Betrieben nutzen und den Schülern Praktika und Ausbildungsstellen vermitteln. Mittlerweile müssen Paten wie Hornecker jedoch je nach Patenkind auch Nachhilfe geben, Bewerbungsschreiben korrigieren und versuchen, den Jugendlichen bei der Berufswahl zu unterstützen.

Zur Geburtstagsfeier kamen Achim Hornecker und sein aktueller Schützling Sonja Schröder gemeinsam. "Er hat das, was ein guter Pate braucht: Geduld und sehr starke Nerven", erzählte die Schülerin lachend. In einem Monat wird die 21-Jährige ihre Abiturprüfungen ablegen. Vor zwei Jahren war sie überzeugt, Floristin werden zu wollen, einen Ausbildungsplatz hatte sie sicher. Trotzdem entschied sie sich für die gymnasiale Oberstufe.

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Probleme bereitet

die Mathematik

Der Mathematikunterricht bereitet ihr noch Probleme. Über die Frage, ob Hornecker ihr dabei einige Jahre nach seinem eigenen Abitur überhaupt helfen kann, lächelt der Unternehmer nur:"Ich habe in Freiburg Mathematik studiert. Und ja, ich mache es vielleicht manchmal ein bisschen komplizierter, als es sein muss. Aber ich bin sicher, dass sie die Prüfung meistern wird." Zwischen den beiden sind nicht nur mathematische Formeln ein Thema, auch über ihre Studienwahl – eventuell Sozialpädagogik – redet die Schülerin mit dem Unternehmer.

Wie oft sich ein Pate und sein Schüler treffen, variiert. Hartmut Schäffler, seit vier Jahren Pate, berichtet gerne von seinem "Goldschatz", einer Schülerin, die kurz nach Beginn der Zusammenarbeit eine Ausbildungsstelle zur Medizinischen Fachangestellten erhielt. Der Kontakt zu dem Patenkind besteht heute noch, mittlerweile ist sie in der Praxis fest angestellt. "Ich habe damals versucht, ihr die Scheuklappen abzusetzen. Wir haben viele Stadtspaziergänge gemacht, uns einfach mal zehn Minuten ins Münster gesetzt und die Blicke schweifen lassen." Allein durch die regelmäßigen Treffen sei das Mädchen viel selbstbewusster geworden.

Nicht jede Patenschaft ist so erfolgreich. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sollen die Schüler durch das Projekt erst erlernen, doch auch die Nachsicht eines Ehrenamtlers hat Grenzen: "Meine letzte Patenschaft musste ich abbrechen, auf den Jungen war leider absolut kein Verlass", erzählte Schäffler.

"Jugend braucht Arbeit – Spenden Sie Vitamin B" hat in zehn Jahren insgesamt 122 Schüler an 46 Paten vermittelt. Die Träger, In Via und Caritas Freiburg, sind ständig auf der Suche nach Paten. Achim Hornecker versicherte:"Das Ehrenamt ist keine Einbahnstraße, die Schüler geben einem auch was zurück."

Autor: Eva Böning