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02. Januar 2015 13:03 Uhr

Bad Krozinger fuhr mit dem Fahrrad um die Welt

Pinguine, Partys, Südseestrände

Vor zweieinhalb Jahren brach der Bad Krozinger Stefan Böhm zu seiner Weltreise auf, jetzt ist er wieder zurück. Mit dem Fahrrad hat der 35-Jährige stolze 16 000 Kilometer (davon 150 000 Höhenmeter) zurückgelegt und dabei viel erlebt.

  1. Weltreise Stefan Böhm Foto: stefan Böhm

  2. Weltreise Stefan Böhm Foto: stefan Böhm

  3. Foto: stefan Böhm

Die kälteste Nacht
Die kälteste Nacht verbrachte Stefan Böhm in Bolivien in 4998 Meter Höhe direkt an einem Geysirfeld. Es war Vollmond, im Zelt zeigte das Thermometer minus 16 Grad, draußen war es noch kälter. Kuschelig warm war es nun nicht gerade, trotzdem musste er nicht frieren – dank seines warmen Schlafsacks. Das Wasser im Wassersack war dann allerdings am nächsten Morgen zu einem Brett gefroren.

Die ungewöhnlichsten Schlafplätze
Dazu zählte eine vierspurige Abflussröhre unter der Autobahn in Chile, wo Böhm ausnahmsweise mal keine Ameisen antraf. Wieso er ausgerechnet dort gelandet ist? Das nächste Hotel war zu weit entfernt, außer der Autobahn gab es ringsherum nur Wüste. Und die war auch noch eingezäunt. Also blieb nur noch die Abflussröhre, wo es zu allem Übel auch noch ziemlich laut war, weil auf der Autobahn reger Verkehr herrschte. Wesentlich stiller verlief die Nacht hingegen in einer Damenumkleidekabine, die sich in Schweden an einem idyllischen See befand. Dort fand Stefan Böhm sogar ausreichend Platz, um den Schlafsack auszubreiten. "Ich musste kein Zelt aufstellen, hatte ein Dach über dem Kopf, am Morgen gab’s frisches Wasser – und ich war mutterseelenallein." Und noch eine Nacht ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben. In Pucon in Chile schlief Stefan Böhm auf einem Aussichtsberg in 1500 Metern Höhe – ohne Zelt unter sternenklarer Nacht bei fünf Grad. Bilanz: "Ich hatte eine 360-Grad-Aussicht auf fünf Vulkane, von denen zwei (Villarrica und Lanin) zu den schönsten Kegelvulkanen Südamerikas zählen und erlebte einen herrlichen Sonnenauf- und -untergang. Beeindruckt war er auch von den immergrünen Araucarienbäumen, die dort wachsen."Die haben sogar die Dinosaurier überlebt haben.Es ist wahnsinnig schön, wenn man die mal live gesehen hat."

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Exotische Mahlzeiten
Gegrillte Papageienbrust in Argentinien, eine kulinarische Spezialität des Landes. Die Vögel schmeckten so ähnlich wie gegrillter Fasan. Es hat übrigens einen guten Grund, warum sie hier auf der Speisekarte stehen. Denn die Papageien, die von Chile über die Grenze geflogen sind, haben sich so stark vermehrt, dass die Landbesitzer dazu angehalten werden, die Population in Grenzen zu halten. Auch sonst hat Stefan Böhm unterwegs viele interessante kulinarische Erfahrungen gemacht. "Manchmal wusste ich nicht so genau, was ich da eigentlich gegessen habe. Aber es sah alles nicht so aus, als ob man die Herkunft hätte hinterfragen müssen." Die Nase restlos voll hingegen hat er immer noch von Spaghetti mit Ketchup, von denen er mehr gegessen hat, als ihm lieb war – die Packungen ließen sich nämlich am einfachsten auf dem Fahrrad transportieren.

Das härteste alkoholische Getränk
Man nehme einen Liter billigen Weißwein, werfe billiges Ananas-Eis hinein, schütte eine ordentliche Portion Fernet Branca und einen Schuss Grenadine dazu. Dann wird geschüttelt, nicht gerührt. Das Ganze nennt sich Terremoto und wird in Chile serviert. Der eine Liter ist übrigens pro Person gedacht. Das Getränk ist unglaublich süß und man spürt (zunächst) den Alkohol nicht. Aber dann wird schnell klar, warum das Getränk Terremoto (Erdbeben) heißt... Zum Terremoto gehört obligatorisch der Replica. Das Rezept ist dasselbe und wird "After shock" (Nachbeben) genannt. "Den gibt’s dann nur noch als halben Liter."

Der schönste Strand
Anakena, das ist der einzige Strand auf der Osterinsel, alles andere ist Felsenküste und Klippen. Die Kulisse ist traumhaft: Palmen, Strand, blaugrünes Südseewasser und im Hintergrund die Moai-Anlage, die berühmten Steinfiguren. "Das war Südseefeeling pur."


Die schrägste Begegnung mit Tieren
Mit Pinguinen auf Tuchfühlung kam Stefan Böhm in der Antarktis. "Drei kamen anmarschiert, pickten an meinen Klamotten und Fingern herum. Einer war dann so nah, dass man ihn einfach streicheln musste." Unbefangen genoss der Vogel die Streicheleinheiten, obwohl die Pinguine nicht so häufig mit Touristen zu tun haben. Aber sie sind eben schlicht neugierig: "Man muss nur Geduld haben und sich nicht bewegen, dann kommen sie von alleine und untersuchen die unbekannten Gäste."

Die wildeste Party
Die fand in Puerto Williams, einem rund 2000-Seelen-Nest am südlichsten Ende der Welt statt. Star des Abends war "la grande Mama" vom dortigen Hostel – was durchaus wörtlich zu verstehen war. "Wir haben die Silvesterfete mit 200 chilenischen Einwohnern verbracht. Mama hat schwungvoll ihre grande Hüften geschwungen, unter anderem zum Gangnam Style. Anschließend waren wir dorfbekannt."

Die schrägste Tradition
Nacktradeln für Touristen – und zwar auf dem salar de uyuni, dem größten Salzsee der Erde in Bolivien in 3600 Metern Höhe (Fotobeweise liegen der Redaktion vor). Ohne Kleidung ging es einmal quer über den See.

Fotos und Reiseberichte von Stefan Böhm gibt es unter https://showmetheworld.de/

Autor: Ute Wehrle