Perspektiven schaffen, wo keine sind

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 17. Dezember 2015

Freiburg

Die BZ-"Aktion Weihnachtswunsch" fördert 19 soziale Projekte, die zu mehr Chancen für alle in Freiburg beitragen sollen.

Wohnungslose Menschen, Flüchtlinge, Kinder, Menschen mit Handicaps: Wie immer unterstützt die BZ-"Aktion Weihnachtswunsch" neben möglichst vielen Familien und Einzelnen auch wieder soziale Projekte. In diesem Jahr wurden 19 ausgewählt, das Spektrum ist wie immer sehr breit (siehe Infobox). Insgesamt erhalten die Projekte 56 531 Euro. Drei Beispiele:

Patenschaften für Kinder
Seit 2007 vermittelt der Verein "Nachbarschaftswerk" sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 18 Jahren an ehrenamtliche Patinnen und Paten. Los ging’s in Weingarten, inzwischen läuft das Projekt stadtweit, erzählt die Pädagogin Sylvia Haßler. Derzeit gibt’s 20 Paten, Neue sind erwünscht – vor allem Männer, die bisher in der Minderzahl sind. Alle werden vor ihrem Einstieg überprüft und dauerhaft fachlich begleitet. Dafür gibt’s eine halbe Stelle, für deren Finanzierung jedes Jahr neue Wege gesucht werden müssen. Hauptziel ist, dass die Kinder und Jugendlichen, die laut Sylvia Haßler oft Migranten-, alleinerziehende oder arbeitslose Eltern haben, eine Vertrauensperson finden, die für sie da ist – für Unternehmungen, zum Lesen oder einfach zum Reden. Das stärkt die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung.

Flüchtlingsjugendliche
Verhütung, Beziehungsgestaltung, Schutz vor Infektionen: Das sind übliche Themen der sexualpädagogischen Beraterinnen und Berater von "Pro familia" – mit speziellen Ausrichtungen für unterschiedliche Zielgruppen. Neu dazu kommen jetzt unbegleitete minderjährige Flüchtlingsjugendliche. Sie müssen im Spagat zwischen den Normen und Werten ihres Herkunftslands und denen ihres Zufluchtslands – die oft ganz anders sind – ihren Platz finden, sagt die "Pro familia"-Geschäftsführerin Petra Krug. In diesem Bereich hat "Pro familia" bereits Erfahrung: Es gab ein Projekt mit Mädchen, die in Flüchtlingsunterkünften leben. Diesmal geht’s um männliche Jugendliche, die ohne ihre Familien geflohen und in Wohngruppen vom Christophorus-Jugendwerk untergebracht sind.

Haftentlassene
Manche der Männer, die bei der Anlaufstelle für Haftentlassene des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege in der Brombergstraße ankommen, haben 10 oder 20 Jahre im Gefängnis hinter sich. Da geht’s um ganz grundlegende Unterstützung im Alltag in der Freiheit, erzählt der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende Georg Royen. Viele schleppen vielfältige und schwere Probleme mit sich herum: Sie lebten vor der Haft auf der Straße, waren oder sind immer noch drogenabhängig, haben psychische Erkrankungen, sind körperlich stark eingeschränkt. Um trotz allem zumindest Chancen auf einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu bieten, hat der Bezirksverein für soziale Rechtspflege ein Arbeitsprojekt für sie entwickelt. Auch wenn das Ziel selten erreicht wird, sorgt das Projekt für Tagesstruktur und Selbstbestätigung, sagt Georg Royen.

Hauptsächlich packen die Männer bei Wohnungsauflösungen, Umzügen und Renovierungen an, außerdem gibt’s ein Extra-Projekt, das helfen soll, dass Auerhähne im Schwarzwald ansässig werden. Dafür werden Flächen im ländlichen Schwarzwald von Holz und Gestrüpp befreit. Um mit ihrer Ausstattung aufs Land zu fahren, aber auch für die anderen Aufgaben brauchen die Männer Fahrzeuge. Weil einer der zwei Transporter kaputt ist, muss ein neuer angeschafft werden.