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10. November 2014

Preis für Menschen, die sich für Frieden einsetzen

Inta-Stiftung zeichnet Zeitzeugenprojekt und Studentin aus.

  1. Bei der Verleihung des Friedenspreises der Helga-und Werner-Sprenger-Stiftung (von links): Ursula Sladek, Gernot Erler, Dunja Khoury, Wolfgang Gerstner, Helga Sprenger, Peter Hermannn und Uwe Baumann. Foto: Rita Eggstein

Das Freiburger Zeitzeugenprojekt "Das Gestern verstehen – im Heute handeln" der Maximilian-Kolbe-Stiftung sowie die Freiburger Psychologiestudentin Dunja Khoury, 23, sind am Sonntag von der Freiburger Inta-Stiftung mit dem Helga-und-Werner-Sprenger-Friedenspreis ausgezeichnet worden. Mit dem Vermächtnis des am 24. Mai 2009 verstorbenen Freiburger Schriftstellers und Inta-Meditationslehrer Werner Sprenger wurde voriges Jahr die Inta-Stiftung gegründet.

Die von der GLS-Bank treuhänderisch verwaltete Stiftung möchte das Anliegen und Werk des Schriftstellers pflegen. Der Preis wird an Menschen und Initiativen verliehen, die sich durch innovative Aktionen für Frieden und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen und ihnen öffentliche Anerkennung zukommen zu lassen, schüttet die Stiftung ein Preisgeld von 5000 Euro aus.

Uwe Baumann, Mitglied im Stiftungsrat, sagt: "Wir müssen gar nicht nach großen Organisationen irgendwo in der Ferne suchen. Hier in der Region gibt es tolle Projekte, die viel mehr Würdigung verdienen." Der Preis wird nun jährlich am 9. November vergeben, dem Geburtstag Werner Sprengers, aber auch dem Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938.

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Das 2012 gegründete Projekt der Maximilian-Kolbe-Stiftung organisiert Begegnungen zwischen deutschen Schülern und Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager und Ghettos in Polen. Dem Projektteam gehören zehn ehrenamtliche Frauen und Männer an. Eine von ihnen ist die Studentin Leonie Feldmann, 23. Sie erklärt, wie wichtig Erinnerungspolitik sei, um Rechtsextremismus durch Bildungsarbeit vorzubeugen.

Der Geschäftsführer der Stiftung, Wolfgang Gerstner, verdeutlicht den mehr als 50 Gästen, dass ein fundiertes Wissen über die Konflikte der Welt notwendig sei, um sich nachhaltig für Frieden einzusetzen: "Wir sind eine katholische Einrichtung, aber auch wir wissen, dass Frieden nicht einfach so vom Himmel fällt." Stiftungsrat Uwe Baumann unterstützt ihn: "Der Komplexität von Konflikten wie derzeit in der Ukraine mit Parolen zu begegnen, ist oft der erste Schritt, den nächsten Krieg zu schüren." Die Stiftung wolle zeigen, wie brüchig Frieden sei. Sie wollte auch eine Brücke zwischen Vergangenheitsbewältigung und gegenwärtigen Konflikten bauen und hat mit Dunja Khoury eine Frau auszugezeichnet, die sich mit einem der weltweit blutigsten Konflikte der Welt. Die Tochter syrischer Eltern betreibt ein psychotherapeutisches Projekt mit Kindern in Flüchtlingslagern in Nordsyrien. "Die sind traumatisiert, viele sind zum Sprechen gar nicht in der Lage", sagt sie. Zeitweise hat sie ihr Studium unterbrochen, malt und bastelt mit den Kindern vor Ort, um auf künstlerische Weise das seelische Leid der Kinder zu therapieren. Sie hat viele Freunde in Syrien, um deren Leben sie Angst hat.

Neben den drei Stiftungsräten Helga Sprenger, Uwe Baumann und Peter Herrmann gehörten der Jury der Bundestagsabgeordnete Gernot Erler sowie Ursula Sladek an, Leiterin des deutschen Öko-stromanbieters Elektrizitätswerke Schönau. Dass man beide gewinnen konnte, hatte im Vorfeld Euphorie ausgelöst. Erler sei durch seine Besonnenheit und politische Erfahrung mit Konflikten geradezu prädestiniert gewesen, erklärte Uwe Baumann. Auch Ursula Sladek war begeistert: Sie habe es genossen, sich mit etwas anderem zu beschäftigen als mit Strom und Energie, sagte sie.

Autor: Sebastian Krüger